habe verringern müssen, da er bei seinen Ämtern keine Einnahme und nicht wenig Ausgaben hatte. Den Überrest zehrte die Vormundschaft über verschiedene arme Waisen auf, die er freiwillig übernahm, so dass er bei seinem tod gerade so viel hinterliess, um begraben werden zu können.
Er war Vater von drei Söhnen: Erasmus, Sebaldus und Elardus, welche seine Frau Hedwig, die mehr ihrer Frömmigkeit als ihres Verstandes wegen bekannt war, schon in Mutterleibe dem geistlichen stand widmete.
Erasmus, der Älteste, war fünf Fuss und zehn Zoll hoch, breitschultrig, wohlgewachsen und weiss und rot im gesicht. Von seiner ersten Jugend an liebte er seine eigene person und hatte von seinen Talenten eine hohe Meinung. Nach geendeten Universitätsjahren brachte ihm sein schlanker Körper eine Hofmeisterstelle in einem vornehmen haus zuwege, wo man wohlgewachsene Leute liebte. Darauf ward er Prediger in einer Stadt, wo ihm seine ansehnliche Leibesgestalt, sein ernstafter, wohlbedächtiger gang und seine vornehmliche stimme unter seinen Kirchkindern nicht wenig Liebe und Ehrfurcht erwarben. In kurzem wusste er eine junge, reiche Witwe von einundzwanzig Jahren, sein Beichtkind, so zu gewinnen, dass sie ihn heiratete. Von der Zeit an legte Erasmus sein Amt nieder, ob er gleich den geistlichen Stand beibehielt, des Ansehens wegen, das er dadurch in der Stadt zu erhalten vermeinte. Er genoss nunmehr seinen Reichtum und wendete ihn zu mancherlei Dingen an, wodurch von ihm geredet werden konnte. Er liess Waisenkinder erziehen, stiftete Stipendien, liess Kirchen ausputzen und Altäre kleiden, pränumerierte auf alle Bücher, denen die Namen der Pränumeranten vorgedruckt wurden, nahm Zueignungsschriften gegen bare Bezahlung an, schenkte Geld zum Baue der Kirchtürme und Orgeln und dergleichen mehr. An bestimmten Tagen teilte er Geld und Brot unter die Armen aus, welche sich scharenweise vor seiner Tür versammelten. Und weil er nicht allein seinen Reichtum, sondern auch seinen Verstand und seine person zur Schau tragen wollte, pflegte er freiwillig alle sechs oder acht Wochen eine zierliche Predigt zu halten, bei welcher sich alle seine Klienten einfinden mussten und nicht unterliessen, nach Beschaffenheit der Umstände, durch Weinen in der Kirche oder durch lautes Lob ausser derselben sich in seine fernere Gunst einzuschmeicheln.
Elardus, ein mageres, blasses Männchen, vier Fuss und zwei Zoll hoch, war, als das jüngste Kind, das geliebte Söhnchen seiner Mutter, die ihn von seiner ersten Jugend an täglich wohl mit speisen stopfte und mit dem Lernen nicht sehr angreifen liess. Indes glaubte er doch in seinem fünfundzwanzigsten Jahre genug gelernt zu haben, um eine Predigerstelle bekleiden zu können, welche zu erlangen sein äusserster Wunsch war. Dies wollte ihm aber, soviel Mühe er sich auch deshalb gab, auf keine Weise gelingen, daher er dreissig Jahre alt ward, ehe er recht wusste, was er einmal in der Welt vorstellen sollte. Zwar bekam er einst, durch Empfehlung seines älteren Bruders, den Antrag, Rechnungsführer bei einer Stuterei und Hundezucht zu werden, welche ein benachbarter Fürst zum Besten seiner Parforcejagd angelegt hatte, ein Amt, wozu nur Rechnen und Schreiben gefordert ward und das doch an achtundert Gulden eintrug. Elardus aber, der die Würde des gelehrten Standes gehörig zu schätzen wusste, wies ein solches Anerbieten mit Verachtung von sich. Indes liess er sich nach nochmaligem zweijährigem Harren bereden, die Stelle eines Konrektors an einer lateinischen Schule anzunehmen, die ebenderselbe Fürst, um des ungestümen Anhaltens seiner Landstände loszuwerden, in seiner Residenz gestiftet hatte. Hier waren ihm zwanzig Gulden fixes Gehalt, ein halber Wispel Roggen, etwas Flachs und andere Naturalien nebst freier wohnung ausgesetzt, welche letztere aber vorderhand wegen Baufälligkeit nicht gebraucht werden konnte. Alles war ungefähr auf achtzig Gulden geschätzt, weil der Fürst der gnädigsten Meinung war, den Lehrern der Jugend in seiner Residenz nur ungefähr den zehnten teil dessen zukommen zu lassen, was die Erzieher seiner Pferde und Hunde forderten. Die Geheimen Räte des Fürsten hielten dies für sehr billig; teils weil es ungleich leichter sein müsse, vernünftige Menschen zu erziehen als unvernünftige Bestien abzurichten, teils weil jedes Schulkind noch wohl wöchentlich einen oder zwei Groschen Schulgeld geben könne, welches die Füllen und jungen Hunde nicht aufzubringen vermöchten.
Unglücklicherweise hatte der ehrliche Elardus nicht recht gelernt, was zu einem tüchtigen Schulmanne erforderlich ist. Im Hebräischen war er beim kleinen Danz stehengeblieben, im Griechischen konnte er zwar ziemlich ohne Anstoss das Neue Testament und die goldenen Sprüche des Pytagoras exponieren, mehr aber nicht; und ob er zwar Lateinisch ganz gut verstand, um es zu lesen, so wollte es doch mit der lateinischen Schreibart nicht recht fort, und Verse konnte er in dieser Sprache gar nicht machen. Es ist wahr, er besass einen ziemlich guten natürlichen Verstand, hatte ferner seine Muttersprache so gut in seiner Gewalt, dass er einen ganz artigen deutschen Aufsatz machen konnte, welches er auch seine Schüler lehrte und sich dabei alle Mühe gab, ihnen von Geographie, geschichte, Sittenlehre und andern Sachen, wovon er glaubte, dass sie in der Welt zu brauchen sein möchten, einige Begriffe beizubringen. Weil aber die Einwohner der Residenz ihre Söhne in der längst erwünschten neuen lateinischen Schule nun auch zu recht gelehrten Leuten erzogen wissen wollten, so hatten sie zu des Elardus deutscher Lehrart gar kein Vertrauen, sondern schickten ihre Kinder in die Privatstunde zum Rektor, einem grundgelehrten mann, der alle halbe Jahre ein lateinisches Programm schrieb, der die Altertümer lehrte und ausser den gewöhnlichen gelehrten Sprachen noch Syrisch, Arabisch und Samaritanisch verstand. Der gute Elardus musste sich also