in die hände geriet, die ihn haschte, und zum Zeitvertreib an einem Faden, den sie um seine Füsse band, um sich her flattern liess.
Don Sylvio, der schon nahe genug war um dieses Spiel zu beobachten, sagte zu Pedrillo: Nun hab ich einmal den Aufschluss des Traumgesichts, dessen Erklärung mir gestern Morgen so viel zu schaffen machte; es war eine Warnung der Fee, meiner Freundin, die mich das, was mir jetzt begegnet, im Traum vorher sehen liess, damit ich nicht unvorsichtig in den Schlingen meiner Feinde gefangen würde. Siehst du die Nymphe, die dort im Schatten sitzt, und den blauen Sommervogel an einem Faden um sich her flattern lässt.
Eine Nymphe, sagt ihr? antwortete Pedrillo; Sapperment Herr Don Sylvio, sie sieht einer Nymphe gerad so gleich als einem Fuder Heu; Es ist ein Grasmädchen, so gut als die andern, die dort im Schatten beisammen sitzen.
Ich bin zu sehr gewohnt, erwiderte Don Sylvio, dass du alles besser wissen willst als ich, als dass ich mich über deine Unverschämteit entrüsten sollte. Ich weiss, Dank sei der Fee Radiante! was ich davon denken soll, und du magst sie nun für eine Nymphe oder für ein Grasmädchen ansehen, so will ich entweder mein Leben verlieren, oder sie soll mir meine prinzessin ausliefern.
Gnädiger Herr, antwortete Pedrillo, wenn die Rede von Salamandern, Sylphen, Rastral-Geistern und andern solchen Dingen ist, die über den Verstand des gemeinen Mannes gehen, da räum ich Eu. Gnaden herzlich gern ein, dass ihr euch besser darauf versteht; aber mit den Grasmädchen ist es etwas anders, die sind offenbar von meiner Competenz, und es ist auch keine Sache, wobei man sich betrügen kann; man riecht sie ja auf dreissig Schritte. Ich möchte wohl wissen, seit wenn eure Nymphen nach Knoblauch schmecken, oder so zerlumpte Unterröcke tragen, dass die Lappen herunter hangen, und das Hemd aller Orten hervor guckt? Kurz und gut, Herr, es ist eine Baurendirne, und dazu eine von den schmutzigsten, die man sich wünschen kann. Es wird nicht viel Mühe kosten, den blauen Schmetterling von ihr zu kriegen; ihr braucht ihr nur ein paar Maravedis zu gehen, so sagt sie euch noch vergelts Gott dafür.
Don Sylvio, der sich nicht berichten liess, wenn er sich einmal etwas in den Kopf gesetzt hatte, würdigte diese Reden nicht einmal darauf Acht zu gehen; er ging auf die vermeinte Nymphe zu, und verlangte, dass sie ihm seinen Schmetterling wieder geben sollte.
Was gebt ihr mir um ihn, junger Herr, sagte das Grasmädchen lachend?
Alles was du willst, antwortete Don Sylvio – –
Gut, sagte die Nymphe, so gebt mir das Kleinod, das ihr hier am Halse hangen habt! ich will es meinen kleinen Schwestern nach haus bringen, und wenn ihr mir noch einen halben Realen dazu gebt, so soll der Schmetterling zusamt dem Faden euer sein.
Verdammter grüner Zwerg, rief Don Sylvio voll Grimms, indem er seinen Säbel zog, hoffe nicht, unter dieser geborgten Gestalt, die ein Beweis deiner Feigheit ist, meiner ungestraft zu spotten. Stirb, Verruchter, oder gib mir den Sommervogel, an den du keinen Anspruch machen kannst, den ich nicht mit Aufopferung meines eigenen Lebens aus deinem verdammten Herzen reissen will.
Man kann sich vorstellen, dass die schöne Nymphe auf eine so unhöfliche Anrede, die mit so fürchterlichen Drohungen begleitet war, weniger nicht tun konnte, als ein jämmerliches Geschrei zu erheben. Pedrillo, den die Narrheit seines Herrn bei nahe selbst toll machte, warf sich, weil alles Zureden nichts helfen wollte, zwischen ihn und die Nymphe, und bemühte sich, ihm seinen Säbel aus den Händen zu winden. Die übrigen Nymphen, welche sahen, wie übel man ihrer Gespielin begegnete, lieben auch herzu, und fielen wie Furien über den Sylvio und Pedrillo her, welche genug zu tun hatten, sich gegen ihre grobe Fäuste und lange Nägel zu verteidigen.
Unglücklicher Weise fügte es sich, dass der Liebhaber der jungen Nymphe, die das Unglück hatte, für den grünen Zwerg angesehen zu werden, nicht weit davon mit zwei oder drei andern Bauerknechten im feld arbeitete. Das klägliche Geschrei dieser Weibsleute, und der Anblick seiner Geliebten, welcher Pedrillo im Begriff war einen starken Schopf Haare aus dem Kopf zu reissen, setzte ihn in eine solche Wut, dass er in Begleitung seiner Gesellen herbei eilte, und mit dem Knittel, den er dem Pedrillo aus den Händen riss, so nachdrücklich auf unsre beiden Abenteurer zudreschte, dass sie, ihres mutigen Widerstandes ungeachtet endlich von der Menge der Feinde zu Boden geworfen wurden. Der ergrimmte Liebhaber und die rachschnaubende Gras-Nymphe begnügten sich nicht hiermit, sondern schlugen noch so lange mit geballten Fäusten auf sie zu, bis sie besorgten, dass es zu viel sein möchte; und nachdem sich die Nymphe, zum Ersatz ihres Schmetterlings, der gleich zu Anfang des Gefechts entwischet war, des Kleinods unsers atemlosen Helden bemeistert hatte, so gingen sie allerseits davon, und liessen unsre Abenteurer für tot im Grase liegen.
Ende des ersten Teils
Zweiter teil
Fünftes Buch
Erstes Capitel
Worin der Autor das Vergnügen hat, von sich selbst
zu reden
Wir zweifeln sehr daran, ob, seit dem es Feen-Märchen in der Welt gibt, ein von Feen beschützter Liebhaber, er mag nun ein Prinz, ein Ritter oder ein