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's denn? Von Ihren Zahlen wird auch wohl keine heraus sein? Sehen Sie doch nach, Herr Pastor!"

Sebaldus nahm seinen Zettel aus der Schreibtafel; der alte Säugling las die Zahlen ab und verglich jede mit der Zeitung.

Sein Auge ward starr, sein Gesicht lang. Endlich rief er: "Was zum Teufel: 33, 12, 66, 6. Ist's möglich! Eine Quaterne! Sie sind ein Glückskind, Herr Pastor!"

"Habe ich was damit gewonnen?" fragte Sebaldus ruhig.

"gewonnen?" rief der Alte und ergriff Bleistift und Papier, um auszurechnen "Lass sehen: 1 Quaterne à 41/2 Stüber 4500 Rtlr. – 4 Ternen à 30 Stüber 10600 – – 6 Amben à 33/4 Stüber 10115 St. Macht wahrhaftig 15201 Rtlr. 15 St. Dass dich doch! Bin ich nicht ein Schöps, dass ich nicht die Nummern genommen habe?"

"Wie? Was? Fünfzehntausend Taler!" rief der junge Säugling, indem er sich seinem Vater zu Füssen warf. "Nun sagen Sie nicht, dass meine Mariane arm ist. Ich umfasse Ihre Knie und stehe eher nicht auf, bis Sie mir Ihre Einwilligung geben. Nun ist alle Hindernis gehoben!"

"Mein Sohn", rief der Alte, "du denkst bloss an deine Heiratdavon ist jetzt die Rede nicht –, ich denke an den verwünschten 'Lotteriewahrsager'!" (Indem warf er das Buch unwillig ins Kaminfeuer, und das Lotterievademecum flog hinterher.) "Dass dich doch! – Aber wie war's dann, Herr Pastor? Ist Mamsell Mariane Ihr einziges Kind?"

Sebaldus antwortete seufzend: "Ich habe noch einen Sohn, von dem ich aber keine Nachricht habe, seit er in den Krieg gegangen ist."

"Sie sehen", rief Säugling der Sohn, der seines Vaters Meinung erriet, "meine Mariane ist das einzige Kind. Wer weiss, bei welcher Aktion der Sohn geblieben ist. – Fünfzehntausend Taler! – Hätte ich doch nicht geglaubt, dass mir Geld Vergnügen machen könnte! – Ich bitte Sie, liebster Vater, bedenken Sie, dass Mariane übrig reich für mich ist!"

"Lass mich gehen, mein Sohn! – Wer weiss, ob auch das Geld richtig ausgezahlt wird?"

"Liebster Papa! Bedenken Sie docheine Königliche Lotterie sollte nicht bezahlen!"

Damit sprang er auf, um Marianen ihr beiderseitiges Glück zu hinterbringen.

Als er weg war, sassen die beiden Alten stockstille. Der alte Säugling fuhr fort, sich zu ärgern, dass er die Zahlen nicht für sich gewählt hatte, und mass an der Entzückung, die er in Sebaldus' Augen las, die Freude ab, worin er selbst gewesen sein würde, wenn er die Quaterne gewonnen hätte.

Sebaldus sass wirklich ganz entzückt da, aber nicht über das gewonnene Geld; denn ob ihm gleich die vorteilhafte Wendung der Sachen erfreulich war, so rührte doch eigentlich seine Wonne daher, dass ihn die Zahlen durch verwandte Ideen an die Apokalypse und an seinen Kommentar erinnerten. Er überdachte seine Meinung, dass alle bösen Menschen, durch Strafen gebessert, in dem neuen Jerusalem gut und glücklich sein würden, welche reizende Vorstellung ihn allemal in die innigste Freude versetzte.

Säugling der Sohn kam bald mit Marianen zurück. Beide warfen sich zu seines Vaters Füssen, der, nach wenigen Schwierigkeiten, seine Einwilligung gab, welche Sebaldus auch bekräftigte.

Vierter Abschnitt

Die beiden Liebenden gingen in den Garten, und die Alten blieben zusammen: Säugling der Vater, um dem Sebaldus einen Brief wegen Bezahlung der Quaterne zu diktieren, und Sebaldus, um ihn zu schreiben.

Kaum war diese Arbeit fertig, als Rambold angefahren kam, um den Herrn von Haberwald abzuholen. Dies war seine gewöhnliche Verrichtung, wenn sein gönner sich so wohl tat, dass er nicht nach haus kommen konnte. Weil dieser aber noch schnarchte, so trat er zum alten Säugling ein.

Er entfärbte sich nicht wenig, als er den Sebaldus wieder erblickte, den er seit der letzten Zusammenkunft87 nicht gesehen hatte. Dennoch wollte er diese gelegenheit nicht vorbeilassen, seine Rache gegen den jungen Säugling auszuführen. Er nahm eine scheinheilige Miene an und sagte, sein Gewissen, da er ehemals der Hofmeister des jungen Herrn gewesen, verbinde ihn, dem alten Herrn eine unangenehme Nachricht zu geben, nämlich dass der junge Herr Säugling sich an eine Landläuferin gehänget habe, die sich demselben zu Gefallen in einem nicht weit entlegenen haus aufhalte.

Der Alte sagte lächelnd: "Ich weiss es wohl. Aber eine Landläuferin ist sie nicht, sondern ein Mädchen, das gute fünfzehntausend Taler hat."

Rambold schlug eine laute Lache auf: "Lassen Sie sich doch so etwas von Ihrem Sohne nicht einbilden. Sie hat gar nichts. Kein Mensch weiss, wem sie angehört."

Der alte Säugling, der sich bei diesem Missverständnisse genoss, sagte mit belehrender Gebärde: "Wenn's kein Mensch weiss, so weiss ich's doch. Sehen Sie, das Mädchen, das Sie für eine Landläuferin halten, ist des Herrn Pastors hier einzige Tochter. Er hat in der letzten Ziehung der ***schen Lotterie eine Quaterne von fünfzehntausend Talern gewonnen. Sie ist meines Sohnes Braut, denn ich habe meine Einwilligung gegeben und ihr Vater auch. Also kommt Ihr guter Rat zu spät, mein lieber Herr Rambold."

Rambold war äusserst betreten. Seine