alles sagt, was sie auf dem Herzen hat.
"O gehen Sie, riefen die Abderitinnen, Sie wollen uns bange machen; aber – wir lassen uns nicht so leicht erschrecken."
Wer wird auch an Erschrecken denken, sagte Demokritus, wenn von einem Mittel die Rede ist, wodurch einer jeden ehrlichen Frau gelegenheit gegeben wird, zu zeigen, dass sie keine Geheimnisse hat, die ihr Mann nicht wissen dürfte?
"Würket Ihr Mittel auch bei Unverheirateten?" fragte eine Abderitin, die weder jung noch reizend genug zu sein schien, um eine solche Frage zu tun.
Es würkt vom zehnten Jahre an bis zum achtzigsten, erwiderte Demokritus, ohne Beziehung auf irgendeinen andern Umstand, worin sich ein Frauenzimmer befinden kann.
Die Sache fing an ernstaft zu werden. – "Aber Sie scherzen nur, Demokritus," sprach die Gemahlin eines Tesmoteten, nicht ohne eine geheime Furcht des Gegenteils versichert zu werden.
Wollen Sie die probe machen, Lysistrata?
"Die probe? – Warum nicht? – Voraus bedungen, dass nichts Magisches dazu gebraucht wird. Denn mit hülfe Ihrer Talismane und Geister könnten Sie eine arme Frau sagen machen, was Sie wollten."
Es haben weder Geister noch Talismane damit zu tun. Alles geht natürlich zu. Das Mittel, das ich gebrauche, ist die simpelste Sache von der Welt.
Die Damen fingen an, bei allen Grimassen von Herzhaftigkeit, wozu sie sich zu zwingen suchten, eine Unruhe zu verraten, die den Philosophen sehr belustigte. "Wenn man nicht wüsste, dass Sie ein Spötter sind, der die ganze Welt zum Besten hat – Aber darf man fragen, worin Ihr Mittel besteht?"
Wie ich Ihnen sagte, die natürlichste Sache von der Welt. Ein ganz kleines unschädliches Ding, einem schlafenden Frauenzimmer aufs Herzgrübchen gelegt, das ist das ganze Geheimnis; aber es tut Wunder, dies können Sie mir glauben. Es macht reden, so lange noch im innersten Winkel des Herzens was zu entdekken ist.
Unter sieben Frauenzimmern, die sich in der Gesellschaft befanden, war nur eine, deren Miene und Gebärde unverändert die nämliche blieb wie vorher. Man wird denken, sie sei alt, oder hässlich, oder gar tugendhaft gewesen; aber nichts von allem diesem! Sie war – taub.
"Wenn Sie wollen, dass wir Ihnen glauben sollen, Demokritus, so nennen Sie Ihr Mittel."
Ich will es dem Gemahl der schönen Tryallis ins Ohr sagen, sprach der boshafte Naturkündiger.
Der Gemahl der schönen Tryallis war, ohne blind zu sein, so glücklich, als Hagedorn einen Blinden schätzt, dessen Gemahlin schön ist. Er hatte immer gute Gesellschaft, oder wenigstens was man zu Abdera so nannte, in seinem haus. Der gute Mann glaubte, man finde so viel Vergnügen an seinem Umgang, und an den Versen, die er seinen Besuchen vorzulesen pflegte. In der Tat hatte er das Talent, die schlechten Verse, die er machte, nicht übel zu lesen; und weil er mit vieler Begeisterung las: so ward er nicht gewahr, dass seine Zuhörer, anstatt auf seine Verse Acht zu geben, mit der schönen Tryallis liebäugelten.
Kurz, der Ratsherr Smilax war ein Mann, der eine viel zu gute Meinung von sich selbst hatte, um von der Tugend seiner Gemahlin eine schlimme zu hegen.
Er bedachte sich also keinen Augenblick, dem Geheimnis des Demokritus sein Ohr darzubieten.
Es ist weiter nichts, flüsterte ihm der Philosoph ins Ohr, als die Zunge eines lebendigen Frosches, die man einer schlafenden Dame auf die linke Brust legen muss. Aber Sie müssen sich beim Ausreissen wohl in Acht nehmen, dass nichts von den daranhängenden Teilen mit geht, und der Frosch muss wieder ins wasser gesetzt werden.
"Das Mittel mag nicht übel sein, sagte Smilax leise; nur Schade dass es ein wenig bedenklich ist! Was würde der Priester Strobylus dazu sagen?"
Sorgen Sie nicht dafür, versetzte Demokritus: ein Frosch ist doch keine Diana, der Priester Strobylus mag sagen was er will. Und zudem geht es dem Frosche ja nicht ans Leben.
"Ich darf es also weiter geben?" fragte Smilax.
Von Herzen gerne! alle Mannspersonen in der Gesellschaft dürfen es wissen; und ein jeder mag es ungescheut allen seinen Bekannten entdecken; nur mit der Bedingung, dass es keiner weder seiner Frau noch seiner Geliebten wieder sage.
Die guten Abderitinnen wussten nicht was sie von der Sache glauben sollten. Unmöglich schien sie ihnen nicht; und was sollte auch Abderiten unmöglich scheinen? – Ihre gegenwärtigen Männer oder Liebhaber waren nicht viel ruhiger; jeder setzte sich heimlich vor, das Mittel ohne Aufschub zu probieren, und jeder (den glücklichen Smilax ausgenommen) besorgte, gelehrter dadurch zu werden als er wünschte.
"Nicht wahr, Männchen – sagte Tryallis zu ihrem Gemahl, indem sie ihn freundlich auf die Backen klopfte, du kennst mich zu gut, um einer solchen probe nötig zu haben?"
"Der meinige sollte sich so etwas einfallen lassen, sagte Lagiska. Eine probe setzt Zweifel voraus, und ein Mann, der an der Tugend seiner Frau zweifelt –"
– Ist ein Mann, der Gefahr läuft, seine Zweifel in Gewissheit verwandelt zu sehen, setzte Demokritus hinzu, da er sah, dass sie einhielt. Das wollten Sie doch sagen, schöne Lagiska?
"Sie sind ein Weiberfeind, Demokritus, riefen die Abderitinnen allzumal; aber vergessen Sie nicht, dass