Laune gewesen als bei diesem Abderitenschmause. Er antwortete mit der grössten gefälligkeit auf alle ihre fragen, lachte über alle ihre platten Einfälle, liess jeden so hoch gelten als er sich selbst würdigte, und erklärte sich sogar über ihr Teater und Musikwesen so billig, dass jedermann vollkommen mit ihm zufrieden war. – "Ein feiner Gast! raunte der politische Ratsherr der Dame Salabanda, die über ihm sass, ins Ohr; der tritt leise auf!" – "Und so höflich, so bescheiden, als ob er kein grosser Kopf wäre", erwiderte Salabanda. – "Der drolligste Mann von der Welt, beim Jupiter! sagte der kurze dicke Ratsherr, beim Aufstehen von Tische; ein recht kurzweiliger Mann! Hätt's ihm nicht zugetraut, mein Seel!" – Die Damen, die er schön gefunden hatte, waren dafür so höflich, und taten, als ob sie ihn um zwanzig Jahre junger fänden als er war; kurz, man war ganz von ihm bezaubert, und bedauerte nur, dass man die Ehre und das Vergnügen, ihn in Abdera zu sehen, nicht länger haben sollte. Denn Euripides blieb dabei, dass er sich nicht aufhalten könne.
Endlich nahm Frau Salabanda den politischen Ratsherrn und den jungen Onobulus auf die Seite. "Was meinen Sie, sagte sie, wenn wir ihn dahin bringen könnten, dass er uns seine Andromeda gäbe, Er hat seine eigne truppe bei sich. Es sollen ganz ausserordentliche Virtuosen sein." – Onobulus fand den Einfall göttlich – "Ich hatte ihn eben selbst gehabt, sagte der politische Ratsherr, und war im Begriff es Ihnen vorzutragen. Aber es wird Schwierigkeiten absetzen. Der Nomophylax." – "O, dafür lassen Sie mich sorgen, fiel Salabanda ein; ich will ihm schon warm machen!"
"Für meinen Oheim steh ich, sagte Onobulus; und noch in dieser Nacht will ich unter unsern jungen Leuten eine Partei zusammentrommeln, die Lerms genug in der Stadt machen soll."
"Nur nicht zu hitzig, munkelte der politische Ratsherr mit dem Kopf wackelnd; wir wollen uns nichts merken lassen! Erst das Terrain sondiert, und fein leise aufgetreten! das ist was ich immer sage."
"Aber, wir haben keine Zeit zu verlieren, Herr Froschpfleger59, Euripides geht fort –"
"Wir wollen ihn schon aufhalten, sagte Salabanda; er soll morgen bei mir sein – eine Gartenpartie, und alle unsre hübschen Leute dazu eingeladen – Lassen Sie nur mich machen; es soll gewiss gehen."
Frau Salabanda passierte in Abdera für eine gar weise Frau. Sie war stark in Politicis und hatte grossen Einfluss auf den Archon Onolaus. Der Oberpriester war ihr Oheim, und fünf oder sechs Ratsherren, die sie in ihrer Freundschaft zählte, gaben selten eine andre Meinung im Rat von sich, als die sie ihnen des Abends zuvor eingetrichtert hatte. Überdies stunden ihr die Liebhaber der schönen Tryallis, mit der sie in engstem Vertrauen lebte, gänzlich zu Gebot; nichts von ihren eignen zu sagen, deren sie immer einige hatte, die auf Hoffnung dienten, und also so geschmeidig waren wie Handschuhe. Ihr Haus, das unter die besten in der Stadt gehörte, war der Ort, wo alle Geschäfte vorbereitet, alle Händel geschlichtet, und alle Wahlen ins Reine gebracht wurden; mit einem Wort, Frau Salabanda machte in Abdera was sie wollte.
Euripides, ohne die mindeste Absicht Gebrauch von der Wichtigkeit dieser Frau zu machen, hatte sich diesen Abend so gut bei ihr insinuiert, als ob er zum wenigsten eine Froschpflegerstelle auf dem Korn gehabt hätte. Brachte sie ein politisches Weidsprüchlein als einen Gedanken vor, so fand er, dass es eine sehr scharfsinnige Bemerkung sei; citierte sie den Simonides oder Homer, so bewunderte er ihr Talent, Verse zu declamieren. Sie hatte ihn mit einigen Stellen seiner Werke aufgezogen, die ihn zu Aten in den bösen Ruf eines Weiberfeindes gesetzt, und er hatte, indem er sich gegen sie und die schöne Tryallis verbeugte, versichert, dass es sein Unglück sei, nicht eher nach Abdera gekommen zu sein. Kurz, er hatte sich so aufgeführt, dass Frau Salabanda bereit war, einen Aufstand zu erregen, falls ihr mit dem politischen Ratsherrn eingefädeltes Project durch kein gelinderes Mittel hätte durchgesetzt werden können.
Man säumte sich nicht, sich vor allen Dingen des Archons zu versichern, der gewöhnlich bald gewonnen war, wenn man ihm sagte, dass eine Sache der Republik Abdera zu grossem Ruhm gereichen, und dem Volk sehr angenehm sein werde. Aber, weil er ein Herr war, der seine Ruhe liebte, so erklärte er sich: er überlasse es ihnen, alles in die gehörige Wege einzuleiten; er seines Orts möchte sich mit niemand deswegen abwerfen, am wenigsten mit dem Nomophylax, der ein Grobian sei, und unter dem Volk einen starken Anhang habe. – "Wegen des Volkes machen sich Ew. Herrlichkeit keine sorge, flüsterte ihm der Ratsherr zu; das will ich durch die dritte Hand schon stimmen lassen, wie wirs nur wünschen können." – "Und ich, sagte Salabanda, nehme die Ratsherren auf mich." – Wir wollen sehen, sprach der Archon, indem er zur Gesellschaft zurückkehrte.
"Sein Sie ruhig, sprach die Dame zum politischen Ratsherrn, indem sie ihn auf die Seite nahm: ich kenne den Archon. Wenn man ihn haben will, so muss man ihm nur des Abends von einer Sache