sie entweder aller Sinne beraubt, oder offenbare Bösewichter sein, wenn sie der Wahrheit, die ich darin sonnenklar dargelegt habe, widerstehen könnten. Das Senatusconsultum ist also, wie gesagt, durchaus ungereimt, und kann folglich von keinem Effect sein, indem ein absurder Satz eben so viel ist, als gar kein Satz. Sagen Sie dies unsern gnädigen Herren in der nächsten Session, hochgeachteter Herr Nomophylax! Δευτεραι φροντιδες σοφοτεραι. Unsre gnädigen Herren werden sich unfehlbar eines Bessern besinnen; und solchenfalls werden wir am besten tun, die Sache auf sich beruhen zu lassen.
"Herr Oberpriester", antwortete ihm Hypsiboas, "Sie sind ein grundgelehrter Mann, das wissen wir alle. Aber, nehmen Sie mir nicht übel, auf Weltändel und Staatssachen verstehen Sich Ew. Ehrwürden nicht. Die Majora im Senat haben einen Schluss gefasst, der den Gerechtsamen der Batrachotrophen präjudicierlich ist. Indessen nach der Regel "Majora concludunt" bleibts bei diesem Ratsschlusse, und der Archon wird ihn zur Execution gebracht haben, eh ich in der nächsten Session Ihre logikalischen Einwendungen vortragen könnte, wenn ich mich auch damit beladen wollte."
Es kommt aber ja in solchen speculativen Dingen nicht auf die Majora, sondern auf die Saniora an, sagte Stilbon.
"Vortrefflich, Herr Oberpriester", versetzte der Nomophylax. "Das ist ein Wort! Die Saniora! die Saniora haben ohnstreitig Recht. Die Frage ist also jetzt nur, wie wir es anzugreifen haben, dass sie auch Recht behalten. Wir müssen auf ein schleuniges Mittel denken, die Vollstreckung des Ratsschlusses zu suspendieren.
Ich will Sr. Gnaden, dem Archon, augenblicklich mein Buch von den Altertümern des Latonentempels schicken. Er muss es noch nicht gelesen haben. Denn in dem Kapitel von den Fröschen ist alles, was über diesen Gegenstand zu sagen ist, ins Klare gesetzt."
Der Archon hat in seinem Leben kein Buch gelesen, Herr Oberpriester, (sagte einer von den Ratsherren lachend,) als das abderitische Intelligenzblatt; dies Mittel wird nicht anschlagen, dafür bin ich Ihnen gut!
Desto schlimmer, erwiderte Stilbon. In was für zeiten leben wir, wenn das wahr ist? Wenn das Oberhaupt des staates ein solches Beispiel gibt – Doch, ich kann unmöglich glauben, dass es schon so weit mit Abdera gekommen sei.
"Sie sind auch gar zu unschuldig, Herr Oberpriester, sagte der Nomophylax. Aber lassen wir das auf sich beruhen! Es stünde noch gut genug, wenn das der grösste Fehler des Archons wäre."
"Ich sehe nur ein Mittel in der Sache, sprach jetzt einer von den Priestern, Namens Pamphagus; das hochpreisliche Collegium der Zehnmänner ist über den Senat – folglich –"
Um Vergebung, fiel ihm ein Ratsherr ins Wort, nicht über den Senat, sondern nur –
"Sie haben mich nicht ausreden lassen, sagte der Priester etwas hitzig. Die Zehnmänner sind nicht über den Senat, in Justiz- staates- und Policeisachen. Aber da alle Sachen, wobei der Latonentempel betroffen ist, vor die Zehnmänner gehören, und von ihrer Entscheidung nicht weiter appelliert werden kann: so ist klar, dass –"
Die Zehnmänner nicht über den Senat sind; fiel jener ein; denn der Senat behängt sich mit Latonensachen gar nicht, und kann also nie mit den Zehnmännern in Collision kommen.
"Desto besser für den Senat, sagte der Priester. Aber, wenn sich denn ja einmal der Senat beigehen liesse, über einen Gegenstand, der dem Dienst der Latona wenigstens sehr nahe verwandt ist, erkennen zu wollen, wie dermalen wirklich der Fall ist: so sehe ich kein ander Mittel, als die Zehnmänner zusammenberufen zu lassen."
Das kann nur der Archon, wandte Hypsiboas ein, und natürlicherweise wird er sich dessen weigern.
"Er kann sich nicht weigern, wenn er von dem Collegio der Priester darum angegangen wird", sagte Pamphagus.
Herr College, ich bin nicht Ihrer Meinung, fiel der Oberpriester ein. Es wäre wider die Würde der Zehnmänner, und sogar wider die Ordnung, wenn wir in vorliegendem Falle auf ihre Zusammenberufung dringen wollten. Die Zehnmänner können und müssen sich versammeln, wenn die Religion wirklich verletzt worden ist. Wo ist aber hier die Verletzung? Der Senat hat einen absurden Schluss gefasst, das ist alles. Es ist schlimm, aber nicht schlimm genug; Sie müssten denn erweisen können, dass die Zehnmänner darum da seien, den Senat zu syndicieren, wenn er ungereimte Schlüsse macht.
Der Priester Pamphagus biss die Lippen zusammen, drehte sich nach dem Sitze des Nomophylax, und murmelte ihm etwas ins linke Ohr.
Stilbon, ohne darauf Acht zu geben, fuhr fort: ich will stehenden Fusses selbst zum Archon gehen. Ich will ihm mein Buch von den Altertümern des Latonentempels bringen. Er soll das Kapitel von den Fröschen lesen! Es ist unmöglich, dass er nicht sogleich von der Ungereimteit des Ratsschlusses überzeugt werde.
"So gehen Sie dann und versuchen Sie Ihr Heil", sagte der Nomophylax. Der Oberpriester ging unverzüglich.
Was das für ein Kopf ist! sagte der Priester Pamphagus, wie er weggegangen war.
Er ist ein sehr gelehrter Mann, versetzte der Ratsherr Bucephalus; aber –
Ein gelehrter Mann? (sagte jener.) Was nennen Sie gelehrt? Gelehrt in lauter Dingen, die kein Mensch zu wissen verlangt – –
Davon können Ew. Ehrwürden besser urteilen als unser einer, erwiderte der Ratsherr; ich verstehe nichts davon; aber es