, als in dem Sieg einer stärkern Empfindung oder leidenschaft über die Regungen der natur. Dem sei wie ihm wolle, so erfreue ich mich, ihnen sagen zu können, dass der erste Versuch, den der Marquis machte, von meiner Verwirrung Vorteil zu ziehen, mir auf einmal meine erste Stärke wieder gab. Ich riss mich von ihm los, und sagte ihm, dass ich nichts mehr von einer Liebe hören wolle, die ich in keinerlei Betrachtung aufzumuntern Willens sei. Ich setzte so vieles hinzu, ihn gänzlich hievon zu überzeugen, dass ihm endlich die Geduld ausging. Er erzürnte sich heftig über mich, er beschuldigte mich, dass meine Sprödigkeit ein blosser Kunstgriff sei, wodurch ich ihn zu der Torheit zu bringen hoffte, mir seine Ehre aufzuopfern, und schwur, dass er mich allen meinen Ahnen zu Trotz auf einen wohlfeilern Fuss haben wollte, und wenn ich auch in gerader Linie von dem Egyptischen Könige Misphragmutosis abstammte. Sein Zorn und seine Drohungen schreckten mich so sehr, dass ich allen meinen Witz anstrengte, ihn durch glimpfliche Worte wieder zu besänftigen; ich bediente mich so gar einiger, die er ohne Zwang so auslegen konnte, dass sie ihn von der Zeit günstigere Gesinnungen hoffen liessen. Er schien sich nach und nach zufrieden zu geben, und verliess mich endlich mit dem Versprechen, dass, wofern ich nach dreien Tagen, die er mir zur Bedenkzeit gebe, auf meiner Abneigung gegen ihn beharrete, er sich meiner Entfernung nicht länger widersetzen wollte. Er sagte mir das mit einer so ungezwungenen Art, dass ich ihm glaubte. Ich brachte also den übrigen Abend ganz ruhig zu, und war nicht wenig über den Sieg vergnügt, den ich mir schmeichelte über ihn erhalten zu haben. Ich nahm meine Teorbe, sang, scherzte mit der kleinen Stella, ass zu Nacht, und legte mich ganz ruhig zu Bette. Ich war noch nicht eingeschlafen, und ein Wachslicht brannte noch auf meinem Gueridon vor meinem Bette, als ich auf einmal die Tür meines Schlafzimmers aufgehen hörte. Ich würde sehr erschrocken sein, wenn ich ein Gespenst vor mir gesehen hätte; aber ich erschrak noch weit mehr, da ich sah, dass es der Marquis war. Er war nur in einem leichten Nachtgewande, und hatte etwas so wildes in seinen Blicken und Gebärden, dass ich vor Angst schlotterte, als ich ihn auf mich zugehen sah. Ich wollte geschwind aus dem Bette springen, denn ich kleidete mich niemals völlig aus, aber er hielt mich zurück, und schwur, dass ich mich ergeben müsste, es möchte auch kosten was es wolle. Ich erhub ein entsetzliches Geschrei, und wehrte mich, ob er sich gleich bemühte mir den Mund mit Küssen zu verstopfen, mit einer solchen Wut, dass er sich genötiget sah einen Augenblick Atem zu schöpfen. Ich fing von neuem an zu schreien, und machte es laut genug, dass Stella, die in dem vierten Zimmer von dem meinigen schlief, davon erwachte, und in einem Anzug, der von ihrem Schrecken zeugte, mir zu hülfe eilte. Ihr Anblick verdoppelte meinen Mut, so schwach auch der Beistand war, den ich von ihr erwarten konnte; ich stiess den Marquis mit einer solchen Stärke zurück dass er über die kleine Stella hinweg taumelte, und mit ihr zu Boden fiel. Dieser Umstand, so gering er an sich selbst scheinen mag, war diesesmal mein Glück.
Das gute Mädchen hatte keines von den Gesichten, die man in Spanien schön nennt, ob ihr gleich unter den Caffern vielleicht nichts als die Farbe des Landes gefehlt hätte, um eine Gratie zu sein; Allein zum Ersatz entdeckte die Unordnung, worein ihr Fall ihre ohnehin sehr leichte Bekleidung brachte, dem erhitzten Marquis andre Schönheiten, wodurch die natur sie wegen ihres Gesichts vollkommen entschädiget zu haben schien. Er wurde so sehr dadurch gerührt, dass er plötzlich den Entschluss fasste sie zum Werkzeug seiner Rache an meiner Sprödigkeit zu machen. Er entdeckte ihr, indem er sie aufhub, den Eindruck, den ihre Reizungen auf ihn gemacht hatten, in so lebhaften Figuren, dass sie nicht lange einen Scherz daraus machen konnte; sie floh wie Daphne, und er verfolgte sie wie Apollo, aber mit besserm Erfolg. Mit einem Wort, er verschloss sich in ihre kammer, und erinnerte sich vermutlich in wenig Augenblicken nicht mehr, dass eine Hyacinte in der Welt war. Diese unverhoffte Veränderung der Scene gab mir einen Einfall ein, den ich unverzüglich ins Werk zu richten beschloss. Ich kleidete mich völlig an, und nachdem ich eine Weile gewartet hatte, schlich ich an Stella tür, um zu horchen, ob ich mich sicher glauben könne. Keinen günstigern Augenblick zur Flucht konnte ich niemals wieder hoffen. Die alte Beguine hatte sich, weil sie wusste, dass der Marquis selbst im haus war, ganz sorgenlos zur Ruhe begehen, und dieser war so sehr mit seiner neuen Eroberung beschäftigt, dass er mich vielleicht nicht gehört hätte, wenn ich auch weniger behutsam gewesen wäre. Ich schlich also, wiewohl so furchtsam, dass ich mir kaum Atem zu holen getrauete, aus meinem Zimmer, und kam endlich nach einer guten Weile, (denn es war sehr dunkel, und ich besorgte alle Augenblicke anzustossen oder ein Geräusch zu machen) bis an die Haustüre, die ich verschlossen fand. Ich tappte so lange herum, bis ich eine Art von einer kleinen kammer offen fand, die gegen die Strasse eine Öffnung hatte, so statt der