eingeben werden."
Die Richter befanden sich in grosser Verlegenheit; und es ist schwer zu sagen, was für ein Mittel sie endlich ergriffen haben würden, um mit Ehren aus der Sache zu kommen, wenn der Zufall, der zu allen zeiten der grosse Schutzgott aller Abderiten gewesen ist, sich ihrer nicht angenommen, und diesem feinen bürgerlichen Drama eine Entwicklung gegeben hätte, deren sich einen Augenblick vorher kein Mensch versah, noch versehen konnte.
Sechzehntes Kapitel
Unvermutete Entwicklung der ganzen Komödie und
Wiederherstellung der Ruhe in Abdera
Der Esel, dessen Schatten zeiter (nach dem Ausdruck des Archon Onolaus) eine so seltsame Verfinsterung in den Hirnschädeln der Abderiten angerichtet hatte, war bis zu Austrag der Sache in den öffentlichen Stall der Republik abgeführt, und bisher daselbst notdürftig verpflegt worden.
Das Beste, was man davon sagen kann, ist, dass er nicht fetter davon geworden war.
Diesen Morgen nun war es den Stallbedienten der Republik, welche wussten, dass der Handel zu Ende gehen sollte, auf einmal eingefallen: der Esel, der gleichwohl eine Hauptperson bei der Sache vorstellte, sollte doch billig auch von der Partie sein. Sie hatten ihn also gestriegelt, mit Blumenkränzen und Bändern herausgeputzt, und brachten ihn nun, unter der Begleitung und dem Nachjauchzen unzähliger Gassenjungen, in grossem Pomp herbei.
Der Zufall wollte, dass sie in der nächsten Gasse, die zum Markt führte, anlangten, als Polyphonus eben seinen Nachtrag geendigt hatte, und die armen Richter sich gar nicht mehr zu helfen wussten, das Volk hingegen zwischen der Furcht vor dem Erzpriester und dem neuen Stoss, den ihm die zwote Rede des Sykophanten Physignatus gegeben, in einer ungewissen und unmutigen Art von Bewegung schwankte.
Der Lerm, den die besagten Gassenjungen um den Esel her machten, drehte jedermanns Augen nach der Seite, woher er kam. Man stutzte und drängte sich hinzu.
Ha! rief endlich einer aus dem volk, da kommt der Esel selbst! – Er wird den Richtern wohl zu einem Ausspruch helfen wollen, sagte ein andrer. – Der verdammte Esel, rief ein dritter, er hat uns alle zu grund gerichtet! Ich wollte, dass ihn die Wölfe gefressen hätten, eh er uns diesen gottlosen Handel auf den Hals zog! – Heida! schrie ein Kesselflicker, der immer einer der eifrigsten Schatten gewesen war; was ein braver Abderit ist, über den Esel her! Er soll uns die Zeche bezahlen! Lasst nicht ein Haar aus seinem schäbigten Schwanz von ihm übrig bleiben!
In einem Augenblick stürzte sich die ganze Menge auf das Tier, und, ehe man eine Hand umkehren konnte, war es in tausend Stücke zerrissen. Jedermann wollte auch einen Bissen davon haben. Man riss, schlug, zerrte, kratzte, balgte und raufte sich darum mit einer Hitze, die gar nicht ihres gleichen hatte. Bei einigen ging die Wut so weit, dass sie ihren Anteil auf der Stelle roh und blutig auffrassen; die meisten aber liefen mit dem, was sie davon gebracht, nach haus; und da ein jeder eine Menge hinter sich her hatte, die ihm seinen Raub mit grossem Geschrei abzujagen suchten: so wurde der ganze Markt in wenig Minuten so leer als um Mitternacht.
Die Vierhundertmänner waren im ersten Augenblick dieses Aufruhrs, wovon sie die Ursache nicht sogleich sehen konnten, in so grosse Bestürzung geraten, dass sie alle, ohne selbst zu wissen, was sie taten, die Dolche hervorzogen, die sie heimlich unter ihren Mänteln bei sich führten; und die Herren sahen einander mit keinem kleinen Erstaunen an, da auf einmal, vom Nomophylax bis zum untersten Beisitzer, in jeder Hand ein blosser Dolch funkelte. Als sie aber endlich sahen und hörten was es war, steckten sie geschwinde ihre Messer wieder in den Busen, und brachen allesamt, gleich den Göttern im ersten Buch der Ilias, in ein unauslöschliches Gelächter aus.
Dank sei dem Himmel, rief endlich, nachdem die sehr ehrwürdigen Herren wieder zu sich selbst gekommen waren, der Nomophylax lachend aus: mit aller unsrer Weisheit hätten wir der Sache keinen schicklichern Ausgang geben können. Wozu wollten wir uns nun noch länger die Köpfe zerbrechen? Der Esel, der unschuldige Anlass dieses leidigen Handels, ist (wie es zu gehen pflegt) das Opfer davon geworden; das Volk hat sein Mütchen an ihm abgekühlt; und es kommt jetzt nur noch auf eine gute Entschliessung von unsrer Seite an: so kann dieser Tag, der noch kaum so aussah, als ob er ein trübes Ende nehmen würde, ein Tag der Freude und der Wiederherstellung der allgemeinen Ruhe werden. Da der Esel selbst nicht mehr ist, was hülf' es, noch lange über seinen Schatten zu rechten? Ich trage also darauf an: dass diese ganze Eselssache hiemit öffentlich für geendigt und abgetan genommen, beiden Teilen, unter Vergütung aller ihrer Kosten und Schäden aus dem Stadtärario, ein ewiges Stillschweigen auferlegt, dem armen Esel aber auf gemeiner Stadt Kosten ein Denkmal aufgerichtet werde, das zugleich uns und unsern Nachkommen zur ewigen Erinnerung diene, wie leicht eine grosse und blühende Republik sogar um eines Esels Schatten willen hätte zu grund gehen können.
Jedermann klatschte dem Antrag des Nomophylax seinen Beifall zu, als dem klügsten und billigsten Auswege, den man, nach Gestalt der Sachen, treffen könne. Beide Parteien konnten damit zufrieden sein, und die Republik erkaufte ihre Beruhigung und Verhütung grösseren Schimpfs und Unheils noch immer wohlfeil genug. Der Schluss wurde also von den Vierhundertmännern einhellig diesem