wo Ihn Sonne und Mond nicht bescheint, weil Er ein Schurke ist und dieser Herr Magister hier ein ehrlicher Mann, den Er ums Amt gebracht hat, und räsoniere Er kein Wort weiter."
Stauzius wusste sich vor Schrecken nicht zu fassen; seine Frau hatte ihm eingebunden, ihr nicht eher vor die Augen zu kommen, bis er ihren einzigen Sohn mitbrächte, und der Präsident, der für den jungen Menschen eine beinahe väterliche Zärtlichkeit hegte, hatte ihm zu dessen Befreiung eine ansehnliche Summe in Golde mitgegeben, wodurch seinem eigenen Geize die Ranzion sehr erleichtert ward. Er bequemte sich also und zahlte in 77 Stück alten Louisdoren, das Stück zu 13 Rtlr. gerechnet, das ganze Lösegeld auf den Tisch.
Der Major nahm es an und überreichte es dem Sebaldus, der während der ganzen Unterhandlung, ob er gleich einigemal zu reden versucht hatte, von dem Major nie war zum Worte gelassen worden. "Dies soll", sagte er, "eine kleine Ersetzung des Schadens sein, den der Kerl Ihm zugefügt hat."
"Herr Major", sagte Sebaldus, "Sie haben mir den jungen Menschen geschenkt. Schenken Sie mir ihn ganz, nämlich mit der Freiheit, ihn wieder zu verschenken. Er hat Schutz in meiner Wohnstätte gesucht, diesen Schutz kann ich ihm nicht verkaufen, ohne geradezu wider meine denkart zu handeln. Was mir dieser Herr kann zuwider getan haben, habe ich ihm längst vergeben. Er hat gesucht für die Reinigkeit der Lehre zu wachen, ich muss noch weit mehr bemüht sein, für die Reinigkeit meiner Handlungen zu sorgen. Hier, Herr Generalsuperintendent, nehmen Sie das Geld zurück."
Stauzius stand da wie ein Knabe, dem ein Gast einen Leckerbissen in den Mund stecken will, der Mund läuft voll wasser, aber er trauet sich nicht, ihn aufzutun, aus Furcht vor dem Präzeptor, der es verboten hat. Er sah den Major mit furchtsamen Augen an, der ihn mit einem grimmigen Blicke abschreckte.
Sebaldus hörte indes nicht auf, bei dem Major ernstlich anzuhalten, der endlich dem Sebaldus auf die Achsel schlug und sagte: "Nun, tue Er, was Er will. Ich möchte gern böse sein, wenn ich nur könnte."
Sebaldus gab dem Stauzius das Geld, der es begierig in die tasche schob und den Sebaldus mit einem Eifer umarmte, der genugsam zeigte, dass ihm sein Geld nicht weniger lieb war als sein Sohn. Er nannte ihn seinen Erretter, er bat ihn sehr demütig um Verzeihung, er versicherte, dass er auf ewig dankbar sein werde, dass er erkenne, wie grossmütig Sebaldus handele, da er ihm ohne Rache vergebe, die er gänzlich in seiner Gewalt gehabt hätte, da er nicht einmal die Ranzion seines Sohnes annehmen wolle.
"Genug hievon!" fiel ihm Sebaldus in die Rede. "Gott vergibt ohne Sühnopfer und Lösegeld, und wer Gott fürchtet, wird ihm nachzuahmen suchen. Wenn Sie erkennen, dass Sie mir unrecht getan haben, so bin ich gänzlich befriedigt."
Stauzius versicherte aufs heiligste, er erkenne dies, aber es sei nicht genug, er verspreche ihm, seinen Schaden tätig zu ersetzen, und wenn er wieder nach haus zurückkommen wolle, werde er ihm sobald als möglich eine gute Versorgung zu verschaffen suchen.
Sebaldus dankte für seinen guten Willen, aber verbat ihn.
Der Major sagte, es sei unnötig, denn er wolle dem Sebaldus die erste vakante Feldpredigerstelle und wo möglich bei seinem eignen Bataillon verschaffen, bis dahin nehme er die sorge für dessen Unterhalt auf sich.
Unter diesen Gesprächen trat der junge Stauz in das Zimmer, welchen der Major frei erklärte und ihn seinem Vater übergab, der nicht eher mit Bitten nachliess, als bis ihm Sebaldus in den "Blauen Hecht" zum Mittagsmahle nachfolgte.
Vierter Abschnitt
Hier genoss Sebaldus das süsse Vergnügen, von seinem Feinde verdienten Dank einzuernten. Vater und Sohn überhäuften ihn mit Liebkosungen. Jener wiederholte mit Eifer den Vorschlag zu einer guten Versorgung und beteuerte, er wolle alles Ansehen dazu anwenden, das er im Fürstentume hätte. Der Sohn unterstützte diesen Vorschlag, so dass Sebaldus endlich anfing, zu wanken und sich eine ruhige Beförderung in seinem vaterland als eine wünschenswürdige Sache vorzustellen.
Er befragte den Major über diesen Vorschlag und wunderte sich nicht wenig, dass dieser gar nicht dazustimmen wollte. Da er die Ehrlichkeit aller Menschen nach seiner eignen beurteilte, so konnte er gar nicht begreifen, dass der Major gegen des Superintendenten Aufrichtigkeit soviel Argwohn hegte. Er hielt dies für ein allzuweit getriebenes Misstrauen und befestigte sich immer mehr in seinem Vorhaben, durch eine Predigerstelle in seinem vaterland Ruhe zu suchen.
Als der Major sah, dass sein Entschluss, der Einladung des Stauzius zu folgen, fest gefasst war, so wollte er ihm nicht ferner hinderlich sein. Er liess den alten Stauzius zu sich kommen und band ihm aufs allerernstlichste ein, sein Versprechen zu halten. Er bedeutete ihn, dass er dem Sebaldus einen Brief an den Obersten, der jetzt in der fürstlichen Residenz kommandierte, mitgegeben hätte, um diesen Offizier, seinen vertrauten Freund, zu bitten, den Sebaldus zu beschützen und jeden, der sich unterstehen würde, ihn zu verfolgen, aufs empfindlichste zu bestrafen. Stauzius versprach mehr, als er vorher versprochen hatte, und versicherte, noch mehr zu leisten.
Als Sebaldus vom Major Abschied nahm, empfing er von ihm, ausser dem obengedachten Schreiben an den Obersten, noch ein Empfehlungsschreiben an einen seiner vertrauten