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Strobylus sagte dieses letzte mit einem Eifer und einem Crescendo il Forte, dass Demokritus für nötig fand, ihn zu versichern, dass dies wenigstens bei allen Gesunddenkenden eine ausgemachte Sache sei.
"Indessen, fuhr der Oberpriester fort, hat die Republik gleichwohl solche Beweise ihrer besonderen Devotion für den Tempel der Latona und dessen Zubehörden abgelegt, dass gegen die Lauterkeit ihrer Absichten nicht der geringste Zweifel übrig sein kann. Sie hat zu Versehung des Dienstes nicht nur ein Collegium von sechs Priestern, deren Vorsteher zu sein ich unwürdiger Weise die Ehre habe, sondern auch aus dem Mittel des Senats drei Pfleger des geheiligten Teichs angeordnet, von welchen der erste allezeit eines von den Häuptern der Stadt ist. Ja sie hat, aus Beweggründen, deren Richtigkeit streitig zu machen, nicht länger erlaubt ist, die Unverletzlichkeit der Frösche des Latonenteichs auf alle Tiere dieser Gattung in ihrem ganzen Gebiet ausgedehnt; und zu diesem Ende das ganze Geschlecht der Störche, Kraniche und aller andern Froschfeinde aus ihren Grenzen verbannt."
Wenn die Versicherung, dass es nicht länger erlaubt ist, an der Richtigkeit dieses Verfahrens zu zweifeln, mir nicht die Zunge bände, sagte Demokritus, so würde ich mir die Freiheit nehmen zu erinnern, dass selbiges mehr in einer, zwar an sich selbst löblichen, aber doch aufs äusserste getriebnen Deisidämonie62, als in der natur der Sache oder der Ehrfurcht, die wir der Latona schuldig sind, gegründet zu sein scheint. Denn in der Tat ist nichts gewisser, als dass die Frösche zu Abdera und in der Gegend umher, die den Einwohnern bereits sehr beschwerlich sind, mit der Zeit sich unter einer solchen Protection so überschwenglich vermehren werden, dass ich nicht begreife, wie unsre Nachkommen sich mit ihnen werden vergleichen können. Ich rede hier bloss menschlicher Weise, und unterwerfe meine Meinung dem Urteil der Obern, wie einem rechtgesinnten Abderiten zukommt.
"Daran tun Sie wohl, sagte Strobylus, es mag nun Ihr Ernst sein oder nicht; und Sie würden, nehmen Sie mir es nicht übel, noch besser tun, wenn Sie dergleichen Meinungen gar nicht laut werden liessen. übrigens kann nichts lächerlichers sein, als sich vor Fröschen zu fürchten; und unter dem Schutze der Latona können wir, denke ich, gefährlichere Feinde verachten, als diese guten unschuldigen Tierchen jemals sein könnten, wenn sie auch unsre Feinde würden."
Das sollt ich auch denken, sagte Euripides. Mich wundert, wie einem so grossen Naturforscher, als Demokritus, unbekannt sein kann, dass die Frösche, die sich von Insecten und kleinen Schnecken nähren, dem Menschen vielmehr nützlich als schädlich sind.
Der Priester Strobylus nahm diese Anmerkung so wohl auf, dass er von diesem Augenblick an ein hoher gönner und Beförderer unsers Dichters wurde. Die Herren hatten sich kaum von ihm beurlaubt, so ging er in einige der besten Häuser, und versicherte, Euripides sei ein Mann von grossen Verdiensten. "Ich habe sehr wohl bemerkt, sagte er, dass er mit dem Demokritus nicht zum Besten steht; er gab ihm ein- oder zweimal tüchtig auf den Kolben. Er ist wirklich ein hübscher verständiger Mann – für einen Poeten."
Zehntes Kapitel
Der Senat zu Abdera gibt dem Euripides, ohne dass
er darum angesucht hätte Erlaubnis, eines seiner
Stücke auf dem abderitischen Teater aufzuführen Kunstgriff; wodurch sich die abderitische Kanzlei in
solchen Fällen zu helfen pflegte
Schlaues Betragen des Nomophylax
Merkwürdige Art der Abderiten, einem, der ihnen im
Wege stunde, allen Vorschub zu tun
Nachdem Euripides die Wahrzeichen von Abdera sämtlich in Augenschein genommen, führte man ihn nach dem Garten der Salabanda, wo er den Ratsherrn ihren Gemahl, (einen Mann, der bloss durch seine Gemahlin merkwürdig wurde,) und eine grosse Gesellschaft von abderitischem Beau-mond fand, alle sehr begierig zu sehen, wie man es machte, um Euripides zu sein.
Euripides sah nur Ein Mittel, sich mit Ehren aus der Sache zu ziehen; und das war – in so guter abderitischer Gesellschaft nicht Euripides – sondern so sehr Abderit zu sein, als ihm nur immer möglich war. Die guten Leute wunderten sich, ihn so gleichartig mit ihnen selbst zu finden. Es ist ein scharmanter Mann, sagten sie; man dächte, er wäre sein Leben lang in Abdera gewesen.
Die Cabale der Dame Salabanda ging inzwischen tapfer ihren gang, und des folgenden Morgens war schon die ganze Stadt des Gerüchtes voll, der fremde Dichter würde mit seinen Leuten eine Komödie aufführen, wie man in Abdera noch keine gesehen habe.
Es war ein Ratstag. Die Herren versammelten sich, und einer fragte den andern, wenn Euripides sein Stück geben würde? Keiner wollte was davon wissen, wiewohl jeder positiv versicherte, dass bereits die Zurüstungen dazu gemacht würden.
Als der Archon die Sache in Vortrag brachte, formalisierten sich die Freunde des Nomophylax nicht wenig darüber. "Wozu, sagten sie, braucht's uns noch zu fragen, ob wir erlauben wollen, was schon beschlossen ist, und wovon jedermann als von einer ausgemachten Sache spricht?"
Einer der hitzigsten behauptete, dass der Senat eben deswegen Nein dazu sagen, und dadurch zeigen sollte, dass Er Meister sei.
"Das wäre mir ein sauberes Participium, rief der Zunftmeister Pfrieme; weil die ganze Stadt für die Sache bordiert ist, und die fremden Komödianten zu hören wünscht, so soll der Senat Nein dazu sagen? Ich behaupte just das Gegenteil. Eben weil das Volk sie zu hören wünscht, so sollen sie