, so dass die mit Unrecht der Stadt aufgedrungenen Kalvinisten gewiss würden haben verdursten müssen, wenn alle andere Brauer wie er dem Eifer für die Rechtgläubigkeit den weltlichen Vorteil nachgesetzt hätten. Nach geendigter Leichenpredigt und verrichteter Beerdigung kamen sie sämtlich im Trauerhause zur Trauermahlzeit zusammen, wo diese Materie wieder vorgenommen und die Indifferentisterei, dass man reformierte Taufzeugen zuliesse, sehr bitter gerügt wurde. Ehrn Weelsteertius nahm sich des bedrängten Mackligius an. Der Streit ward sehr heftig; beide Teile schrien so stark, dass keiner den andern verstand; und weil die ministerialische Partei die heftigste und auch die stärkste war, so würde es vielleicht gar zu Tätlichkeiten gekommen sein, wenn nicht die Minorität, ihrer Schwäche sich bewusst, am Ende der Mahlzeit nach der Haustüre geeilt wäre. Doch hatte das Gezänk auch auf der Gasse noch kein Ende. Der Pöbel lief zusammen, nahm an dem Streite der geistlichen Herren Anteil, und da, gerade als der Eifer für die Rechtgläubigkeit angezündet war, unglücklicherweise ein kalvinischer Tuchmacher über die Strasse ging, so ward derselbe zur Bestätigung der rechtgläubigen Lehre mit Füssen getreten und ihm ein Auge ausgeschlagen.
Dieser Vorgang, wobei sich die Regierung zu Glückstadt sehr unortodoxerweise der Kalvinisten annahm und dem geistlichen Ministerium mehrere Verträglichkeit und Behutsamkeit empfahl, machte des Mackligius Sache bei seinen Kollegen eben nicht besser. Lic. Wulkenkragenius, ein cholerischer Mann, der nicht verwinden konnte, dass ihm von der Obrigkeit, die doch nur aus Laien bestand, so ein trockner Verweis war gegeben worden, arbeitete eifrig daran, den guten Mackligius ganz und gar vom amt abzusetzen. Hierin stand ihm unterderhand Diakon Pypsnövenius nicht wenig bei, als welcher durch den mächtigen Beistand seines Gönners, des Kirchenpropstes Doktor Puddewustius, in die Archidiakonatsstelle zu rücken dachte. Aber Archidiakon Weelsteertius und Diakon Slabörderius, welche zur Gegenpartei gehörten und überdem von der Vakanz, die durch Mackligius' Absetzung entstanden sein würde, keinen Vorteil ziehen konnten, wussten ihre Bekanntschaften in vornehmen Häusern, wo sie Hofmeister gewesen waren, dergestalt zu benutzen, dass aus dem Oberkonsistorialgerichte bloss ein Befehl an Mackligius erging, seinen Informator nie wieder die Kanzel besteigen zu lassen und sich der Reinigkeit der Lehre wegen mit einem neuen Eide zu verbinden. Diesen leistete er zwar ungesäumt, verlor aber nichtsdestoweniger sein Filial. Denn der Edelmann, der sich für die Reinigkeit der Lehre hätte erstechen lassen, hatte von ihm durch die heimlichen Einblasungen des Diakons Pypsnövenius eine so widrige Meinung bekommen, dass er ihn weiter auf seinem Erbgute nicht dulden wollte. Er verlieh daher seine Filialpfarre dem Landprediger Ehrn Suursnutenius, einem ehrbaren, konkordanzfesten mann, zu nicht geringem Missvergnügen des Diakons Ehrn Pypsnövenius, welcher, da ihm die Archidiakonatsstelle zu wasser ward, durch die kräftige Rekommandation des Kirchenpropstes das Filial gewiss nicht zu verfehlen gedachte. Gleichwie man aber leider mehrere Beispiele hat, dass die Kirche der Küche weichen muss, so war auch hier die Rekommandation des Propstes nicht so kräftig als die Rekommandation der Haushälterin des Edelmanns, welcher Suursnutenius von ihrer Base war empfohlen worden, die da war eine Halbschwester eines Dingvogts, dessen Mutter Gevatterin war von einem Geschwisterkinde der Frau eines Kammerdieners, dessen gnädige Frau eine Kammerjungfer hatte, welche Beichtkind war eines Predigers in einer andern Stadt, dessen Kinder Ehrn Suursnutenius eine Zeitlang unentgeltlich unterrichtet hatte. Dies verursachte zwischen Ehrn Suursnutenius und Ehrn Pypsnövenius einigen Wortwechsel und nachher nicht geringen Kaltsinn, welches endlich Anlass gab, dass die gewöhnliche Freitagsversammlung sich ganz und gar zerschlug. Der Himmel weiss, wie es seitdem mit der Kenntnis der neuen Literaturgeschichte und mit den Bärten der Landprediger in diesem Teile Holsteins beschaffen sein mag.
Doch mit dem guten Sebaldus war es auf alle Weise noch viel schlechter beschaffen. Da Ehrn Mackligius ihn bloss des Filials wegen zu sich genommen hatte, so wusste er ihn nunmehr ferner gar nicht zu gebrauchen, sondern dankte ihn unverzüglich ab. In der Stadt wollte niemand einen Mann unter sein Dach nehmen, der die gottlose Irrlehre gepredigt hatte, man müsse alle seine Nebenmenschen lieben, wenn sie auch von anderer Religion wären. Der Kammerjunker, ein Mann von feiner politischer Weisheit, hielt es seinem guten Vernehmen mit verschiedenen Männern, die im land ansehnliche Ämter bekleideten, nicht zuträglich, einen Heterodoxen zu beschützen. Sebaldus würde also unter freiem Himmel haben verschmachten müssen, wenn nicht der Schiffer, dessen Kind in Beisein eines reformierten Taufzeugen getauft worden war, ihm freiwillig sein Haus angeboten hätte.
Kaum war dies geschehen, so erhielt er von seinem Freunde Hieronymus auf den an ihn geschriebenen Brief eine Antwort, welche seine Betrübnis vollkommen machte. Hieronymus hatte sich bei dem Verwalter nach Marianen erkundigt und weiter nichts zur Antwort erhalten, als sie sei mit Zurücklassung aller ihrer Sachen, die er für das vom Sebaldus mitgenommene Pferd zurückbehalten habe, entlaufen, niemand wisse wohin.
Diese Nachricht brach dem Sebaldus gänzlich das Herz. Von seinem Sohne hatte er schon seit vielen Jahren keine Nachricht. Seine Tochter war nunmehr auch für ihn verloren, und ihre Aufführung schien seiner unwürdig zu sein. Er selbst hatte bloss dem Mitleiden ein Obdach zu verdanken, und er sah keine Aussicht, wie er sein mühseliges Leben auch nur kümmerlich fortschleppen könnte.
Der Schiffer, dem sein Zustand zu Herzen ging, schlug ihm vor, dass er nach Ostindien gehen solle, der allgemeinen Zuflucht unglücklicher Europäer, und erbot sich, ihn nach Amsterdam, wohin sein Schiff eben absegelte, umsonst mitzunehmen. Dieser Vorschlag ward von dem bekümmerten Sebaldus mit beiden Händen ergriffen, da er nun nichts mehr hatte, was ihn in diesem