von ihm eine Abhandlung vom Bau der Kartoffeln gedruckt werden, welche er nach einer ihm eignen Metode zu vervielfältigen weiss und womit er in den teuren Jahren die armen Heuerleute seiner Gegend aus eignem Vorrate beinahe ganz erhalten hat. Als der Frau von Hohenauf die vorhabende Verbindung zwischen ihrem Neffen und Marianen gemeldet ward, antwortete sie in kaltem Tone, sie wisse längst, dass ihr Bruder beständig nur niedrig denke und ihre Bemühungen, die Familie aus dem Staube zu heben, nie gehörig geschätzt habe. Da kurz darauf ihr Gemahl starb, vermählte sie sich abermals, mit einem wohlgewachsnen unmittelbaren Reichsritter, dessen alter stiftsfähiger Adel allein schon aus den Akten eines weitläuftigen, über hundert Jahre bei dem Reichskammergerichte schwebenden Konkursprozesses zu beweisen stand. Um die Güter ihres Gemahls, wo möglich, von Schulden zu befreien, ging sie mit demselben nach Wetzlar mit Empfehlungsschreiben an den hernach durch die Reichskammergerichtsvisitation berühmt gewordenen Juden Natan. Da ihr aber zu Wetzlar, wo man auf das Recht des Heiligen Römischen Reichs und auf das Recht alter Ahnen zu halten weiss, in den Assembleen einige Kränkungen begegneten und ihr Mann – nachdem er sich, in Ansehung seines alten Adels und seiner zärtlichen Liebe gegen die schöne Witwe, in den Ehepakten völlige Gewalt über ihr Vermögen hatte verschreiben lassen – mit einer durchreisenden Tänzerin nach Paris ging, so kehrte sie unverrichtetersachen nach ihres Gemahls herrschaft zurück. Sie bringt daselbst, weil ihre altadligen Nachbarn aus Etikette mit ihr nicht umgehen mögen, einsam und unmutig ihre Tage damit zu, dass sie alle Sonntage und Festtage die Kirche besucht, um für den Kaiser und für die gnädige Gutsherrschaft bitten zu hören, und dass sie in der einen Hälfte der Werkeltage ihre Kammermädchen ausschilt und in der andern mit einem armen fräulein von guter Familie Pikett spielt. Die Gräfin von ***, nachdem sie die wahren Umstände von Marianens Entführung erfahren hatte, liess derselben Charakter die vollkommenste Gerechtigkeit widerfahren und ward wieder ihre wahre Freundin. Beide haben sich einigemal persönlich gesehen und unterhalten einen freundschaftlichen Briefwechsel. Doktor Stauzius fiel um diese Zeit, nach dem tod des Präsidenten, wegen einiger allzu scharfen Gesetzpredigten in die Ungnade des Fürsten. Man setzte ihm daher, ohne sein Verlangen, einen Adjunkt, einen schönen Geist, welcher nach damals neuester Art in morgenländischen Bildern und in abgebrochenen Kraftphrasen bloss für das Gefühl predigte. Dieser Vizegeneralsuperintendent bediente sich auch in seinen Predigten vieler Prosopopöien, fragen und Ausrufungen, aber alles in einer so melodiereichen Aussprache, dass der Fürst, welcher zuweilen schnell aufgefahren war, wenn Stauzius die Ewigkeit der höllischen Strafen herausbrüllte, nun bei höchstem Wohlsein in seiner Loge auf seinem Polsterstuhle unter der Predigt sanft ruhen konnte. Der Neuling kam daher in so grosse Gnade, dass Stauzius, als er sich über einige von dessen Anordnungen beschweren wollte, aus höchsteigener Bewegung, gänzlich pro emerito erklärt ward. Dies ging ihm sehr nahe, zumal da er, ausser dem öffentlichen Verluste seines Ansehens, zu haus seiner Unvorsichtigkeit halber von seiner Frau täglich die bittersten Vorwürfe hören musste. Diese Unglücksfälle machten, dass er des Lebens satt und dadurch vielleicht auch gegen seine Feinde versöhnlicher wurde. Da er von Hieronymus die Glücksveränderung des Sebaldus vernahm, liess er deshalb an ihn ein höfliches Gratulationsschreiben gelangen, welches aber unbeantwortet blieb. Hieronymus nahm wahren Anteil an der glücklichen Lage seines Freundes Sebaldus und an Marianens Verbindung. Er besuchte sie persönlich und brachte zugleich seinem alten Freunde nebst dem ebengedachten Gratulationsschreiben des Doktor Stauzius auch den bisher treulich verwahrten Kommentar über die Apokalypse mit. Notanker der Sohn, alias Rambold, veruneinigte sich bald mit dem Herrn von Haberwald wegen einer Spielschuld und verlor also alle Hoffnung, sich dem alten Pfarrer desselben adjungiert zu sehen. Daher ist er auf andere Ratschläge zu seiner Versorgung gefallen. Er hat sich in den Kopf gesetzt, Professor der praktischen Philosophie oder der schönen Wissenschaften auf irgendeiner Universität oder allenfalls an einem akademischen Gymnasium zu werden, weil er sich einbildet, in diesen Wissenschaften wichtige Entdeckungen gemacht zu haben. Wenn er eine solche Stelle eher erhält, als der Fähnrich den gesuchten Abschied bekömmt, so könnte er auch wohl etwa noch die Jungfer Anastasia heiraten, bei welcher er seit einiger Zeit, wie es scheint, nicht ohne Absicht, fleissig aus und ein gehet. Indes lebt er bei seinem Vater und lässt sich seit einigen Jahren gefallen, dessen Kommentar über die Apokalypse ins reine zu schreiben, so wie er fertig wird. Dabei ist er in Nebenstunden beflissen, Abhandlungen und Rezensionen in verschiedene Journale und Zeitungen einzusenden. Wenn man irgendwo schielende und ungereimte Urteile lieset über Dinge, wovon, wie offenbar zu sehen ist, der Verfasser nichts verstanden hat; wenn dabei verdiente Männer mit naseweisem Geschnatter fein superklug über die ersten Gründe der Kunst oder Wissenschaft, worin sie vorzüglich gross sind, belehrt werden; wenn unbescheidner Eigendünkel für deutsche Freimütigkeit, ungehobelter Gernwitz für Laune und plumpe Exzentrizität für hohes Genie verkauft wird; wenn verstandloses vonvorniges Gewäsch über jede Wahrheit entscheiden und verwirrtes Träumen einer angebrannten Einbildungskraft der höchste Schwung der Dichterei sein soll; wenn besonders dabei pompöse und sinnleere Waidsprüche und Floskelchen gebraucht werden, worauf sich diejenigen etwas einzubilden pflegen, die sich auf weiter nichts etwas einbilden können: so wird man, wenn sonst nicht etwa sicher bekannt ist, welcher andere Geck die Feder geführt hat, nicht unwahrscheinlich schliessen können, dass der Rambold dahintersteckt. Sebaldus hat sich in der Nachbarschaft seines Schwiegersohns ein kleines Gut gekauft, wo er, vergnügt und geehrt, in ruhigem und glücklichem Alter lebt. Er teilt seine Zeit unter