als gewöhnlich zu sehen, dehnte sich in eine tödliche Länge aus, und ein ganzer Abend, den ich in ihrer und Arseniens Gesellschaft zubrachte, (denn allein sah ich sie niemals) schien mir ein Augenblick, wenn er vorüber war.
Die Vorwürfe meiner Freunde nötigten mich endlich ihnen von einer Neigung Rechenschaft zu geben, die alle andere in meinem Herzen ausgelöscht zu haben schien; und die kleinen Streitigkeiten, die wir darüber mit einander bekamen, entdeckten mir, dass diese Neigung, an statt, wie man für recht und billig hielt, ein blosser Zeitvertreib und flüchtiger Geschmack zusein, eine leidenschaft war, die das Glück oder Unglück meines Lebens entscheiden würde. Ich will Ihnen durch keine umständliche Beschreibung alles dessen, was von dieser Entdeckung an in meinem Herzen vorging, beschwerlich fallen. Diejenigen, welche glauben, dass man die Liebe mit Erfolg bekämpfen könne, reden von einer Liebe, die nur in sehr uneigentlichem verstand so genennt zu werden pflegt. Diese auflodernde Flammen, die bloss durch die Schönheit oder ein beidseitiges Bedürfnis angezündet und durch die Begierden unterhalten werden; diese willkürlichen Verbindungen, an denen das Herz keinen Anteil hat, die man aus Eitelkeit, Langerweile, Vorwitz, Caprice, Gewohnheit oder Convenienz eingeht und wieder aufhebt, wie und wenn man will, und die man, so wenig sie mit der Liebe gemein haben, bloss darum Liebe nennt, um ihnen einen ehrbaren Namen zu geben; diese mögen wohl ohne Mühe bekämpft und besiegt werden. Aber über eine wahre Liebe, die sich auf ein geheimes Verständnis der Herzen gründet, und mit gegenseitiger Hochachtung verbunden ist, ist noch nie kein Sieg erhalten worden, und die Schwierigkeiten, die ihr in den Weg gelegt werden, dienen zu nichts, als den ihrigen zu befördern. Ich machte mir selbst alle nur ersinnliche Einwürfe, ich fühlte ihre Stärke, ich wusste nur gar zu wohl, dass man die Vorurteile, die meiner Liebe das Urteil sprachen, nicht ungestraft verachten könne. Aber was vermochten alle diese Betrachtungen gegen eine Neigung, die für mein Herz die Quelle einer innerlichen Glückseligkeit war, der ich alle Augenblick bereit war alles andere Glück aufzuopfern? Ein Opfer, wofür derjenige, der wahrhaftig liebt, sich durch einen einzigen blick, eine einzige Träne der Zärtlichkeit für entschädiget halten würde. Doch, ich weiss eben so wohl, dass ich in dieser kleinen Gesellschaft von Freunden keine Entschuldigung nötig habe, als dass diejenigen, die das Unglück haben, dieser Art von Gesinnungen selbst unfähig zu sein, keine Entschuldigung gelten lassen.
Ich entschloss mich also mit aller nur möglicher Unerschrockenheit in den Augen dieser letzteren ein Tor zu sein, und richtete jetzt alle meine Bemühungen allein dahin, mich einer Gegenliebe zu versichern, von der die Glückseligkeit meines Lebens abhangen sollte. Mein Umgang mit Hyacinte daurte bereits etliche Monate, und meine Absichten waren bei mir selbst fest gesetzt, ohne dass sie Ursache hatte mich als einen Liebhaber anzusehen. Mein Betragen war so zurück haltend, und die Zärtlichkeit, die ich für sie zeigte, derjenigen so ähnlich, die ein Bruder für eine Schwester haben kann, dass Arsenia endlich einen kleinen Argwohn über meine Absichten bekam. Sie erriet zwar, dass ich das Vergnügen haben wollte, eine gewisse Sympatie, die zwischen unsern Herzen zu sein schien, sich in dem ihrigen nach und nach und von sich selbst entwickeln zu lassen, aber sie zweifelte zuweilen, ob der Gebrauch, den ich einst davon machen würde, so unschuldig sein möchte, als sie es aus Liebe zu ihrer Hyacinte wünschte. Sie hatte zwar Ursache sich zu meiner denkart und zu meinen grundsätzen das beste zu versehen; aber auf der andern Seite setzten die Vorurteile der Welt, oder vielleicht die Betrachtung meines eigenen Glücks eine so weite Kluft zwischen uns, dass sie mir nicht Mut oder Liebe genug zutrauen konnte, sie zu überspringen. Sie wusste, dass die Welt weit geneigter sein würde, mir eine Verbindung, wobei nur Hyacinte aufgeopfert würde, zu gut zu halten, als eine solche, wodurch nach den Maximen des grossen Haufens meine eigene Ehre verdunkelt würde, und was meine denkart betraf, so kannte sie die Menschen zu gut, als dass sie die Grundsätze eines jungen Mannes für eine hinlängliche Gewähr gegen seine Leidenschaften hätte halten sollen. Diese Betrachtungen, die sie mir in der Folge selbst entdeckte, schienen ihr zwar nicht dringend genug, die unschuldige Neigung, die durch fast unmerkliche Grade in dem Herzen ihrer jungen Freundin sich entwickelte, durch voreilige Besorgnisse zurück zu schrecken, aber sie verdoppelten doch ihre Aufmerksamkeit auf mich, und bewogen sie, mir, wiewohl auf eine sehr feine Art, gelegenheit zu machen, wo ich, wie sie glaubte, meine Gesinnungen deutlicher verraten sollte.
Unter einer Menge von jungen Leuten, die sich zu erklärten Verehrern der liebenswürdigen Hyacinte aufgeworfen hatten, und sich ihres vermeinten Rechts bedienten, sie hinter der Scene mit allem dem Unsinn zu ermüden, den sie ihr vorsagten, waren verschiedene, die ihre Absichten gerne weiter getrieben hätten, wenn sie, so lang ich ihnen ihrer Meinung nach im Wege stunde, sich einigen Erfolg davon hätten versprechen können. So unangenehm es mir war, dass ich Hyacinte nicht von diesem ganzen beschwerlichen Schwarm befreien konnte, so wenig hatte ich Ursache zu besorgen, dass irgend einer von ihnen ihrem Herzen gefährlich sein könnte; es ist, dachte ich, eine natürliche Unbequemlichkeit, der die Rose ausgesetzt ist, dass sie allerlei Ungeziefer um sich her sumsen lassen muss