mit einer Musik von seiner Composition unterhalten, und (wie er sagte) zu einer so feierlichen Handlung vorbereitet würde. Dieser Einfall, wiewohl er eine Neuerung war, wurde dennoch sehr wohl aufgenommen, und tat, (gegen die Absicht des Nomophylax, der seine Partei dadurch in verstärkte Bewegungen von Mut und Eifer hatte setzen wollen) eine sehr gute wirkung. Denn die Musik gab denen von der Partei des Erzpriesters zu einer Menge spässiger Einfälle Anlass, über welche sich von Zeit zu Zeit ein grosses Gelächter erhob. Einer sagte: Dieses Allegro klingt ja wie ein Schlachtgesang – zu einem Wachtelkampfe, fiel ein anderer ein. dafür tönt aber auch, sagte ein dritter, das Adagio, als ob es dem Zahnbrecher Strution und Meister Knieriemen, seinem Schutzpatron, zu grab singen sollte. Die ganze Musik, meinte ein vierter, verdiene von Schatten gemacht, und von Eseln gehört zu werden, u.s.w. Wie frostig nun auch diese Scherze waren, so brauchte es doch bei einem so jovialischen und so leicht anzustekkenden Völkchen nichts mehr, um die ganze Versammlung unvermerkt in ihre natürliche komische Laune umzustimmen; eine Laune, die der Parteiwut, wovon sie noch besessen waren, unvermerkt ihren Gift benahm, und vielleicht mehr als irgend etwas anders zur Erhaltung der Stadt in diesem kritischen Augenblicke beitrug.
Endlich erschien der Nomophylax mit seiner Leibwache von armen alten Invalidenhandwerkern, welche, mit stumpfen Hellebarten und mit einer friedsamen Art von eingerosteten Degen bewaffnet, mehr das Ansehen von den lächerlichen Figuren hatten, womit man in Gärten die Vögel schreckt, als von Kriegsmännern, die dem Gericht beim Pöbel Würde und Furchtbarkeit verschaffen sollten. Wohl indessen der Republik, die zu Beschirmung ihrer Tore und innerlichen Sicherheit keiner andern Helden nötig hat als solcher!
Der Anblick dieser grotesken Milizer, und die ungeschickte possierliche Art, wie sie sich in dem kriegerischen Aufzuge, worein man sie nicht ohne Mühe verkleidet hatte, gebärdeten, erweckte bei dem zuschauenden volk einen neuen Anstoss von Lustigkeit; so dass der Herold viele Mühe hatte, die Leute endlich zu einer leidlichen Stille, und zu dem Respect, den sie dem höchsten Gerichte schuldig waren, zu bringen.
Der Präsident eröffnete nunmehr die Session mit einer kurzen Rede; der Herold gebot ein abermaliges Stillschweigen, und die Sykophanten beider Teile wurden namentlich aufgefodert, sich mit ihrer Klage und Verantwortung mündlich vernehmen zu lassen.
Den Sykophanten, welche für grosse Meister in ihrer Art passierten, musste die gelegenheit, ihre Kunst an einem Eselsschatten sehen zu lassen, an sich allein schon eine grosse Aufmunterung sein. Man kann also leicht denken, wie sie sich nun vollends zusammengenommen haben werden, da dieser Eselsschatten ein Gegenstand geworden war, an dem die ganze Republik Anteil nahm, und um dessen willen sie sich in zwo Parteien getrennt hatte, deren jede die Sache ihres Clienten zu ihrer eignen machte. Seit ein Abdera in der Welt war, hatte man noch keinen Rechtshandel gesehen, der so lächerlich an sich selbst, und so ernstaft durch die Art, wie er behandelt wurde, gewesen wäre. Ein Sykophant müsste nur ganz und gar kein Genie und keinen Sykophantensinn gehabt haben, der bei einer solchen gelegenheit nicht sich selbst übertroffen hätte.
Um so mehr ist es zu beklagen, dass der übelberüchtigte Zahn der Zeit, dem so viele andere grosse Werke des Genies und Witzes nicht entgehen konnten, noch künftig entgehen werden, leider! auch der Originale dieser beiden berühmten Reden nicht verschont hat! wenigstens so viel uns bekannt ist. Denn wer weiss, ob es nicht vielleicht einem künftigen Fourmont oder Sevin, der auf Entdeckung alter Handschriften ausgeht, dereinst gelingen mag, eine Abschrift derselben in irgendeinem bestaubten Winkel einer alten griechischen Klosterbibliotek aufzuspüren, Oder, wenn dies nicht zu hoffen stünde, wer kann sagen, ob nicht in der Folge der zeiten Tracien selbst wieder in die hände christlicher Fürsten fallen wird, die sich (nach dem Beispiel einiger grossen Könige unsers philosophischheroischen Alters) eine Ehre daraus machen werden, mächtige Beförderer der Wissenschaften zu sein, Akademien zu stiften, versunkne Städte ausgraben zu lassen, u.s.w. Wer weiss, ob nicht alsdann diese gegenwärtige Abderitengeschichte selbst (so unvollkommen sie ist), in die Sprache dieses künftig bessern Traciens übersetzt, die Ehre haben wird, gelegenheit zu geben, dass ein solcher neutracischer Musagete auf den Einfall kommt, die Stadt Abdera aus ihrem Schutte hervorgraben zu lassen? Da dann ohne Zweifel auch die Kanzlei und das Archiv dieser berühmten Republik, und in demselben die sämtlichen Originalacten des Processes um des Esels Schatten, nebst den beiden Reden, deren Verlust wir beklagen, sich wieder finden werden, – Es ist wenigstens angenehm, sich solchergestalt auf den Flügeln patriotischmenschenfreundlicher Träume in die Zunkunft zu schwingen, und sich an den Glückseligkeiten zu laben, die unsern Nachkommen noch bevorstehen; Glückseligkeiten, für welche die (bekanntermassen) immer steigende Vervollkommnung der Wissenschaften und Künste, und der von ihnen sich über alles Fleisch ergiessenden Erleuchtung, Verschönerung und Sublimierung der Denkart, des Geschmacks und der Sitten uns sichre Bürgschaft leistet!
Inzwischen gereicht es uns doch zu einigem Troste, dass wir uns im stand sehen, aus den Papieren, aus welchen gegenwärtige Fragmente der Abderitengeschichte genommen sind, wenigstens einen Auszug dieser Reden zu liefern, dessen Echteit um so weniger verdächtig ist, da kein Leser, der eine Nase hat, den Duft der Abderiteit verkennen wird, der daraus emporsteigt – ein innerliches Argument, das am Ende doch immer das beste