(welches auf eins hinaus lief) dass ihm nichts schmeckte was er nicht selbst gekocht hatte, und er also immer die rechten Mittel, wodurch es besser werden konnte, verfehlte – war er auch zu träge und zu ungeschmeidig, sich mit andern auf die gehörige Art abzugeben. Vielleicht mocht' er's auch am Ende wohl leiden, dass er, wenn sein Leierwerk (wie wohl zuweilen geschah) sogar den Abderiten nicht recht zu Ohren gehen wollte, die Schuld aufs Orchester schieben, und die Herren und Damen, die ihm Ehren halben ihr Compliment deswegen machten, versichern konnte: dass nicht eine Note, so wie er sie gedacht und geschrieben habe, vorgetragen worden sei. Allein das war doch immer nur eine Feuertüre für den Notfall. Denn aus dem naserümpfenden Ton, worin er von allen andern Orchestern zu sprechen pflegte, und aus den Verdiensten, die er sich um das abderitische beilegte, musste man schliessen, dass er so gut damit zufrieden war, als es – einen patriotischen Nomophylax von Abdera ziemte.
Wie es aber auch mit der Musik dieser Andromeda und ihrer Ausführung beschaffen sein mochte: gewiss ist, dass in langer Zeit kein Stück so allgemein gefallen hatte. Dem Sänger, der den Perseus machte, wurde so gewaltig zugeklatscht, dass er mitten in der schönsten Scene aus dem Tone kam, und in eine Stelle aus dem Cyklops sich verirrete. Andromeda – in der Scene, wo sie, an den Felsen gefesselt, von allen ihren Freunden verlassen, und dem Zorn der Nereiden Preis gegeben, angstvoll das Auftauchen des Ungeheuers erwartet – musste ihren Monolog dreimal wiederholen. Der Nomophylax konnte seine Freude über einen so glänzenden Success nicht bändigen. Er ging von Reihe zu Reihe herum, den Tribut von Lob einzusammeln, der ihm aus allen Lippen entgegenschallte; und mitten unter der Versichrung, dass ihm zu viel Ehre widerfahre, gestand er, dass er selbst mit keinem seiner Spielwerke (wie er seine Opern mit vieler Bescheidenheit zu nennen beliebte) so zufrieden sei, wie mit dieser Andromeda.
Indessen hätt' er doch, um sich selbst und den Abderiten Gerechtigkeit zu erweisen, wenigstens die Hälfte des glücklichen Erfolgs auf Rechnung der Sängerin Eukolpis setzen müssen, die zwar ohnehin schon im Besitz zu gefallen war, aber in der Rolle der Andromeda gelegenheit fand, sich in einem so vorteilhaften Lichte zu zeigen, dass die jungen und alten Herren von Abdera sich gar nicht satt an ihr – sehen konnten. Denn da war so viel zu sehen, dass an's hören gar nicht zu denken war. Eukolpis war eine grosse wohlgedrehte Figur – zwar um ein Namhaftes materieller als man in Aten zu einer Schönheit erfoderte – aber in diesem Stücke waren die Abderiten, wie in vielen andern, ausgemachte Tracier; und ein Mädchen, aus welchem ein Bildhauer in Sicyon zwo gemacht hätte, war nach ihrem angenommenen Ebenmass ein Wunder von einer Nymphenfigur. Da die Andromeda nur sehr dünne angezogen sein durfte, so hatte Eukolpis, die sich stark bewusst war, worin eigentlich die Kraft ihres Zaubers liege, eine Draperie von rosenfarbnem koischem Zeug erfunden, unter welcher, ohne dass der Wohlstand sich allzu sehr beleidigt finden konnte, von den schönen Formen, die man an ihr bewunderte, wenig oder nichts für die Zuschauer verloren ging. Nun hatte sie gut singen! Die Composition hätte, wo möglich, noch abgeschmackter, und ihr Vortrag noch zehnmal fehlerhafter sein können, immer würde sie ihren Monologen haben wiederholen müssen, weil das doch immer der ehrlichste Vorwand war, sie desto länger mit lüsternen Blicken – betasten zu können. Wahrlich, beim Jupiter, ein herrliches Stück, sagte einer zum andern mit halbgeschlossnen Augen; ein unvergleichliches Stück! Aber finden Sie nicht auch, dass Eukolpis heute wie eine Göttin Singt? – "O! über allen Ausdruck! Es ist, beim Anubis! nicht anders als ob Euripides das ganze Stück bloss um ihrentwillen gemacht hätte!" – Der junge Herr, der dies sagte, pflegte immer beim Anubis zu schwören, um zu zeigen, dass er in Aegypten gewesen sei.
Die Damen, wie leicht zu erachten, fanden die neue Andromeda nicht ganz so wundervoll als die Mannsleute. – "Nicht übel! Ganz artig! sagten sie; aber wie kömmts, dass die Rollen diesmal so unglücklich ausgeteilt wurden? Das Stück verlor dadurch. Man hätte die Rollen tauschen und die Mutter der dicken Eukolpis geben sollen! Zu einer Cassiopea hätte sie sich trefflich geschickt." – Gegen ihren Anzug, Kopfputz u.s.w. war auch viel zu erinnern – Sie war nicht zu ihrem Vorteil aufgesetzt – der Gürtel war zu hoch, und zu stark geschürzt – und besonders fand man die Ziererei ärgerlich, immer ihren Fuss zu zeigen, "auf dessen unproportionierte Kleinheit sie sich ein wenig zu viel einbilde" – sagten die Damen, die aus dem entgegengesetzten grund die ihrigen zu verbergen pflegten. Indessen kamen doch Frauen und Herren sämtlich darin überein, dass sie überaus schön singe, und dass nichts niedlichers sein könne, als die Arie, worin sie ihr Schicksal bejammerte. Eukolpis, wiewohl ihr Vortrag wenig taugte, hatte eine gute, klingende biegsame stimme; aber was sie eigentlich zur Lieblingssängerin der Abderiten gemacht hatte, war die Mühe, die sie sich mit ziemlichem Erfolge gegeben, den Nachtigallen gewisse Läufer und Tonfälle abzulernen, in denen sie sich selbst und ihren Zuhörern so wohl gefiel, dass sie solche überall, zu rechter Zeit