gehabt und ich vom Sylphen-Mädchen. Es kam mir vor, ich fände sie an dem nämlichen Orte, wo ihr gestern schliefet, unter den Rosen liegen; aber ihre Frau, die Fee, war nicht dabei, und jetzt reuet es mich, dass ich sie nicht nach ihrem Namen fragte; aber wir hatten so viel andere Dinge zu schwatzen, dass ich es vergass. Sapperment! die Zeit verging, dass ich nicht wusste, wo sie hinkam; wir waren wohl drei bis vier Stunden beisammen, denn die Sonne ging unter, ohne dass wirs gewahr wurden, und doch deuchte michs nur ein Augenblick; es war mir nicht anders als ob ich selbst ein Sylphe wäre; wenn es mir das Leben gälte, so könnt ich euch nicht beschreiben, wie mir war, aber das ist gewiss, dass mir in meinem Leben nie so zu Mute gewesen ist. Sagt ich nicht, das Glück würde uns auch einmal wieder anlachen? Diese Träume kamen gewiss nicht so von ungefähr; wer weiss was geschehen kann? Die Frau Rademante will es vielleicht auf einmal wieder einbringen, was sie bisher versäumt hat. Wir wollen sehen, sagte der Blinde: das Blatt kann sich schnell wenden. So viel versichere ich euch, Herr, wenn ich einmal den grünen Zwerg unter mich kriege, wie ich hoffe und glaube, so soll er die Rippen-Stösse mit Wucher wieder kriegen, womit er uns heute bedient hat, darauf kann er sich verlassen.
Viertes Capitel
Die Weissagungen des Pedrillo fangen an in
Erfüllung zu gehen
Während dass Pedrillo seinem sprudelnden Humor gewöhnlicher massen Luft machte, setzten sie ihren Weg durch einen Wald von Castanien-Bäumen fort, welcher, je weiter sie kamen, immer mehr das Ansehen eines Parks bekam. Hier und da sahen sie grosse Sommerlauben, Springbrunnen, Urnen, Grotten und Ruinen, die aus Gebüschen von Rosen, Jasmin oder Geissblatt hervor ragten, und nachdem sie eine kleine halbe Stunde fortgegangen waren, so befanden sie sich in einer Art von Labyrint von Rosen und Myrtenhecken, dessen Gänge so künstlich durch einander geschlungen waren, dass sie einige Mühe hatten sich heraus zu finden.
Diese Anscheinungen liessen unsre Wanderer nicht zweifeln, dass sie sich in der Nähe eines Feen-Schlosses und am Anfang eines sehr merkwürdigen Abenteuers befänden.
Pedrillo rief einmal übers andre, sagt ichs nicht, sagt ichs nicht vorher, die Fee Rademante würde sich besser halten? Da seht nun einmal, gnädiger Herr, ob es wohl getan gewesen wäre, wenn wir uns, dem verfluchten Zaubergeschmeiss zu Gefallen, ins wasser gestürzt hätten, wie ihr ganz gewiss getan hättet, wenn ich nicht gewesen wäre. Das Beste was wir davon gehabt hätten, wäre etwa gewesen, dass uns irgend eine Nymphe oder Syrene in Wasserschlangen oder Meerschweine verwandelt hätte; an statt dass wir jetzt Hoffnung haben, in einem crystallenen oder diamantnen schloss zu übernachten, auf seidenen Matratzen zu liegen, und von lauter schönen Sylphiden bedient zu werden, von denen die schlechteste so viel Perlen und Edelsteine an sich hängen hat, dass man ein kleines Königreich darum kaufen könnte.
Indem er dieses sagte, befanden sie sich in einem grossen Spaziergang von Pomeranzen-Bäumen, an dessen Ende sie einen prächtigen Pavillion erblickten, dessen halb geöffnete Flügeltüren in einen grossen Saal sehen liessen, aus dem, weil die sinkende Sonne ihm gegen über stand, ein Schimmer von Spiegeln, Vergoldungen und reichem Geräte von ferne schon die Augen des Pedrillo blendete.
So erfreut er über diesen Anblick war, so fing ihn doch an ein wenig zu schauern, wenn er dachte, dass er sich in einem Orte befände, wo alles durch Zauberei zuginge, und das Herz schlug ihm immer stärker, je näher sie dem Pavillion kamen. Don Sylvio selbst, der sonst nicht der furchtsamste war, schien eine Weile unentschlossen was er tun sollte, denn er hatte schon so viele Proben von der Arglist und unermüdeten Bosheit seiner Feinde, dass er nicht wusste, ob nicht etwa eine neue List unter diesen schönen Anscheinungen verborgen liege. Allein die tröstlichen Versprechungen, die ihm seine geliebte prinzessin so kürzlich erst gegeben hatte, verbannten alle diese Besorgnisse bald wieder, und ob er gleich ausser einigen Papagaien, die auf dem vergoldeten Geländer, das den Saal umgab, herum hüpften, kein lebendiges Wesen gewahr wurde, so beschloss er doch, nach einer kleinen Überlegung hinein zu gehen, und zu erwarten, was aus diesem Abenteuer werden möchte.
Aber wie gross war sein Erstaunen, als er beim Eintritt in den Saal, dessen Schönheit und kostbare Auszierung einer Fee würdig schien, eine Menge Katzen von allen Farben erblickte, die sich nicht anders gebärdeten, als ob sie die einzigen Bewohner dieses prächtigen Ortes wären! Einige lagen auf Polstern von goldnem Brocat, andre spazierten ganz gelassen zwischen den Blumen-Gefässen und schinesischen Pagoden, womit der Camin ausgezieret war, herum, indem noch andre sich um ein wunderartiges schneeweisses Kätzchen geschäftig zeigten, welches mit Perlenschnüren umwunden, in einer anmutig-nachlässigen Stellung, auf einem Sopha von rosenfarbem Damast mit Silber ausgestreckt lag.
Bei einem solchen Anblick hätte sich wohl ein weiserer Mann als Don Sylvio war, des Palasts der weissen Katze, aus einem der artigsten Märchen, die man hat, erinnern können. Aber da die Katzen, die auf den Polstern lagen, so bald er den Fuss in den Saal setzte, ihn mit einer Symphonie nach ihrer Art bewillkommten; so war nunmehr, nach seiner