einer Art von Spiral-Linie so lange um denselben herum zieht, bis er – Wir überlassen es der Scharfsinnigkeit des geneigten Lesers, die Allegorie so weit zu treiben als er will, oder als sie gehen kann, und bemerken nur noch, dass diese anziehende Kraft einer Geliebten, ausser denen, die ihr mit den natürlichen und künstlichen Magneten gemein sind, noch die besondere Eigenschaft hat, alle Gedanken, Einbildungen, Erinnerungen oder Entschliessungen, die ihre Würkung entkräften könnten, auf einmal in der Seele des angezogenen Körpers auszuwischen.
Don Sylvio wurde in wenigen Minuten ein Beispiel dieser physicalischen Beobachtung. Er hatte sich vorgenommen Donna Felicia gar nicht anzusehen; er konnte sich aber doch nicht entalten sie ein wenig von der Seite anzuschielen. Bald darauf wagte er einen directen blick, aber so schüchtern, als ob er besorgt hätte, sie möchte Basilisken in den Augen haben. Dieser Versuch lief so glücklich ab, dass er kühner wurde, und er versuchte es so lange, bis er gar nicht mehr daran gedachte, noch daran gedenken konnte, die Augen von ihr wieder abzuziehen. Kurz die vorbesagte magnetische Kraft tat ihre Würkung so gut, dass er sich dem Anschauen seiner Göttin wieder so gänzlich, so ruhig und mit solchem Entzücken überliess, als ob nie keine Radiante, kein blauer Sommervogel und keine bezauberte prinzessin innerhalb der kleinen Welt seines Hirnschädels existiert hätte.
Die schöne Felicia befand sich, in Absicht ihres Herzens, ungefähr in den nämlichen Umständen. Don Sylvio hatte zum wenigsten eine eben so starke magnetische Kraft für sie als sie für ihn; ja, wenn wir dem Albertus Magnus und andern Naturforschern (des guten alten blinden Teresias nicht zu gedenken, der, weil er wechselsweise Mann und Weib gewesen war, aus Erfahrung von der Sache sprechen konnte) wenn wir, sage ich, diesen Weisen glauben sollen, so musste die Anziehung, die sie selbst erfuhr, wirklich um ein gutes teil stärker sein, ob sie gleich vermittelst einer gewissen vis inertiæ, womit die natur oder die Erziehung ihr Geschlecht zu begaben pflegt, die Würkung derselben, nach Massgabe der Umstände, so viel es nötig war, zu schwächen wusste. Diese gegenseitige Anziehung beschleunigte natürlicher Weise die wundervolle Concentration, die daraus zu erfolgen pflegt, und indem beide zu gleicher Zeit anzogen und angezogen wurden, so befand sichs, dass, ehe sie es selbst gewahr wurden, ihre Seelen einander schon in allen Puncten berührten, und also nicht viel leichter wieder von einander zu scheiden waren, als ein paar Tautropfen, die im Schoss einer halb geöffneten Rose zusammen geflossen sind.
In einer so sympatetischen Gesellschaft wie diese war, konnte die Conversation nicht lange gleichgültig bleiben. Das Gespräch lenkte sich unvermerkt auf den sonderbaren Zufall, der unsern Helden und Don Eugenio mit einander bekannt gemacht hatte, und der Anteil, den die schöne Hyacinte an diesem Abenteuer hatte, erweckte bei denen, die von ihrer geschichte noch nicht umständlich unterrichtet waren, eine desto gerechtere Neugier, da ihre liebenswürdige Eigenschaften bereits jedes Herz für sich eingenommen hatten. Denn selbst Don Sylvio, so gleichgültig ihn seine leidenschaft für die Donna Felicia gegen alle andere Reizungen hätte machen sollen, empfand wider seinen Willen eine Art von Zuneigung für sie, die er sich selbst nicht recht erklären konnte, und die ohne die Unruhe, das Feuer, und die Begierde der Liebe zu haben, alle Zärtlichkeit derselben zu haben schien.
Die schöne Hyacinte hatte keine Ursache vor einer von den gegenwärtigen Personen ein Geheimnis aus ihrer geschichte zu machen und hingegen sehr wichtige, sie zu entdecken. Die leidenschaft des Don Eugenio, dasjenige, was er schon für sie getan, die Absichten die er mit ihr hatte, und vermutlich auch die Hauptumstände ihres Lebens waren wirklich schon bekannt, und so gross auch die achtung war, womit ihr Donna Felicia begegnete, so besorgte sie doch, dass man Vorurteile gegen sie gefasst haben könnte, welche sie desto mehr zu vernichten begierig war, da sie einen so festen Entschluss, als eine Verliebte nur immer fassen kann, gefasst hatte, ihrem Verständnis mit Don Eugenio ein Ende zu machen. Sie machte also keine Schwierigkeiten, der Bitte ihres Liebhabers, die von Donna Felicia und Don Sylvio unterstützt wurde, durch Erzählung ihrer begebenheiten genug zu tun, auf welche unser Held desto begieriger war, da er nicht zweifelte, dass die Feen keinen geringen Anteil an demselben haben würden.
Eilftes Capitel
geschichte der Hyazinte
Wenn es richtig ist, wie ich zu glauben geneigt bin, fing die schöne Hyacinte ihre Erzählung an, dass ein Frauenzimmer desto schätzbarer ist, je weniger sie von sich zu reden macht so bin ich unglücklich genug, dass ich in einem Alter, worin die meisten kaum angefangen haben unter den Flügeln einer zärtlichen Mutter schüchtern hervor zu schleichen, eine Erzählung meiner begebenheiten zu machen habe; und ich würde in der Tat untröstbar deswegen sein, wenn ich die Schuld davon mir selbst beizumessen hätte.
Alles was ich Ihnen von meiner Abkunft sagen kann, ist, dass ich nichts davon weiss. Ich erinnere mich zwar, wiewohl nur ganz dunkel, der Zeit, da mich eine schon bejahrte Zigeunerin, von der ich erzogen worden bin, in ihre Gewalt bekam; ich war noch sehr klein, und mich deucht, dass ich in einem grossen haus gewesen war, und etliche Weibsleute und einen kleinen Bruder um mich gehabt hatte, den ich sehr zärtlich liebte. Aber auch diese wenigen Erinnerungen sind so schwach und erloschen, dass ich mir