, dass er in der Tat etwas sonderbares und romanhaftes an sich habe, so ihm jedoch nicht übel lasse, und dass er aus einem gewissen Gespräch, das sie vor etlichen Wochen mit einander geführt, so viel ersehen hätte, dass Don Sylvio einen ausserordentlichen Geschmack an den Feen-Märchen finde, und sich in den Kopf gesetzt habe, dass es lauter wahrhafte Geschichten seien, dass es wirklich Feen gehe, und dass es gar nichts seltsames sein würde, wenn ihm selbst dergleichen Dinge begegneten.
Diese Nachrichten entielten bei nahe alles, was Donna Felicia zu ihrer Beruhigung nötig hatte. Allein ob gleich der romanhafte Schwung seiner Einbildungskraft etwas desto angenehmeres für sie hatte, weil er mit ihrer eigenen Sinnesart sympatisierte; So war sie doch auf der andern Seite nicht sehr vergnügt, dass er die Liebe zur Feerei bis zu einem Grad der Schwärmerei trieb, der ihn zu einer Art von Narren machte. Vielleicht, dachte sie, ist er in eine idealische prinzessin verliebt, die er nie gesehen hat, und damit seine Liebe ein desto feenmässigers Ansehen bekomme, hat er sich selbst beredet, dass sie von einer Fee, die sich seines Nebenbuhlers annimmt, in einen Sommervogel verwandelt worden sei. Diese Einbildung deuchte sie närrisch genug; aber wenn Don Sylvio lächerlich war, in eine blosse idee verliebt zu sein, war es Donna Felicia weniger, da sie über diese arme idee eifersüchtig war? In der Tat merkte sie es selbst; denn so vertraut sie sonst mit ihrer Laura zu sein pflegte; so konnte sie ihr doch diese Schwachheit nicht ohne Erröten gestehen. Die Unterredung, die sie darüber mit einander hatten, leitete sie nach und nach auf allerlei Projecte, wie man es anfangen könnte, um bekannter mit Don Sylvio zu werden; aber das schlimmste war, dass sich bei jedem irgend eine Schwierigkeit fand, die man allemal erst entdeckte, wenn man sich lange genug über die Ausführung desselben gefreuet hatte. Es blieb ihnen also zuletzt nichts anders übrig, als die Hoffnung, dass der Zufall, dem man in allen menschlichen Angelegenheiten vieles überlassen muss, vielleicht in kurzem mehr zu Begünstigung ihrer Absichten tun könne, als die ausgesonnensten Entwürfe.
Achtes Capitel
Das höchstklägliche Abenteuer mit den
Gras-Nymphen
Inzwischen setzte Don Sylvio mit seinem getreuen Achates, unter mancherlei Gesprächen, wozu ihre begebenheiten Anlass gaben, seine irrende Reise fort, und ruhete von Zeit zu Zeit in den anmutigen Gebüschen aus, womit die bezaubernden Landschaften von Valencia, wie mit Kränzen durchwunden sind.
Sie befanden sich wirklich in einem kleinen Cypressen-Wald, wohin sie die zunehmende Hitze getrieben hatte, und wo sie sich an der lachenden Aussicht über die blühenden Ebnen ergötzten, die sich zu beiden Seiten des Guadalaviars verbreiteten; als Pedrillo, plötzlich eine Entdeckung machte, welche allen Bekümmernissen, Liebesschmerzen und Herumirrungen unsers Helden auf einmal ein erwünschtes Ende zu versprechen schien.
Hei sa, gnädiger Herr, rief er, Freude über Freude, wir haben unsre prinzessin gefunden, oder meine Augen müssen bezaubert sein; seht ihr den blauen Sommervogel nicht, der dort um die Rosenstauden herum flattert?
Pedrillo betrog sich nicht gänzlich; es war wirklich ein blauer Sommervogel, und Don Sylvio wünschte zu sehr, dass es seine prinzessin sein möchte, als dass er einen Augenblick daran gezweifelt hätte. Ich will auf diese Seite herüber gehen, gnädiger Herr, sagte Pedrillo, und ihr schleicht indessen allgemach auf ihn zu; er soll uns nicht entwischen, und ich denke, die prinzessin braucht euch nur zu sehen, so wird sie euch von selbst in die hände fliegen.
Der Sommervogel schien wirklich die Hoffnung des Pedrillo zu rechtfertigen; er flog in kleinen Kreisen dem Don Sylvio entgegen, und dieser näherte sich ihm schon mit ausgestreckter Hand, von Freude und sehnsucht zitternd; als der Unstern unsers armen Liebhabers einen andern weissgrauen Sommervogel herbei führte, der den blauen kaum erblickte, als er mit der Dreistigkeit, die dieser verbuhlten Gattung von Geschöpfen eigen ist, auf ihn zuflog, und sich nicht scheute vor den Augen seines Nebenbuhlers sich Freiheiten heraus zu nehmen, zu denen er desto mehr berechtiget zu sein glaubte, da es ihm vermutlich nicht in den Sinn kam, dass seine geflügelte Schöne eine prinzessin sein könnte.
Don Sylvio geriet, wie man denken kann, über diese Verwegenheit in eine desto grössere Wut, da er in dem Widerstand des blauen Schmetterlings einen neuen Grund zu sehen glaubte, dass es ganz gewiss seine prinzessin sei; er warf sich also dazwischen, und war glücklich genug, seinen mutwilligen Nebenbuhler mit einem Stabe, den er in der Hand hatte, zu Boden zu schlagen. Allein die vermeinte prinzessin war indessen in der Angst davon geflogen, und je schneller ihr Don Sylvio und Pedrillo nacheilten, desto schüchterner flatterte sie vor ihnen her, vermutlich, weil sie noch immer von dem weissgrauen Schmetterling verfolgt zu werden glaubte.
Von ungefähr trug sich zu, dass drei oder vier Mädchen aus einem benachbarten dorf, um von ihrer Arbeit auszuruhen, am Ufer des Flusses sich in den Schatten gesetzt hatten, und sich damit belustigten, aus den Blumen, welche häufig um sie her blühten, Kränze zu flechten.
Der blaue Schmetterling hatte seine Verfolger so weit hinter sich gelassen, dass sie ihn kaum noch mit den Augen erreichen konnten; und weil er sich jetzt ausser Gefahr glaubte, so fing er an, wieder ruhiger zu werden, und schweifte so lange von Blume zu Blume, bis er einer von den vorbesagten Dirnen