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empfohlen worden war. Aber diesesmal wiewohl das Abenteuer der Abderiten mit dem Fürsten der Ärzte sonderbar genug war, um einen Platz in den Jahrbüchern ihrer Republik zu verdienenwurde an allen Tafeln, wo ein Ratsherr oder Zunftmeister obenan sass, des Hippokrates und Demokritus eben so wenig der Welt gewesen wären. In diesem Stücke hatten die Abderiten einen ganz besonderen Public-Spirit, und ein feineres Gefühl, als man ihnen in Betracht ihres gewöhnlichen Eigendünkels hätte zutrauen sollen. In der Tat konnte ihre geschichte mit dem Hippokrates, man hätte sie wenden und colorieren mögen wie man gewollt hätte, auf keine Art, die ihnen Ehre machte, erzählt werden. Das Sicherste war also, die Sache auf sich beruhen zu lassen, und zu schweigen.

Die heutige Komödie machte also diesmal, wie gewöhnlich, den Hauptgegenstand der Unterhaltung aus. Denn seitdem sich die Abderiten, nach dem Beispiel ihres grossen Musters, der Atenienser, mit einem eignen Teater versehen hatten, wurde in Gesellschaften, so bald die übrigen GemeinplätzeWetter, Putz, Stadtneuigkeiten und Scandalaerschöpft waren, unfehlbar entweder von der Komödie, die gestern gespielt worden, oder von der Komödie, die heute gespielt werden sollte, gesprochenund die Herren von Abdera wussten sich, besonders gegen Fremde, nicht wenig damit, dass sie ihren Mitbürgern und Mitbürgerinnen eine so schöne gelegenheit zu Verfeinerung ihres Witzes und Geschmacks, einen so unerschöpflichen Stoff zu unschuldigen Gesprächen in Gesellschaften, und besonders dem schönen Geschlecht ein so herrliches Mittel gegen die Leib und Seele verderbliche Langeweile verschafft hätten.

Wir sagen es nicht um zu tadeln, sondern zum verdienten Lob der Abderiten, dass sie ihr Komödienwesen für wichtig genug hielten, die Aufsicht darüber einem besonderen Ratsausschuss zu übergeben, dessen Vorsitzer immer der zeitige Nomophylax, folglich einer der obersten Väter des Vaterlandes, war. Dies war unstreitig sehr löblich. Alles, was man mit Recht an dieser Einrichtung aussetzen konnte, war, dass es darum nicht um ein Haar besser mit ihrem Komödienwesen stunde. Gleichwohl war dies nicht mehr, als wessen man sich zu Abdera versehen haben wird. Weil nun die Wahl der Stücke von dieser Ratsdeputation abhing, und die Erfindung der Komödienzettel unter die ansehnliche Menge von Erfindungen gehört, die den Vorzug der Neuern vor den Alten ausser allen fernern Widerspruch setzen: so wusste das Publicumausgenommen wenn ein neues abderitisches Originalstück aufs Teater gebracht wurdeselten vorher, was gespielt werden würde. Denn wiewohl die Herren von der Deputation eben kein Geheimnis aus der Sache machten: so musste sie doch, ehe sie publik wurde, durch so manchen schiefen Mund, und durch so viele dicke Ohren gehen, dass fast immer ein Quid pro quo herauskam, und die Zuhörer, wenn sie zum Exempel die Antigone des Sophokles erwarteten, die Erigone des Physignatus für lieb und gut nehmen musstenworan sie es dann auch selten oder nie ermangeln liessen.

Was werden sie uns heute für ein Stück geben, war also jetzt die allgemeine Frage in Abderaeine Frage, die an sich selbst die unschuldigste Frage von der Welt war, aber durch einen einzigen kleinen Umstand erzabderitisch wurde; nämlich, dass die Antwort schlechterdings von keinem praktischen Nutzen sein konnte. Denn die Leute gingen in die Komödie, es mochte ein altes oder neues, gutes oder schlechtes Stück gespielt werden.

eigentlich zu reden gab es für die Abderiten gar keine schlechte Stücke; denn sie nahmen alles für gut; und eine natürliche Folge dieser unbegrenzten Gutmütigkeit war, dass es für sie auch keine gute Stücke gab. Schlecht oder gut, was sie amüsierte, war ihnen recht, und alles was wie ein Schauspiel aussah, amüsierte sie. Jedes Stück also, so elend es war, und so elend es gespielt worden sein mochte, endigte sich mit einem Geklatsch, das gar nicht aufhören wollte. Alsdann ertönte auf einmal durchs ganze Parterre ein allgemeines "Wie hat Ihnen das heutige Stück gefallen?" und wurde stracks durch ein eben so allgemeines "Sehr wohl" beantwortet.

So geneigt auch unsre werten Leser sein mögen, sich nicht leicht über etwas zu verwundern, was wir ihnen von den Idiotismen unsers tracischen Atens erzählen können: so ist doch dieser eben erwähnte Zug etwas so ganz besonderes, dass wir besorgen müssen, keinen Glauben zu finden, wofern wir ihnen nicht begreiflich machen, wie es zugegangen, dass die Abderiten mit einer so grossen Neigung zu Schauspielen es gleichwohl zu einer so hohen unbeschränkten dramatischen Apatie oder vielmehr Hidypatie bringen konnten, dass ihnen ein elendes Stück nicht nur kein Leiden verursachte, sondern sogar eben – (oder doch beinahe eben) so wohl tat als ein gutes. Man wird uns, wenn wir das Rätsel auflösen sollen, eine kleine Ausschweifung über das ganze abderitische Teaterwesen erlauben müssen. Wir sehen uns aber genötiget, uns von dem günstigen und billig denkenden Leser vorher eine kleine Gnade auszubitten, an deren grossmütiger Gewährung ihm selbst am Ende noch mehr gelegen ist als uns. Und dies ist, sichaller widrigen Eingebungen seines Kakodämons ungeachtetja nicht einzubilden, als ob hier, unter verdeckten Namen, die Rede von den Teaterdichtern, den Schauspielern, und dem Parterre seiner lieben Vaterstadt die Rede sei. Wir leugnen zwar nicht, dass die ganze Abderitengeschichte in gewissen Betracht einen doppelten Sinn habe; aber ohne den Schlüssel zu Aufschliessung des geheimen Sinnes, den unsere Leser von uns selbst erhalten sollen, würden sie Gefahr laufen, alle Augenblicke falsche Deutungen zu machen. Bis dahin also ersuchen wir