wohl als dem Vorteil der Buchhandlung, die bekanntlich einen so beträchtlichen Zweig des Europäischen Commercii ausmacht, weit zuträglicher wäre, wenn, an statt der Menge schlechter und mittelmässiger moralischer Bücher in allen Formaten, welche unter viel versprechenden Titeln die arme Welt mit den alltäglichen Beobachtungen, schiefen, zusammen gerafften und unverdauten Gedanken, frostigen Declamationen und frommen Wünschen ihrer langweiligen Verfasser bedrucken, alle halbe Jahre etliche Dutzend Bücher im Geschmack des Comischen Romans, des Baccalaureus von Salamanca, oder des Findlings, ja wenn es auch im Geschmack des Candid oder des Gargantua und Pantraguel wäre, auf die Messen kämen; Bücher, in denen die Wahrheit mit lachen gesagt, die der Dummheit, Schwärmerei und Schelmerei ihre betrügliche Masken abziehen, die Menschen mit ihren Leidenschaften und Torheiten, in ihrer wahren Gestalt und Proportion, weder vergrössert noch verkleinert abschildern, und von ihren Handlungen diesen Firniss wegwischen, womit Stolz, Selbstbetrug oder geheime Absichten sie zu verfälschen pflegen; Bücher, die mit desto besserm Erfolg unterrichten und bessern, da sie bloss zu belustigen scheinen, und die auch alsdann, wenn sie zu nichts gut wären, als beschäftigten Leuten in ErholungsStunden den Kopf auszustäuben, müssige Leute unschädlich zu beschäftigen, und überhaupt den guten Humor eines volkes zu unterhalten, immer noch tausendmal nützlicher wären als dieses längst ausgedroschne moralische Stroh, dieser metodische Mischmasch von missgestalteten und buntscheckigten Ideen, diese frostigen oder begeisterten Capucinaden, welche hier gemeint sind, und die (mit Erlaubnis der guten Absichten, wovon ihre Verfasser so viel Wesens machen) weit mehr am Kopf der Leser verderben, als sie an ihrem Herzen bessern können, und bloss deswegen so wenig Schaden tun, weil sie ordentlicher Weise nur zum Einpacken anderer Bücher gebraucht werden.
Es wäre uns, um gewisser Ursachen willen, lieb gewesen, wenn wir gelegenheit gefunden hätten, diese Anmerkung irgendwo dem Pedrillo, oder einer andern privilegierten person von dieser Art in den Mund zu legen: denn einem Pedrillo, Launcellot Gobbo oder Gobbo Launcellot nimmt niemand übel, wenn er die Wahrheit sagt: Da es aber nicht füglich sein konnte, so haben wir uns schon entschliessen müssen, sie im Vorbeigehen selbst zu sagen, und wollen deswegen, wo und bei wem es nötig ist, höflichst abgebeten haben.
Zweites Capitel
Worin sich Pedrillo sehr zu seinem Vorteil zeigt
Pedrillo, ungeachtet er in dem unglücklichen Abenteuer mit den Gras-Nymphen die meiste Schläge bekommen hatte, raffte sich, nachdem er eine gute halbe Viertel-Stunde ganz betäubt dagelegen war, dennoch zuerst wieder vom Boden auf, und der erste Gebrauch, den er von seinen wiederkehrenden Sinnen machte, war, dass er alle Nymphen, Faunen und Sylvanen, Zwerge, Princessinnen und Schmetterlinge, nebst allen und jeden Feen-Märchen, die von Erschaffung der Welt an bis auf selbigen Tag geschrieben worden, und noch künftig bis an der Welt Ende geschrieben werden möchten, mit ihren Verfassern, Gönnern und Erzählern, und deren sämtlichen Angehörigen und Erben in auf- und absteigender Linie, samt und sonders zum T.. wünschte. Er verfluchte die Gänse, mit deren Spulen sie geschrieben, die Lettern, womit sie gesetzt, und die Farbe, womit sie gedruckt worden, und wünschte herzlich, dass die heilige Inquisition alle diejenige zu Staub und Asche verbrennen möchte, die dergleichen verteufeltes Zeug, wodurch der artigste und braveste junge Edelmann von ganz Spanien zum Narren gemacht worden, unter die Leute brächten. Denn die Schläge, die er ohne Zahl und Mass um des blauen Schmetterlings willen empfangen hatte, überzeugten ihn nun auf einmal, dass alles, was ihm sein Herr von der Fee Radiante und der Bezauberung seiner vermeinten prinzessin gesagt hatte, lauter Träume und Einbildungen seien. Je, verflucht; schrie er, wenn hat jemals eine Fee diejenige, die sie in ihren Schutz genommen hat, von Gras-Menschern und Bauerknechten zu tot prügeln lassen? Es sollte mich nicht verdriessen, wenn es noch Popanze oder Feuerspeiende Drachen gewesen wären; aber von solchem Lumpenvolk- Sackerlot! Ich will mich fressen lassen, wenn seine Rademante, die uns alle diese verfluchte Händel gemacht hat, nicht gerade so eine Fee ist, wie die dreifachen Huren, die mir die Augen mit ihren Nägeln ausgekratzt haben, Nymphen sind! – –
In diesem emphatischen Ton fuhr er noch eine gute Weile fort, bis er endlich gewahr wurde, dass sein Herr noch immer ohne Bewegung auf dem Boden ausgestreckt lag. Dieser Anblick und die Furcht, dass er gar tot sein möchte, machten den guterzigen Tropfen auf einmal seines eignen Ungemachs vergessen; er rief ihm, er rüttelte ihn, und da er noch immer kein Zeichen von sich gab, so fing er eben so jämmerlich oder noch jämmerlicher zu schreien an, als der bucklichte Sohn des bösen Königs, da ihn das Gänsemädchen nicht heuraten wollte.
Endlich besann er sich in der Angst an eine Flasche Madera-Wein, die er noch in seinem Zwerch-Sack hatte, und zu gutem Glück hatten die Feinde in der Hitze des Streits den Zwerchsack, den Pedrillo gleich anfangs von sich legte, aus der Acht gelassen. Er holte also die Flasche, und goss sie, ohne sich den Wein dauren zu lassen, fast ganz über Don Sylvio Gesicht aus. Dieses Mittel tat die gewünschte Würkung. Don Sylvio erholte sich in kurzem wieder, denn seine Betäubung war von einem einzigen, etwas nachdrücklichen Schlag hergekommen, den er, wiewohl ohne andern Schaden, als eine ziemliche Beule über den Kopf bekommen hatte