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; er öffnete die Augen und rief mit schwacher stimme: Wo bin ich? Lebst du noch, Pedrillo?

Ja, mein lieber Herr, rief Pedrillo, und Gott Lob! dass ihr wie ich sehe, auch noch lebt; denn so wahr ich ehrlich bin, wenn ihr tot gewesen wäret, wie ich schon zu fürchten anfing, ich hätte mich eher in den Fluss gestürzt, eh ich euch hätte überleben wollen.

Wollte Gott; sagte Don Sylvio, dass ich dein gutes Herz und deine Treue belohnen könnte! Aber, o Himmel! sage mir, wenn du es weisst, was ist aus meiner armen prinzessin worden?

Die prinzessin? schrie Pedrillo, fort ist sie, zum T.. ist sie, sie flog gleich anfangs davon, wie die pausbackichten Unholden mit ihren langen krummen Nägeln über uns her fielenSapperment! ich wollte, sie hätt unsAber was habt ihr denn, Herr ums himmels willen, gnädiger Herr, was fehlt euch? dass es Gott erbarme! Was ist zu tun? O! die verfluchten Feen! – –

Pedrillo jammerte so, weil sein Herr, der sich nach dem Bildnis seiner prinzessin umgesehen, so bald er fand, dass er es nicht mehr bei sich hatte, vor Schrekken und Herzleid abermal in Ohnmacht gesunken war.

Er hatte grosse Mühe ihn wieder zu sich selbst zu bringen, aber noch grössere, der Verzweiflung Einhalt zu tun, der sich unser Ritter ohne Mass überliess, so bald er wieder fähig war, die Grösse seines Verlusts zu fühlen. Pedrillo, so gute Lust er gehabt hätte, über die Fee Radiante und alle Feen der ganzen Welt loszubrechen, und seinem Herrn die närrische Liebe zu einem Schmetterling auszureden, wusste nicht mehr was er sagen oder anfangen sollte, da er ihn so kläglich jammern hörte, und so gar entschlossen sah, den Guadalaviar durch seinen Tod berühmt zu machen. Er warf sich ihm zu Füssen, er bat, er weinte, er fluchte über die Feen und die Feerei, aber das erste half nichts, und das andre machte das Übel noch ärger.

Nachdem er nun alles andere versucht hatte, so verfiel er endlich auf das einzige Mittel, wovon man sich in dergleichen Umständen noch einige Würkung versprechen kann; er fing an mit ihm in die Wette zu heulen, und ihn, wo möglich, noch darin zu übertreffen. Er dachte, mein junger Herr wird es doch endlich müde werden, und wenn nur einmal der erste Anstoss von Tollheit vorüber ist, so wird er sich hernach schon besser berichten lassen.

Wie er nun sah, dass Don Sylvio wieder stille wurde, so fing er an, obgleich wider seine eigene Überzeugung, alle nur ersinnliche Vorstellungen hervor zu suchen, die, wie er glaubte, ihn sollten beruhigen können. Er versicherte ihn dass wenn auch, wider bessers Hoffen, das Bildnis der prinzessin in den Händen des grünen Zwergs sein sollte, so sei doch die prinzessin selbst in Sicherheit; denn die habe er samt dem Faden mit seinen eignen Augen davon fliegen gesehen. Glaubet mir, mein lieber Herr, sagte er, die Fee Rademante will nur eure Geduld auf die probe setzen, es kann in kurzer Zeit alles ein ganz anders Gesicht bekommen. Man muss hoffen, so lange man noch Atem hat. Denket, dass es andern Prinzen und Rittern auch nicht besser oder wohl noch ärger gegangen ist. Was hat nicht der blaue Vogel ausstehen müssen, bis er der garstigen Forelle los war, und seine liebe Florine in seinen Arm bekam? Wie sauer ist es dem guten Prinzen Höckerich gemacht worden, bis er zum Besitz der schönen Brilliante gelangte, die der schwarze Zauberer in eine Heuschrecke verwandelte, ob sie gleich so gut eine prinzessin war als andre, die ich nicht nennen will. Ihr seid doch noch nicht in einem Keller voller Kröten und Eidexen bis an den Hals im wasser gestanden, wie die Brüder der prinzessin Rosette; ihr seid doch in kein Tier verwandelt worden, wie der Prinz der glücklichen Insel, und ihr seid noch nie in Gefahr gewesen von Popanzen und Unholden gefressen zu werden, wie der Prinz Amatus; mit einem Wort, gnädiger Herr, bedenkt, dass ich Ursache genug hätte, mich so arg zu beklagen als einer. Ich weiss nicht, warum es die Frau Rademante so gut mit mir meint, aber ich habe zehenmal mehr Prügel und Stösse in den Hintern gekriegt als ihr, und die prinzessin soll noch geboren werden, die mich deswegen trösten wird. Wenn ihr etwas leidet, so wisst ihr doch warum? Aber dem armen Pedrillo, der bei allen schlimmen Abenteuern das meiste davon trägt, gibt niemand kein gutes Wort darum. Sei es! Ich will mich nicht beschweren, ob mir gleich die verdammten Bengel den rücken so weich geschlagen haben als den Bauch; es ist nun einmal mein Schicksal; wenn ihr nur wieder zufrieden sein wollt, so will ich mit Eu. Gnaden aushalten, so lang Gott will, und ich noch eine Rippe habe, die ich mir in euerm Dienst entzwei schlagen lassen kann.

Diese Vorstellungen, denen das gute Herz des Pedrillo keinen geringen Nachdruck gab, und die Gewissheit, dass die prinzessin noch lebe und in Freiheit sei, würkten nach und nach so kräftig auf unsern Helden, dass er sich wieder fasste, und dem Pedrillo für die Ergebenheit, die er gegen ihn zeigte, sehr verbindliche Dinge sagte, mit der Versicherung