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wollen, wo die Liebenswürdige Donna Felicia mit ihrer würdigen Vertrauten sehr erstaunt waren, von ihrem Bruder keine andre Nachricht zu erfahren, als dass er mit Don Gabriel ausgeritten sei, ohne jemand anders als seinen Kammerdiener mitzunehmen. Sein Aussenbleiben setzte sie in die grösste Unruhe, und die kluge Laura wusste sich endlich nicht anders zu helfen, als dass sie sich bemühte, die Aufmerksamkeit ihrer Dame auf einen andern Gegenstand zu lenken.

Sie brachten also beinahe die ganze Nacht mit Gesprächen von Don Sylvio zu, in denen die angehende Liebe, die er so gar im Schlafe glücklich genug gewesen war, der reizenden Felicia einzuflössen, sich nach und nach so lebhaft offenbarte, dass es sehr geziert heraus gekommen wäre, wenn sie ihrer Laura ein Geheimnis daraus hätte machen wollen; zumal da dieses Mädchen seines Verstands und guten Herzens wegen, des Vertrauens nicht unwürdig war, wodurch seine Gebieterin es beinahe zum Rang einer Freundin zu erheben schien.

Dass dieser unbekannte Schläfer der schönste unter allen Sterblichen sei, das hatten ihnen ihre Augen gesagt, und sie breiteten sich mit desto grössrer gefälligkeit über diesen Punct aus, da sie noch keine gelegenheit gehabt hatten, andre Verdienste an ihm kennen zu lernen. Aber wer er sei, und ob sein Stand und seine moralischen Eigenschaften mit einer so einnehmenden Aussen-Seite übereinstimme, das war eine Frage, gegen deren Bejahung Donna Felicia tausend Zweifel zu erregen wusste, um das Vergnügen zu haben, sie von Lauren beantwortet zu sehen. Nachdem sie nun alles, was nur möglich war, dafür und dawider gesagt hatten, so wurde man endlich einig, dass es im äussersten Grad unwahrscheinlich sei, dass ein Jüngling, dessen Gestalt die natur mit allem Fleiss dazu gemacht zu haben scheine, um eine vortreffliche Seele anzukünden, nicht der edelste, der tugendhafteste, der tapferste, der angenehmste, mit einem Wort, der liebenswürdigste unter allen, die jemals von Weibern geboren worden sein sollte. Selbst das Zeugnis des Pedrillo, so ungeneigt man war ihm in denjenigen Puncten, die seinem Herrn nicht so sehr zum Vorteil gereichten, einigen Glauben beizumessen, wurde in Absicht des Lobes, so er seinem moralischen charakter erteilt hatte, für desto vollgültiger angesehen, je weniger Bediente sonst gewohnt sind, ihren Herrschaften in diesem Stück bei fremden Personen zu schmeicheln.

Allein was sollte man aus dem bezauberten Sommervogel der prinzessin, den Feen und dem Zwerge machen, welche Pedrillo in seine geschichte eingeflochten hatte? Was sollte man von der Ernstaftigkeit, dem aufrichtigen Gesicht und dem zuverlässigen Ton denken, womit dieser Bursche, der die Mine gar nicht hatte, als ob er seinen Zuhörerinnen etwas hätte weis machen wollen, sie versichert hatte, dass sein Herr in eine bezauberte prinzessin verliebt sei, die er mit hülfe einer grossen Fee zu erlösen im Sinn habe?

Über diesen Punct war Donna Felicia nicht so leicht zu befriedigen, und es währete lange, bis die sinnreiche Laura sie endlich überredete, dass man es eben damit so machen müsse, wie vernünftige Muselmänner mit gewissen unglaublichen oder kindischen Erzählungen des Alcorans; man müsse sie für eine Art von Allegorie ansehen, worunter, so bald man den Schlüssel dazu hätte, vermutlich nichts anders als ein ganz natürliches und alltägliches liebes-Histörchen, verborgen liegen werde. Diese Erklärung, so wohl ausgesonnen sie schien, war dennoch nicht völlig nach dem Geschmack der Donna Felicia und Laura hatte gelegenheit für sich selbst die Anmerkung zu machen, dass die gute junge Dame ihren Geliebten lieber mit einem noch unversehrten Herzen ein wenig närrisch, als bei vollkommenem Verstand in eine andre verliebt gesehen hätte.

Man endigte also damit, dass Laura sich bemühen sollte, so bald als möglich nähere Erkundigungen von Don Sylvio von Rosalva einzuziehen. Zu gutem Glück ersparte ihr der Zufall diese Mühe, indem es sich von ungefähr fügte, dass der nämliche Barbier, dessen wir bereits mehrmal Erwähnung getan, und der in der ganzen Gegend für einen desto bessern Wundarzt gehalten wurde, weil er auf viele Meilen umher der einzige war, gleich den folgenden Morgen nach Lirias kam, um einen Bedienten zu besuchen, der schon etliche Wochen an einem Beinbruch gelegen war.

Laura kam eben in das Zimmer, wo er war, als er, mit der Waschhaftigkeit, die seiner Profession seit undenklichen zeiten eigen gewesen ist, von der Entweichung des Don Sylvio als einer Neuigkeit erzählte, wovon bereits in der ganzen Gegend von Rosalva gesprochen werde. Sie hatte also keine Mühe von diesem glaubwürdigen Mann so viel Nachrichten über unsern Helden einzuziehen, als sie nur wünschen konnte. Sie erfuhr von ihm den Charakter der Tante, die Erziehung und Lebensart des jungen Ritters, die Absichten der Donna Mencia, ihn mit den hundert tausend dukaten der missgeschaffnen Mergelina Sanchez zu vermählen, und welchergestalt er mit seinem Diener Pedrillo, vermutlich um eine so unanständige Heurat auszuweichen, heimlich davon gegangen sei, ohne dass man wisse, wohin. Was seine persönliche Eigenschaften betraf, so versicherte der Herr Barbier, dass derjenige noch geboren werden müsse, der es ihm an Schönheit, Wissenschaft und Tugend zuvor tun sollte, und er setzte hinzu: er hoffe alles gesagt zu haben, wenn er die Herren und Damen versichere, dass Don Sylvio unter seiner Anführung binnen zwei Monaten so wundertätige Progressen im Citerschlagen gemacht habe, dass er selbst sich nicht schäme, ihn als seinen Meister darin zu erkennen. Von einem Liebeshandel, worin Don Sylvio jemals verwickelt gewesen sein sollte, wollte der Barbier nicht das geringste wissen; hingegen verschwieg er nicht