Lämmer, und so glücklich wie die Götter sind? Haben Sie nie von einem solchen land?
"Nicht, dass ich mich erinnerte."
Dies nenn ich ein Land, Klonarion! Da ist es nie zu warm und nie zu kalt, nie zu nass und nie zu trocken; Frühling und Herbst regieren dort nicht wechselsweise, sondern, wie in den Gärten des Alcinous, zugleich in ewiger Eintracht. Berge und Täler, Wälder und Auen sind mit allem angefüllt, was des Menschen Herz gelüsten kann. Aber nicht etwa, dass die Leute sich die Mühe geben müssten, die Hasen zu jagen, die Vögel oder Fische zu fangen, und die Früchte zu pflücken, die sie essen wollen; oder dass sie die Gemächlichkeiten, deren sie geniessen, erst mit vielem Ungemach erkaufen müssten. Nein! alles macht sich da von selbst. Die Rebhühner und Schnepfen fliegen einem gespickt und gebraten um den Mund, und bitten demütig, dass man sie essen möchte; Fische von allen Arten schwimmen gekocht in Teichen von allen möglichen Brühen, deren Ufer immer voll Austern, Krebse, Pasteten, Schinken und Ochsenzungen liegen. Hasen und Rehböcke kommen freiwillig herbeigelaufen, streifen sich das Fell über die Ohren, stecken sich an den Bratspiess, und legen sich, wenn sie gar sind, von selbst in die Schüssel. Allentalben stehen Tische, die sich selbst decken; und weichgepolsterte Ruhebettchen laden allentalben zum Ausruhen vom – Nichtstun und zu angenehmen Ermüdungen ein. Neben denselben rauschen kleine Bäche von Milch und Honig, von cyprischem Wein, Citronenwasser und andern angenehmen Getränken; und über sie her wölben sich, mit Rosen und Jasmin untermengt, Stauden voller Becher und Gläser, die sich, so oft sie ausgetrunken werden, gleich von selbst wieder anfüllen. Auch gibt es da Bäume, die statt der Früchte kleine Pastetchen, Bratwürste, Mandelkrapfen und Buttersemmeln tragen; andere, die an allen Ästen mit Geigen, Harfen, Citern, Teorben, Flöten und Waldhörnern behangen sind, welche von sich selbst das angenehmste Concert machen, das man hören kann. Die glücklichen Menschen, nachdem sie den wärmern teil des Tages verschlafen, und den Abend vertanzt, versungen und verscherzt haben, erfrischen sich dann in kühlen marmornen Bädern, wo sie von unsichtbaren Händen sanft gerieben, mit feinem Byssus, der sich selbst gesponnen und gewebt hat, abgetrocknet, und mit den kostbarsten Essenzen, die aus den Abendwolken wie feuchter Duft heruntertauen, eingebalsamt werden. Dann legen sie sich auf schwellenden Polstern um volle Tafeln her, und essen und trinken und lachen, singen und tändeln und küssen, die ganze Nacht durch, die ein ewiger Vollmond zum sanftern Tage macht; und – was noch das Angenehmste ist –
"O gehen Sie, Herr Demokritus, Sie haben mich zum besten! was Sie mir da erzählen, ist ja das Märchen vom Schlaraffenlande, das ich tausendmal von meiner Amme gehört habe, wie ich noch ein kleines Mädchen war."
Aber Sie finden doch auch, Klonarion, dass sichs gut in diesem land leben müsste?
"Merken Sie denn nicht, dass unter allem diesem eine geheime Bedeutung verborgen liegt? sagte der weise Ratmann; vermutlich eine Satyre auf gewisse Philosophen, welche das höchste Gut in der Wollust suchen."
Schlecht geraten, Herr Ratsherr! dachte Demokritus.
"Ich erinnere mich in den Amphiktyonen des Teleklides eine ähnliche Beschreibung des goldnen Alters gelesen zu haben", sagte Frau Salabanda24.
Das Land, das ich der schönen Klonarion beschrieb, sprach der Naturforscher, ist keine Satyre; es ist das Land, in welches von jedem Dutzend unter euch weisen Leuten zwölfe sich im Herzen hineinwünschen und nach Möglichkeit hineinarbeiten, und in welches uns eure abderitischen Sittenlehrer hineindeclamieren wollen; wenn anders ihre Declamationen irgend einen Sinn haben.
"Ich möchte wohl wissen, wie Sie dies verstehen", sagte der Ratsherr, der (vermög' einer vieljährigen Gewohnheit, nur mit halben Ohren zu hören, und sein Votum im Rat schlummernd von sich zu geben) nicht gerne die Mühe nahm einer Sache lange nachzudenken.
Sie lieben eine starke Beleuchtung, wie ich sehe, Herr Ratsmeister, erwiderte Demokritus. Aber zu viel Licht ist zum Sehen eben so unbequem, als zu wenig. Helldunkel ist, deucht mich, gerade so viel Licht, als man gebraucht, um weder zu viel noch zu wenig zu sehen. Ich setze zum voraus, dass Sie überhaupt sehen können. Denn wenn dies nicht wäre, so begreifen Sie wohl, dass wir beim Licht von zehentausend Sonnen nicht besser sehen würden, als beim Schein eines Feuerwurms.
"Sie sprechen von Feuerwürmern?" – (sagte der Ratsherr, indem er bei dem Worte Feuerwurm aus einer Art von Seelenschlummer erwachte, in welchen er über dem Gaffen nach Salabandas Busen, während dass Demokritus redete, gefallen war.) – "Ich dachte wir sprächen von den Moralisten."
Von Moralisten oder Feuerwürmern, wie es Ihnen beliebt, versetzte Demokritus. Was ich sagen wollte, um Ihnen die Sache, wovon wir sprachen, deutlich zu machen, war dies: Ein Land, wo ewiger Friede herrscht, und wo alle Menschen in gleichem Grade frei und glücklich sind; wo das Gute nicht mit dem Bösen vermischt ist, Schmerz nicht an Wollust, und Tugend nicht an Untugend grenzt, wo lauter Schönheit, lauter Ordnung, lauter Harmonie ist, – mit einem Wort, ein Land, wie eure Moralisten den ganzen Erdboden haben wollen, ist entweder