denken oder die es um Gottes willen lesen, wie mein alter Konrektor wollte, dass ich die schlechten Prediger hören sollte.
Sebaldus: Nun fängt mir an ein Licht aufzugehen! So könnte es ja wohl der Vorteil der Buchhändler erfordern, zuweilen schlechte Bücher zu verlegen?
Magister: Dies mag wohl sein; wenigstens scheint es nicht, als hätten sie nötig, sich sonderlich darum zu bekümmern, ob die Bücher gut sind oder nicht.
Sebaldus: Ja, wenn wahr ist, was Sie sagen, so würde ich freilich von der Menge der nützlichen Bücher, über deren Dasein ich mich gefreuet habe, alle abziehen müssen, welche die Konvenienz der Schriftsteller und die Laune der Buchhändler zur Welt bringt.
Magister: Und rechnen Sie immer auch den grössten teil der ungeheuer grossen Anzahl von Büchern ab, womit Deutschland vermittelst unserer Übersetzungsmanufakturen überschwemmt wird.
Sebaldus: Habe ich recht gehört? Übersetzungsmanufakturen? Was soll denn das bedeuten?
Magister: Manufakturen, in welchen Übersetzungen gemacht werden, das ist ja deutlich.
Sebaldus: Aber Übersetzungen sind ja keine Leinwand oder keine Strümpfe, dass sie auf einem stuhl gewebt werden könnten.
Magister: Und doch werden sie beinahe ebenso verfertigt, nur dass man wie bei Strümpfen bloss die hände dazu nötig hat und nicht wie bei der Leinwand auch die Füsse. Auch versichere ich Sie, dass keine Lieferung von Hemden und Strümpfen für die Armee genauer bedungen wird und richtiger auf den Tag muss abgeliefert werden als eine Übersetzung aus dem Französischen, denn dies wird in diesen Manufakturen für die gemeinste, aber auch für die gangbarste Ware geachtet.
Sebaldus: Alles, was Sie sagen, scheint mir unerhört. Also gibt es unter den Übersetzungen und unter den Übersetzern auch wohl einen Rang oder Unterschied?
Magister: Allerdings! Ein Übersetzer aus dem Engländischen ist vornehmer als ein Übersetzer aus dem Französischen, weil er seltner ist. Ein Übersetzer aus dem Italienischen lässt sich schon bitten, ehe er zu arbeiten anfängt, und lässt sich nicht allemal den Tag vorschreiben, an dem er abliefern soll. Einen Übersetzer aus dem Spanischen findet man fast gar nicht, daher kommt es, dass zuweilen Leute aus dieser Sprache übersetzen, die gar nichts davon verstehen. Übersetzer aus dem Lateinischen und Griechischen sind häufig, werden aber gar nicht gesucht, bieten sich daher mehrenteils selbst an. Ausserdem gibt's auch Übersetzer, die zeitlebens gar nichts anders tun als übersetzen; Übersetzer, die ihre Übersetzungen in Nebenstunden zur Erholung machen wie Frauenzimmer die Knötchenarbeiten Marly und Filet. vornehme Übersetzer, diese begleiten ihre Übersetzungen mit einer Vorrede und versichern die Welt, dass das Original sehr gut sei; gelehrte Übersetzer, diese verändern es, begleiten es mit Anmerkungen und versichern, dass es sehr schlecht gewesen, dass sie es aber mit deutschem Fleisse erst vortrefflich gemacht hätten. Es gibt sogar Übersetzer, welche durch Übersetzungen Originalschriftsteller werden. Diese nehmen ein französisches oder engländisches Buch, lassen Anfang und Ende weg, ändern und verbessern das übrige nach Gutdünken, setzen ihren Namen keck auf den Titel und geben das Buch für eigene Arbeit aus. Endlich gibt es solche, die ihre Übersetzungen selbst machen, und solche, die sie von andern machen lassen.
Sebaldus: Sie vergessen, dünkt mich, noch einen wichtigen Unterschied: unter Übersetzern, welche der Sachen und beider Sprachen kundig, und solchen, welche beider unkundig sind. Ich wenigstens glaube einen grossen Unterschied dieser Art bei den Übersetzern der Apokalypse bemerkt zu haben.
Magister: Vielleicht mag die Kenntnis der Sachen und Sprachen bei der Apokalypse einen merklichen Unterschied machen, aber bei unsern gewöhnlichen Übersetzungen aus dem Französischen und Engländischen wird so genau darauf nicht geachtet.
Sebaldus: Und doch, dächte ich, müsste besonders der Verleger seines eigenen Nutzens wegen acht darauf haben.
Magister: Keineswegs! Hieran denkt er gemeiniglich gar nicht oder sehr wenig. Hat er etwa drei Alphabete in Grossoktav oder in Grossquart zu Komplettierung seiner Messe noch nötig, so sucht er unter allen neuen, noch unübersetzten Büchern von drei Alphabeten dasjenige aus, dessen Titel ihm am besten gefällt. Ist sodann ein Arbeiter gefunden (welches eben nicht schwer ist), der noch drei Alphabete bis zur nächsten Messe übernehmen kann, so handeln sie über den armen Franzosen oder Engländer wie zwei Schlächter über einen Ochsen oder Hammel nach dem Ansehen oder auch nach dem Gewichte. Wer am teuersten verkauft oder am wohlfeilsten eingekauft hat, glaubt, er habe den besten Handel gemacht. Nun schleppt der Übersetzer das Schlachtopfer nach haus und tötet es entweder selbst oder lässt es durch den zweiten oder dritten Mann töten.
Sebaldus: Durch den zweiten oder dritten Mann? Wie ist das zu verstehen?
Magister: Das ist eben das Manufakturmässige bei der Sache. Sie müssen wissen, es gibt berühmte Leute, welche die Übersetzungen im grossen entreprenieren, wie ein irländischer Lieferant das Pökelfleisch für ein Geschwader, und sie hernach wieder an ihre Unterübersetzer austeilen. Diese Leute erhalten von allen neuen übersetzbaren Büchern in Frankreich, Italien und England die erste Nachricht, wie ein Makler in Amsterdam Nachricht von Ankunft der ostindischen Schiffe in Texel hat. Alle übersetzungsbedürftige Buchhändler wenden sich an sie, und sie kennen wieder jeden ihrer Arbeiter, wozu er zu gebrauchen ist und wie hoch er im Preise stehet. Sie wenden den Fleissigen Arbeit zu, bestrafen die Säumigen mit Entziehung ihrer Protektion, merzen die Fehler der Übersetzungen aus oder bemänteln sie mit ihrem vornehmen Namen, denn mehrenteils sind Unternehmer dieser Art stark im Vorredenschreiben. Sie wissen auch genau,