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zur Sprache gekommen war, stutzte jedermann über die Kühnheit des Ratsherrn Meidias, nicht anders, als ob er der Latona selbst an die Kehle gegriffen hätte. Einige alte Herren sahen so erschrocken aus, als ob sie erwarteten, dass ihr Herr College für diese verwegene Rede auf der Stelle zum Frosch werden würde.

"Ich hege alle gebührende achtung für den geheiligten Teich" (fuhr Meidias, der alles wohl bemerkte, ganz gelassen fort); "aber ich berufe mich auf die innere Überzeugung aller Menschen, deren Mutterwitz noch nicht ganz eingetrocknet ist, ob jemand unter uns ohne Unverschämteit leugnen könne, dass die Menge der Frösche in Abdera ungeheuer ist?"

Die Ratsherren hatten sich indessen von ihrem ersten Schrecken wieder erholt; und wie sie sahen, dass Meidias noch immer in seiner eignen Gestalt da sass, und ungestraft hatte sagen dürfen, was sie im grund allesamt als Wahrheit fühlten: so fing einer nach dem andern an zu bekennen; und nach einer kleinen Weile zeigte sichs, dass der ganze Senat einhellig der Meinung war: es wäre zu wünschen, dass der Frösche in Abdera weniger sein möchten.

Man ist in seinem eignen haus nicht mehr vor ihnen sicher, sagte einer. – Man kann nicht über die Strasse gehen, ohne Gefahr zu laufen, einen oder ein paar zugleich mit jedem Tritte zu zerquetschen, sagte ein andrer. – Man hätte der Freiheit, Frosch gräben anzulegen, gleich Anfangs Schranken setzen sollen, sagte ein dritter. – Wär ich damals im Senat gewesen, da die Stiftung der öffentlichen Froschteiche beschlossen wurde, ich würde meine stimme nimmermehr dazu gegeben haben, sagte ein vierter. – Wer hätte aber auch gedacht, dass sich die Frösche in wenig Jahren so unmenschlich vermehren würden? sagte ein fünfter. – Ich sah es wohl vorher, sagte der Präsident der Akademie; aber ich habe mir zum gesetz gemacht, mit den Priestern der Latona in Frieden zu leben.

Ich auch, sagte Meidias; aber unsre Umstände werden dadurch nichts gebessert.

Was ist also bei so gestalten Sachen anzufangen, meine Herren? fragte endlich in seinem gewöhnlichen nieselnden Tone der Archon Onokradias.

Da sitzt eben der Knoten, antworteten die Ratsherren aus einem mund! Wenn uns nur jemand sagen wollte, was anzufangen ist?

Was anzufangen ist? rief Meidias hastig, und hielt plötzlich wieder inne.

Es erfolgte eine allgemeine Stille in der Ratsstube. Die weisen Männer liessen ihre Häupter auf die Brust fallen, und schienen, mit Anstrengung aller ihrer Gesichtsmuskeln nachzusinnen, was anzufangen sei.

Aber wofür haben wir denn eine Akademie der Wissenschaften in Abdera? rief nach einer Weile der Archon zu allgemeiner Verwunderung aller Anwesenden. Denn man hatte ihn seit seiner Erwählung zum Archontat noch nie seine Meinung in einer rhetorischen Figur vorbringen hören.

Der Gedanke Seiner Hochweisheit ist unverbesserlich, versetzte der Ratsherr Meidias; man trage der Akademie auf, ihr Gutachten zu geben, durch was für Mittel

Das ist es eben, was ich meine, unterbrach ihn der Archon; wofür haben wir eine Akademie, wenn wir uns mit dergleichen subtilen fragen die Köpfe zerbrechen sollen?

Vortrefflich! riefen eine Menge dicker Ratsherren, indem sie sich alle zugleich mit der flachen Hand über ihre platten Stirnen fuhrendie Akademie! die Akademie soll ein Gutachten stellen!

Ich bitte Sie, meine Herren, rief Hypsiboas, einer der Häupter der Republik; denn er war zur Zeit Nomophylax, erster Froschpfleger, und Mitglied des ehrwürdigen Collegiums der Zehnmänner. Aller dieser Würden ungeachtet lebte schwerlich im ganzen Abdera ein Mann, der an Latonen und ihren Fröschen im Herzen weniger Anteil nahm als er. Aber weil ihm der Jasonide Onokradias bei der letzten Archonswahl vorgezogen worden war, so hatte er sichs zum Grundsatz gemacht, dem neuen Archon immer und in allem zuwider zu sein. Er wurde daher von den Jasoniden und ihren Freunden nicht unbillig beschuldiget: dass er ein unruhiger Kopf sei, und mit nichts geringerm umgehe, als eine Partei im Rate zu formieren, welche sich allen Absichten und Schlüssen der Jasoniden (die freilich seit langer Zeit den Meister in der Stadt gespielt hatten) entgegen setzen sollte. – "Ich bitte Sie, meine Herren, übereilen Sie sich nicht", rief Hypsiboas; "die Sache gehört nicht vor die Akademie, sie gehört vor das Collegium der Batrachotrophen. Es wäre wider alle gute Ordnung, und würde von den Priestern der Latona als die gröbste Beleidigung aufgenommen werden müssen, wenn man eine Frage von dieser natur und Wichtigkeit der Akademie auftragen wollte!"

Es betrifft aber keine blosse Froschsache, Hochgeachteter Herr Nomophylax, sagte Meidias mit seiner gewöhnlichen spöttelnden Gelassenheit; leider! ist es, Dank sei es den schönen Anstalten, die man seit einigen Jahren getroffen hat, eine Staatssache

Und vielleicht die wichtigste, die jemals ein allgemeines Zusammentreten aller vaterländischgesinnten Gemüter notwendig gemacht hat, fiel ihm Stentor ins Wort; Stentor, einer der heissesten Köpfe in der Stadt, und der seiner polternden stimme wegen viel im Senat vermochte. Die Jasoniden hatten ihn, wiewohl er nur ein Plebejer war, durch die Vermählung mit einer natürlichen Tochter des verstorbenen Erzpriesters Agatyrsus, auf ihre Seite gebracht, und pflegten sich gewöhnlich seiner guten stimme zu bedienen, wenn etwas gegen den Nomophylax Hypsiboas durchzusetzen war, der eine eben so starke, wiewohl nicht völlig so polternde stimme hatte als Stentor.

Wohl bekam es diesmals den Ohren der abderitischen Ratsherren, dass sie durch das ewige Koax Koax ihrer Frösche ein wenig dickhäutig geworden waren