) sind freilich nur – Raupen. Was ist eine Raupe, um das erste, angelegenste, einzige Studium eines Menschen zu sein, Aber, da wir nun einmal in Aetiopien sind, so sehen wir uns immer, nebenher, auch nach den ätiopischen Raupen um. Es gibt eine Raupe im land der Seren, welche Millionen Menschen kleidet und nährt: wer weiss ob es nicht auch am Niger nützliche Raupen gibt?
Mit dieser Art zu denken hatte sich Demokritus auf seinen Reisen einen Schatz von Wissenschaft gesammelt, der in seinen Augen alles Gold in den Schatzkammern des Königs von Indien und alle Perlen an den Hälsen und Armen seiner Weiber wert war. Er kannte von der Zeder Libanons bis zum Schimmel eines arkadischen Käses eine Menge von Bäumen, Stauden, Kräutern, Gräsern und Moosen; nicht etwa bloss nach ihrer Gestalt, und nach ihren Namen, Geschlechtern und Arten: er kannte auch ihre Eigenschaften, Kräfte und Tugenden. Aber, was er tausendmal höher schätzte als alle seine übrigen Kenntnisse, er hatte allentalben, wo er es der Mühe wert fand sich aufzuhalten, die Weisesten und die Besten kennen gelernt. Es hatte sich bald gezeigt, dass er ihres Geschlechtes war. Sie waren also seine Freunde geworden, hatten sich ihm mitgeteilt, und ihm dadurch die Mühe erspart, eignen Fleisses, Jahre lang, und vielleicht doch vergebens, zu suchen, was sie mit Aufwand und Mühe oder auch wohl nur glücklicher Weise schon gefunden hatten.
Bereichert mit allen diesen Schätzen des Geistes und Herzens kam Demokritus, nach einer Reise von zwanzig Jahren, zu den Abderiten zurück, die seiner beinahe vergessen hatten. Er war ein feiner stattlicher Mann; höflich und abgeschliffen, wie ein Mann, der mit mancherlei Arten von Erdensöhnen umzugehen gelernt hat, zu sein pflegt; ziemlich braungelb von Farbe; kam von den Enden der Welt, und hatte ein ausgestopftes Krokodil, einen lebendigen Affen, und viele andere sonderbare Sachen mitgebracht. Die Abderiten sprachen etliche Tage von nichts anderm, als von ihrem Mitbürger Demokritus, der wieder gekommen war und Affen und Krokodile mitgebracht hatte. Allein in kurzer Zeit zeigte sichs, dass sie sich in ihrer Meinung von einem so weit gereiseten mann sehr verrechnet hatten.
Demokritus war von den wackern Männern, denen er indessen die Besorgung seiner Güter anvertrauet hatte, um die Hälfte betrogen worden, und gleichwohl unterschrieb er ihre Rechnungen ohne Widerrede. Natürlicher Weise musste dies der guten Meinung von seinem verstand den ersten Stoss geben. Die Advocaten und Richter wenigstens, die sich zu einem einträglichen Processe Hoffnung gemacht hatten, merkten mit einem bedeutenden Achselzucken an, dass es bedenklich sein würde, einem mann, der seinem eigenen haus so schlecht vorstehe, das gemeine Wesen anzuvertrauen. Indessen zweifelten die Abderiten nicht, dass er sich nun unter die Mitwerber um ihre vornehmsten Ehrenämter stellen würde. Sie berechneten schon, wie hoch sie ihm ihre stimme verkaufen wollten; gaben ihm eine Tochter, Enkelin, Schwester, Nichte, Base, Schwägerin zur Ehe; überschlugen die Vorteile, die sie zur Erhaltung dieser oder jener Absicht von seinem Ansehen ziehen wollten, wenn er einmal Archon oder Priester der Latona sein würde, u.s.w. Aber Demokritus erklärte sich, dass er weder ein Ratsherr von Abdera, noch der Ehgemahl eine Abderitin sein wollte, und vereitelte dadurch abermal alle ihre Anschläge. Nun hoffte man wenigstens durch seinen Umgang in etwas entschädiget zu werden. Ein Mann, welcher Affen, Krokodile und zahme Drachen von seinen Reisen mitgebracht hatte, musste eine ungeheure Menge Wunderdinge zu erzählen haben. Man erwartete, dass er von zwölfellenlangen Riesen und von sechsdaumenhohen Zwergen, von Menschen mit Hund- und Eselsköpfen, von Meerfrauen mit grünen Haaren, von weissen Negern, und blauen Centauren sprechen würde. Aber Demokritus log so wenig, und in der Tat weniger, als ob er nie über den tracischen Bosporus gekommen wäre.
Man fragte ihn, ob er im land der Garamanten keine Leute ohne Kopf angetroffen habe, welche die Augen, die Nase und den Mund auf der Brust trügen; und ein abderitischer Gelehrter (der, ohne jemals aus den Mauern seiner Stadt gekommen zu sein, sich die Miene gab, als ob kein Winkel des Erdbodens wäre, den er nicht durchkrochen hätte,) bewies ihm in grosser Gesellschaft, dass er entweder nie in Aetiopien gewesen sei, oder dort notwendig mit den Agriophagen, deren König nur ein Auge über der Nase hat, mit den Sambern, die allezeit einen Hund zu ihrem König erwählen, und mit den Artabatiten, die auf allen Vieren gehen, Bekanntschaft gemacht haben müsse11. Und wofern Sie bis in den äussersten teil des abendländischen Aetiopien eingedrungen sind, fuhr der gelehrte Mann fort, so bin ich gewiss, dass Sie ein Volk ohne Nasen angetroffen haben, und ein anderes, wo die Leute einen so kleinen Mund führen, dass sie ihre Suppe durch Strohhalmen einzuschlürfen genötiget sind12.
Demokritus beteuerte beim Kastor und Pollux, dass er sich nicht erinnere, diese Ehre gehabt zu haben.
Wenigstens, sagte jener, haben Sie in Indien Menschen angetroffen, die nur ein einziges Bein auf die Welt bringen, aber dem ungeachtet wegen der ausserordentlichen Breite ihres Fusses so geschwind auf dem Boden fortrutschen, dass man ihnen zu Pferde kaum nachkommen kann13. Und was sagten Sie dazu, wie Sie an der Quelle des Ganges ein Volk antrafen, das ohne alle andre Nahrung vom blossen Geruche wilder Äpfel lebt14?
O erzählen Sie uns doch, riefen die schönen