gleich kam, von der untersten Note stufenweise Crescendo, bis zum Unisono mit dem Hi, hi, der schönen Abderitinnen, ein Gelächter aufzuschlagen, dergleichen, so lang Abdera auf tracischem Boden stunde, nie erhört worden war.
Anfangs machten die Damen Miene, als ob sie Widerstand tun wollten; aber es war keine Möglichkeit, gegen das verzweifelte Crescendo auszuhalten. Sie wurden endlich davon wie von einem reissenden Strom ergriffen; und da die Gewalt der Ansteckung noch dazu schlug, so kam es bald so weit, dass die Sache ernstaft wurde. Die Frauenzimmer baten mit weinenden Augen um Barmherzigkeit. Aber Demokritus hatte keine Ohren, und das Gelächter nahm überhand. Endlich liess er sich, wie es schien, bewegen, ihnen einen Stillstand zu bewilligen; allein in der Tat bloss, damit sie die Peinigung, die er ihnen zugedacht, desto länger aushalten könnten. Denn kaum waren sie wieder ein wenig zu Atem gekommen, so fing er die nämliche Tonleiter, eine Terze höher, noch einmal zu durchlachen an, aber mit so vielen eingemischten Trillern und Rouladen, dass sogar die runzlichten Beisitzer des Höllengerichts, Minos, Aeakus und Rhadamantus, in ihrem höllenrichterlichen Ornat, aus der Fassung dadurch gekommen wären.
Zum Unglück hatten zwo oder drei von unsern Schönen nicht daran gedacht, ihre Personen gegen alle mögliche Folgen einer so heftigen Leibesübung in Sicherheit zu setzen. Scham und natur kämpften auf Leben und Tod in den armen Mädchen. Vergebens flehten sie den unerbittlichen Demokritus mit Mund und Augen um Gnade an; vergebens forderten sie ihre vom lachen gänzlich erschlafften Sehnen zu einer letzten Anstrengung auf. Die tyrannische natur siegte, und in einem Augenblicke sah man den Saal, wo sich die Gesellschaft befand, unter **********
Der Schrecken über eine so unversehene Naturerscheinung (die desto wunderbarer war, da das allgemeine Auffahren und Erstaunen der schönen Abderitinnen zu beweisen schien, dass es eine wirkung ohne Ursache sei,) unterbrach die Lacher auf etliche Augenblicke, um sogleich mit verdoppelter Gewalt wieder loszudrücken. Natürlicher Weise gaben sich die erleichterten Schönen alle Mühe, den besonderen Anteil, den sie an dieser Begebenheit hatten, durch Grimassen von Erstaunen und Ekel zu verbergen, und den Verdacht auf ihre schuldlosen Nachbarinnen fallen zu machen, welche durch unzeitige, aber unfreiwillige Schamröte den unverdienten Argwohn mehr als zu viel bestärkten. Der lächerliche Zank, der sich darüber unter ihnen erhub; Demokrit und Antistrepsiades, die sich boshafter Weise ins Mittel schlugen, und durch ironische Trostgründe den Zorn derjenigen, die sich unschuldig wussten, noch mehr aufreizten; und mitten unter ihnen allen der kleine dicke Ratsherr, der unter berstendem Gelächter einmal über das andre ausrief, dass er nicht die Hälfte von Tracien um diesen Abend nehmen wollte; alles dies zusammen machte eine Scene, die des Griffels eines Hogart würdig gewesen wäre, wenn es damals schon einen Hogart gegeben hätte.
Wir können nicht sagen, wie lange sie gedaurt haben mag: denn es ist eine von den Tugenden der Abderiten, dass sie nicht aufhören können. Aber Demokritus, bei dem alles seine Zeit hatte, glaubte, dass eine Komödie, die kein Ende nimmt, die langweiligste unter allen Kurzweilen sei. Er packte also alle die schönen Sachen, die er zur Rechtfertigung der ätiopischen Venus hätte sagen können, wofern er es mit vernünftigen Geschöpfen zu tun gehabt hätte, ganz gelassen zusammen, wünschte den Abderiten und Abderitinnen – was sie nicht hatten, und ging nach haus, nicht ohne Verwunderung über die gute Gesellschaft, die man anzutreffen Gefahr lief, wenn man – einen Ratsherrn von Abdera besuchte.
Sechstes Kapitel
Eine gelegenheit für den Leser, um sein Gehirn aus
der schaukelnden Bewegung des vorigen Kapitels
wieder in Ruhe zu setzen
Gute, kunstlose, sanfterzige Gulleru, – sagte Demokritus, da er nach haus gekommen war, zu einer wohlgepflegten krauslockigen Schwarzen, die ihm mit offnen Armen entgegenwatschelte – komm an meinen Busen, ehrliche Gulleru! Zwar bist du schwarz wie die Göttin der Nacht; dein Haar ist wollicht, und deine Nase platt; deine Augen sind klein, deine Ohren gross, und deine Lippen gleichen einer aufgeborstnen Nelke. Aber dein Herz ist rein und aufrichtig und fröhlich, und fühlt mit der ganzen natur. Du denkst nie Arges, sagst nie was Albernes, quälst weder andre noch dich selbst, und tust nichts, was du nicht gestehen darfst. Deine Seele ist ohne Falsch, wie dein Gesicht ohne Schminke. Du kennst weder Neid noch Schadenfreude; und nie hat sich deine ehrliche platte Nase gerümpft, um eines deiner Nebengeschöpfe zu höhnen oder in Verlegenheit zu setzen. Unbesorgt, ob du gefällst oder nicht gefällst, lebst du, in deine Unschuld eingehüllt, im Frieden mit dir selbst und der ganzen natur; immer geschickt Freude zu geben und zu empfangen, und wert, dass das Herz eines Mannes an deinem Busen ruhe! Gute, sanfterzige Gulleru! Ich könnte dir einen andern Namen geben; einen schönen, klangreichen, griechischen Namen auf ane oder ide, arion oder erion: aber dein Name ist schön genug, weil er dein ist; und ich bin nicht Demokritus, oder die Zeit soll noch kommen, wo jedes ehrliche gute Herz dem Namen Gulleru entgegenschlagen soll!
Gulleru begriff nicht allzuwohl, was Demokritus mit dieser empfindsamen Anrede haben wollte; aber sie sah, dass es eine Ergiessung seines Herzens war, und so verstund sie gerade so viel davon, als sie vonnöten hatte.
"War diese Gulleru seine Frau?"
Nein.
"Seine Beischläferin