werde. Können Sie einen bessern Vorschlag tun, so will ich der erste sein, der ihn unterstützen hilft. Denn ich habe für meine person nichts gegen die Frösche, in so fern sie keinen Schaden tun."
Da der Antrag des Archons nichts anders war, als worauf beide Parteien ohnehin hatten antragen müssen, so wurde die Communication des Gutachtens zwar einhellig beliebt; aber die Ruhe im Senat wurde dadurch nicht hergestellt; und von dieser Stunde an fand sich die arme Stadt Abdera wieder, unter andern Namen, in Esel und Schatten geteilt.
Neuntes Kapitel
Der Oberpriester Stilbon schreibt ein sehr dickes
Buch gegen die Akademie
Es wird von Niemand gelesen; im übrigen aber
bleibt vor der Hand alles beim Alten
Jedermann bildete sich ein, dass der Oberpriester über das Gutachten der Akademie Feuer und Flammen sprühen werde, und man war nicht wenig verwundert, da er, dem Anschein nach, so gelassen dabei blieb, als ob ihn die Sache gar nichts anginge.
Was für armselige Köpfe! sagte er den seinigen schüttelnd, indem er das Gutachten mit flüchtigem Blicke überlief; und gleichwohl sollte man denken, sie müssten mein Buch von den Altertümern gelesen haben, worin alles so augenscheinlich dargelegt ist. Es ist unbegreiflich, wie man mit fünf gesunden Sinnen so dumm sein kann. Aber ich will ihnen noch wohl das Verständnis öffnen. Ich will ein Buch schreiben – ein Buch, das mir alle Akademien der Welt widerlegen sollen wenn sie können.
Und Stilbon, der Oberpriester, setzte sich hin und schrieb ein Buch, dreimal so dick als das erste, das der Archon Onokradias nicht lesen wollte; und er bewies darin: dass der Verfasser des Gutachtens keinen Menschenverstand habe; dass er ein Unwissender sei, der nicht einmal gelernt habe, wie nichts gross und nichts klein in der natur sei; nicht wisse, dass die Materie ins Unendliche geteilt werden könne, und dass die unendliche Kleinheit der Keime (wenn man sie auch noch unendlich kleiner annehme als Korax in seiner ganz lächerlich übertriebnen Berechnung getan habe,) gegen ihre Möglichkeit nicht ein Minimum beweise. Er unterstützte die Gründe seines Systems von den abderitischen Fröschen mit neuen Gründen, und beantwortete mit grosser Genauigkeit und Weitläuftigkeit alle mögliche Einwürfe die er sich selbst dagegen machte. Seine Einbildung und seine Galle erhitzte sich unterm Schreiben unvermerkt so sehr, dass er in sehr bittere Sarkasmen gegen seine Gegner ausbrach, sie eines vorsetzlichen und verstockten Hasses gegen die Wahrheit anklagte, und ziemlich deutlich zu verstehen gab, dass solche Menschen in einem wohlpolizierten Staat gar nicht geduldet werden sollten.
Der Senat von Abdera erschrak, da der Archon nach etlichen Monaten (denn eher hatte Stilbon, wiewohl er Tag und Nacht schrieb, nicht mit seinem buch fertig werden können,) die Gegenschrift des Oberpriesters vor Rat brachte, die so voluminos war, dass er sie, um die Sache kurzweiliger zu machen, durch zwei von den breitschultrigsten Sackträgern von Abdera auf einer Trage herein schleppen und auf den grossen Ratstisch legen liess. Die Herren fanden, dass es keine Möglichkeit sei eine so weitläuftige Deduction verlesen zu lassen. Es wurde also durch die Mehrheit der Stimmen beschlossen, das Werk geradenwegs dem Philosophen Korax zuzuschicken, mit dem Auftrag, dasjenige was er etwa dagegen zu erinnern hätte schriftlich und sobald als möglich an den regierenden Archon gelangen zu lassen.
Korax stunde eben mitten unter einem Haufen nasenweiser abderitischer Jünglinge in der Vorhalle seines Hauses, als die Sackträger mit ihrer gelehrten Ladung bei ihm anlangten. Als er nun von dem mitkommenden Ratsboten vernommen hatte, warum es zu tun sei, entstund ein so unmässiges Gelächter unter der gegenwärtigen Versammlung, dass man es über drei oder vier Gassen bis in der Ratsstube hören konnte. Der Priester Stilbon hat einen schlauen Genius, sagte Korax; er hat gerade das unfehlbarste Mittel ergriffen, um nicht widerlegt zu werden. Aber er soll sich doch betrogen finden! Wir wollen ihm zeigen, dass man ein Buch widerlegen kann, ohne es gelesen zu haben.
Wo sollen wir denn abladen, fragten die Sackträger, die schon eine gute Weile mit ihrer Trage dagestanden waren, und von allen den scherzhaften Einfällen der gelehrten Herren nichts verstanden.
In meinem Häuschen ist kein Platz für ein so grosses Buch, sagte Korax.
Wissen Sie was, fiel einer von den jungen Philosophen ein: weil das Buch doch geschrieben ist um nicht gelesen zu werden, so stiften Sie es auf die Ratsbibliotek. Dort liegt es sicher, und wird unter dem Schutz einer Kruste von fingerdickem Staub ungelesen und wohlbehalten auf die späte Nachwelt kommen.
Der Einfall ist trefflich, sagte Korax. Gute Freunde, fuhr er fort, sich an die Sackträger wendend, hier sind zwo Drachmen für eure Mühe; tragt eure Ladung auf die Ratsbibliotek, und bekümmert euch weiter um nichts; ich nehme die ganze Sache auf meine Verantwortung.
Stilbon, dem das Schicksal eines Buches, das ihm so viele Zeit und Mühe gekostet hatte, nicht lange verborgen bleiben konnte, wusste vor Erstaunen und Ingrimm weder was er denken noch tun sollte. Grosse Latona, rief er einmal übers andre aus, in was für zeiten leben wir! Was ist mit Leuten anzufangen, die nicht hören wollen? – Aber sei es darum! Ich habe das Meinige getan. Wollen sie nicht hören, so mögen sie's bleiben lassen! Ich setze keine Feder mehr an, rühre keinen Finger mehr für ein so undankbares, ungeschliffnes und unverständiges Volk.
So dachte er im ersten Unmut; aber