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Katze ansah."

"Desto schlimmer!" sagte Strobylus.

"In der Tat, desto schlimmerfür seinen Kopf, und für sein Hauswesen! – fuhr Trasyllus fort. Der arme Mann ist in einem Zustande, wobei wir nicht länger gleichgültig bleiben können. Die Familie wird sich genötiget sehen, die Republik um hülfe anzurufen. Er ist in keinerlei Betrachtung fähig, sein Vermögen selbst zu verwalten. Er wird bevogtet werden müssen."

"Wenn dies ist –" sagte der Archon mit einer bedenklichen Mieneund hielt inne.

"Ich werde die Ehre haben, Ihre Herrlichkeit näher von der Sache zu unterrichten", versetzte der Ratsherr Trasyllus.

"Wie, Demokritus sollte nicht bei verstand sein? rief einer aus den Anwesenden. Meine Herren von Abdera, bedenken Sie wohl was Sie tun! Sie sind in Gefahr, dem ganzen Griechenland ein grosses lachen zuzubereiten. Ich will meine Ohren verloren haben, wenn Sie einen verständigern Mann diesseits und jenseits des Hebrus finden, als diesen nämlichen Demokritus. Nehmen Sie sich in Acht, meine Herren! die Sache ist kitzlicher als Sie vielleicht denken."

Unsre Leser erstaunenaber wir wollen Ihnen sogleich aus dem Wunder helfen. Derjenige, der dies sagte, war kein Abderit. Er war ein Fremder aus Syrakus, und (was die Ratsherren von Abdera im Respect erhielt,) ein naher Verwandter des ältern Dionysius, der sich vor kurzem zum Fürsten dieser Republik aufgeworfen hatte.

"Sie können versichert sein, antwortete der Archon dem Syrakusaner, dass wir nicht weiter in der Sache gehen werden, als wir Grund finden."

"Ich nehme zu viel Anteil an der Ehre, welche der erlauchte Syrakusaner meinem Vetter durch seine gute Meinung erweist, sagte Trasyllus, als dass ich nicht wünschen sollte, sie bestätigen zu können. Es ist wahr, Demokritus hat seine hellen Augenblicke; und in einem solchen wird ihn der Prinz gesprochen haben. Aber leider! es sind nur Augenblicke-"

"So müssen die Augenblicke in Abdera sehr lang sein", fiel der Syrakusaner ein.

"Hoch- und Wohlweise Herren, sagte der Priester Strobylus; die Umstände mögen beschaffen sein wie sie wollen, bedenken Sie, dass die Rede von einem lebendig zergliederten Frosche ist! Die Sache ist wichtig, und ich dringe auf Untersuchung. Denn dafür sei Latona und Apollo, dass ich fürchten sollte –"

"Beruhigen Sie sich, Herr Oberpriester, fiel ihm der Archon ins Wortder (unter uns gesagt) selbst ein wenig im Verdachte stunde, von den Fröschen der Latona nicht so gesund zu denken, wie man in Abdera davon denken mussteAuf die erste Anregung, welche von Seiten der Vorsteher des geheiligten Teiches beim Senat gemacht werden wird, sollen die Frösche alle gebührende Genugtuung erhalten!"

Der Syrakusaner liess den Demokritus unverzüglich von allem benachrichtigen, was in dieser Gesellschaft gesprochen worden war.

Lass den fettesten jungen Pfauen44 im Hühnerhofe würgen, und an den Bratspiess stecken, sagte Demokritus zu seiner Haushälterin, und benachrichtige mich wenn er gar ist.

Des nämlichen Abends, als sich Strobylus zu Tische setzte, ward der gebratne Pfau in einer silbernen Schüssel, als ein Geschenk des Demokritus, aufgetragen. Als man ihn öffnete, siehe, da war er mit hundert goldnen Dariken45 gefüllt. Es muss doch nicht so gar übel mit dem verstand des Mannes stehen, dachte Strobylus.

Das Mittel wirkte unverzüglich, was es wirken sollte. Der Oberpriester liess sich den Pfauen herrlich schmecken, trank grichischen Wein dazu, strich die hundert Dariken in seinen Beutel, und dankte der Latona für die Genugtuung, die sie ihren Fröschen verschafft hatte.

"Wir haben alle unsre Fehler, sagte Strobylus des folgenden Tages in einer grossen Gesellschaft. Demokritus ist zwar ein Philosoph; aber ich finde doch, dass er es so übel nicht meint, als ihn seine Feinde beschuldigen. Die Welt ist schlimm; man hat wunderliche Dinge von ihm erzählt; aber ich denke gern das Beste von jedermann. Ich hoffe, sein Herz ist besser als sein Kopf! Es soll nicht gar zu richtig in dem letzteren sein; und ich glaube es selbst. Einem Menschen in solchen Umständen muss man viel zu gut halten. Ich bin gewiss, dass er der feinste Mann in ganz Abdera wäre, wenn ihm die Philosophie den Verstand nicht verdorben hätte!"

Strobylus fing durch diese Rede zwo Fliegen mit einer Klappe. Er entledigte sich seiner Verbindlichkeit gegen unsern Philosophen, da er von ihm als von einem guten mann sprach; und machte sich ein Verdienst um den Ratsherrn Trasyllus, indem er es auf Unkosten seines Verstandes tat. Woraus zu ersehen ist, dass der Priester Strobylus, bei aller seiner Einfalt, oder Dummheit, (wenn man es so nennen will,) ein schlauer Gast war.

Drittes Kapitel

Eine kleine Abschweifung in die Regierungszeit

Schah Bahams des Weisen

Charakter des Ratsherrn Trasyllus

Es gibt eine Art von Menschen, die man viele Jahre lang kennen und beobachten kann, ohne mit sich selbst einig zu werden, ob man sie in die klasse der schwachen oder der bösen Leute setzen soll. Kaum haben sie einen Streich gemacht, dessen kein Mensch von einiger Überlegung fähig zu sein scheint, so überraschen sie uns durch eine so wohl ausgedachte Bosheit, dass wir, mit allem guten Willen von ihrem Herzen das Beste zu denken, uns in der Unmöglichkeit befinden, die Schuld auf ihren Kopf zu legen. Gestern nahmen wir es für ausgemacht an