Weise zu schliessen, nichts gewissers, als dass er sich in dem nämlichen Palast befand, worin ein gewisser Prinz, dem die geschichte keinen Namen gibt, in Gesellschaft einer sehr geistreichen, zärtlichen und tugendhaften weissen Katze, die sich in der Folge eine eben so schöne prinzessin befand, drei Jahre zubrachte, die ihm nur einzelne Tage deuchten.
Seine Freude über einen so glücklichen Zufall war ungemein; denn ausser der verbindlichen Aufnahme, die er sich in diesem schloss versprechen konnte, war ihm das gute Herz und die Grossmut der weissen Katze so wohl bekannt, dass er sich versichert hielt, sie werde ihm zu glücklicher Vollendung seines Vorhabens allen Beistand leisten, den er sich nur wünschen könne.
In diesen Gedanken näherte er sich dem Sopha, wo das schöne weisse Kätzchen sass, und war im Begriff, sie mit aller der Ehrfurcht, die einer Katze von so hoher Geburt und ausserordentlichen Eigenschaften gebührte, anzureden: als sich plötzlich eine tür öffnete, aus welcher zu grossem Erstaunen des Pedrillo die kleine Sylphide herein guckte, die er gestern im wald gesehen hatte. Wenn eine so unvermutete Erscheinung den Pedrillo in Bestürzung setzte, so tat sie auf die Sylphide keine geringere Würkung. Kaum wurde sie unsrer Abenteurer gewahr, als sie den Kopf mit einem Schrei zurück zog, die tür wieder zuschlug, und so eilfertig zurück lief, als ob sie ein Gespenst gesehen hätte.
Don Sylvio wusste nicht, was er aus dieser seltsamen Art zu erscheinen und wieder zu verschwinden machen sollte! aber Pedrillo half ihm augenblicklich aus dem Wunder. Da haben wirs, rief er, Glück zu, gnädiger Herr, unser Traum ist erfüllt; seid nur unbekümmert, sie wird bald wieder kommen; sie lief nur, um der Fee zu sagen, dass wir da sind.
Von wem redst du, fragte Don Sylvio leise, indem er ihn auf die Seite nahm.
Sapperment, von der Sylphide, die eben jetzt zu dieser tür herein guckte, und die, wie ich Eu. Gnaden schwören kann, eben dieselbe Sylphide ist, die ich gestern unter der Rosenlaube neben euch antraf, und die mir heute im Traum erschienen ist.
Pedrillo, sagte Don Sylvio, es müsste mich alles betrügen, oder wir befinden uns im schloss der weissen Katze, welche eine grosse prinzessin und zugleich eine Fee ist; wenn die Sylphide, die du kennest, zu diesem Palast gehört, so war die Fee, die du gestern sahest, vermutlich die weisse Katze selbst.
Ich weiss nicht, was ihr mit eurer weissen Katze haben wollt, antwortete Pedrillo; ihr werdet doch, zum Deixel! nicht denken, dass das Pusschen, das dort auf dem Sopha sitzt und Gesichter schneidt, die Fee ist – –
Rede nicht so laut, unterbrach ihn Don Sylvio, und lass dir ein für allemal sagen, dass man an solchen Orten, wie der, wo wir uns jetzt befinden, nicht vorsichtig und bescheiden genug sein kann.
Don Sylvio hatte die letzten Worte noch nicht ausgesprochen, als Pedrillo einen grossen Schrei tat, und mit beiden Händen wie ein Unsinniger um sich schlug; denn einer von den Papagaien, die den Katzen in diesem Zimmer Gesellschaft leisteten, hatte entweder, weil ihm seine Physionomie nicht anständig war, oder aus einer andern Ursache, die er (so viel wir wissen) niemalen entdeckt hat, für gut befunden, ihm, indem er hinter ihm vorbei flog, einen kleinen Bakkenstreich mit seinen Krallen zu versetzen, den Pedrillo, weil er den Urheber davon nicht sah, mit grossen Beteurungen, von irgend einem Kobolt oder unsichtbaren Zwerg empfangen zu haben versicherte.
Nimm es, sagte Don Sylvio, als den Lohn für dein unbescheidenes Geplauder an, es wird weiter nichts als eine kleine Züchtigung gewesen sein, die dir eine von den unsichtbaren Händen gegeben hat, von denen man in diesem Palast bedient zu werden pflegt.
Potz Herrich, sagte Pedrillo, das ist eine vertrackte Art die Leute zu bedienen. Wenn es eine Hand war, so muss sie sich die Nägel in sieben Jahren nicht beschnitten haben; ich versichere Eu. Gnaden, dass ein Griff von einem jungen Waldteufel nicht tiefer einschneiden könnte. Sapperment! wenn man für ein jedes Wort, womit man sich hier verfehlt, einen solchen Circumflex bekommt, so muss ich mir das Maul zunähen lassen, oder die boshaften Kobolte werden mir bis Morgen das ganze grosse und kleine Alphabet in mein Gesicht hinein gekratzt haben.
In der Tat, sagte Don Sylvio, du würdest am besten tun wenn du einen vollkommenen Stummen vorstelltest; denn so wie du dich aufführst, steh ich dir nicht davor, dass dir nicht noch unangenehmere Dinge begegnen könnten; nichts davon zu sagen, dass du mir mit deiner ungezogenen Waschhaftigkeit und mit deinen pöbelhaften Schwüren und Ausdrücken sehr wenig Ehre machen wirst.
Nun gut, Herr, versetzte Pedrillo, ein guter Rat findet eine gute Statt; ich will, weil ihrs für gut anseht, so stumm sein als ein Karpe; ich will euch einen Stummen agieren, dass ihr eure Lust daran sehen sollt. Aber, hum! ich höre jemand kommen he! sagt ichs nicht? Es ist die Fee selbst. – St!
Fünftes Capitel
Erscheinung der Fee
Wie gefährlich es ist, wenn einer ein Frauenzimmer
antrifft, das seiner Liebste gar zu ähnlich sieht
Es ist, geneigter Leser, bereits zwei und vierzig Minuten, achtzehen Secunden, richtig an einer zu Genf fabricierten Londner-Uhr abgezählt,