nur desto auffallender machten: so würden die besagten Schatten äusserst verlegen gewesen sein, was sie anfangen wollten, um ihrer beinahe ganz gesunknen Partei wieder einen Schwung zu geben, wenn der Priester Strobylus sie nicht bei Mut erhalten, und versichert hätte, dass er, sobald der Gerichtstag festgesetzt sein würde, dem kleinen Jason (wie er ihn zu nennen pflegte) ein Gewitter über den Hals schicken wolle, dessen er sich mit aller seiner Schlauheit gewiss nicht versehn, und wodurch die Sache sogleich ein ganz ander Aussehen gewinnen werde.
Die Schatten schienen sich nun so ruhig zu halten, dass Agatyrsus und sein Anhang diese anscheinende Niedergeschlagenheit ihrer Geister sehr wahrscheinlich der wenigen Hoffnung zuschreiben konnten, welche ihnen nach dem über sie erhaltnen zwiefachen Vorteil übrig blieb. Sie verdoppelten daher ihre Bemühungen bei dem Archon Onolaus (dessen Sohn ein vertrauter Freund des Erzpriesters und einer der hitzigsten Esel war), einen nahen Tag zur Versammlung des grossen Rats anzuberaumen; und sie erhielten endlich durch ihr ungestümes Anhalten, dass diese Feierlichkeit auf den sechsten Tag nach der letzten Ratssitzung festgestellt wurde.
Diejenigen, welche die Weisheit eines Plans oder einer genommenen Massregel nach dem Erfolg zu beurteilen pflegen, werden vielleicht die Sicherheit des Erzpriesters bei der plötzlichen Untätigkeit seiner Gegenpartei eines Mangels an Klugheit und Vorsicht beschuldigen, von welchem wir ihn allerdings nicht gänzlich freisprechen können. Wir leugnen es nicht, es würde behutsamer von ihm gewesen sein, diese Untätigkeit vielmehr irgend einem wichtigen Streich, über welchem sie in der Stille brüteten, als einem zu Boden gesunknen Mute zuzuschreiben. Allein es war einer von den Fehlern dieses Jasoniden, dass er aus allzulebhaftem Gefühl seiner eignen Stärke seine Gegner immer mehr verachtete, als die Klugheit erlaubte. Er handelte fast immer wie einer, der es nicht der Mühe wert hält zu berechnen, was ihm seine Feinde schaden können, weil er sich überhaupt bewusst ist, dass es ihm nie an Mitteln fehlen werde, das Ärgste, was sie ihm tun können, von sich abzutreiben. Indessen ist doch in gegenwärtigem Falle zu vermuten, dass tausend andre an seinem Platz, und bei so günstigen Anscheinungen, eben so gedacht, und, wie er, geglaubt hätten, sehr wohl daran zu tun, wenn sie sich den guten Willen ihrer neuen Freunde zu Nutze machten, bevor er wieder erkaltete, und ihren Feinden keine Zeit liessen, wieder zu sich selbst zu kommen.
Dass der Erfolg seiner Erwartung nicht gemäss war, kam von einem Streich des Priesters Strobylus her, den er mit aller seiner Klugheit nicht voraus sehen konnte; und der, so sehr er auch in dem Charakter dieses Mannes gegründet sein mochte, doch so beschaffen war, dass man nur durch die unmittelbare Erfahrung dahin gebracht werden konnte, ihn dessen für fähig zu halten.
Zehntes Kapitel
Was für eine Mine der Priester Strobylus gegen
einen Collegen springen lässt
Zusammenberufung der Zehnmänner
Der Erzpriester wird vorgeladen findet aber Mittel
sich sehr zu seinem Vorteil aus der Sache zu ziehen
Tages vorher, eh der Process über den Eselsschatten, der seit einigen Wochen die unglückliche Stadt Abdera in so weit aussehende Unruhen gestürzt hatte, vor dem grossen Rat entschieden werden sollte, kam der Oberpriester Strobylus, mit zwei andern Priestern der Latona und verschiedenen Personen aus dem volk, in grosser Gemütsbewegung und Eilfertigkeit frühmorgens zu dem Archon Onolaus, um Seiner Gnaden ein Wunderzeichen zu berichten, welches (wie man die höchste Ursache habe zu fürchten) die Republik mit irgend einem grossen Unglück bedrohe.
Es hätten nämlich schon in der ersten und zweiten Nacht vor dieser letzteren einige zum Latonentempel gehörige Personen zu hören geglaubt, dass die Frösche des geheiligten Teiches, anstatt des gewöhnlichen Wreckeckek Koax Koax, welches sie sonst mit allen andern natürlichen Fröschen, und selbst mit denen in den stygischen Sümpfen (wie aus dem Aristophanes zu ersehen) gemein hätten, ganz ungewöhnliche und klägliche Töne von sich gegeben; wiewohl besagte Leute sich nicht getraut, so nahe hinzuzugehen, um solche genau unterscheiden zu können. Auf die Anzeige, die ihm, dem Oberpriester, gestern Abends hievon gemacht worden, habe er die Sache wichtig genug gefunden, um mit seiner untergebnen Priesterschaft die ganze Nacht bei dem geheiligten Teiche zuzubringen. Bis gegen Mitternacht habe die tiefste Stille auf demselben geruht: allein um besagte Zeit habe sich plötzlich ein dumpfes, unglückweissagendes Getön aus dem Teich erhoben; und da sie näher hinzugetreten, hätten sie insgesamt die Töne: Weh! Weh! Pheu! Eleleleleleu! ganz deutlich unterscheiden können. Dieses Wehklagen habe eine ganze Stunde lang gedauert, und sei, ausser den Priestern, noch von allen denen gehört worden, die er als Zeugen eines so unerhörten und höchst bedenklichen Wunders mit sich gebracht habe. Da nun gar nicht zu bezweifeln sei, dass die Göttin ihr bisher geliebtes Abdera durch dieses drohende und wundervolle Anzeichen vor irgend einem bevorstehenden grossen Unglück habe warnen, oder vielleicht zur Untersuchung und Bestrafung irgend eines noch unentdeckten Frevels auffordern wollen, der den Zorn der Götter auf die ganze Stadt ziehen könnte: so wolle er, kraft seines Amtes und im Namen der Latona, Seine Gnaden hiemit ersucht haben, das Collegium der Zehnmänner unverzüglich zusammen berufen zu lassen, damit die Sache ihrer Wichtigkeit gemäss erwogen, und die weitern Vorkehrungen, die ein solcher Vorfall erfodere, getroffen werden könnten.
Der Archon, der in dem Ruf war, sich in Absicht der geheiligten Frösche ziemlich stark auf die freien Meinungen des Demokritus zu neigen, schüttelte bei diesem Vortrag den Kopf, und stunde eine Weile, ohne den Priestern eine