1772_Wieland_108_68.txt

weit die Bosheit gewisser Personen, die ich nicht nennen will, geht, so wirst du dich nicht wundern, dass ich dich anfangs so unfreundlich angelassen habe. Wisse also, dass ich mit diesen meinen Ohren einen Anschlag behorcht habe, der in deiner kammer gemacht wurde, mir das Bildnis meiner geliebten prinzessin zu entwenden. Ich bin überzeugt, dass du einer so entsetzlichen Verräterei unfähig bist; aber ich schwöre dir bei der Ehre eines Ritters, ich hörte deine stimme, und ich zweifle nun keinen Augenblick, dass es meine beide Feindinnen waren, von denen die eine deine stimme annahm, in der Absicht, wofern ihnen ihr Anschlag auf mein Bildnis fehl schlüge, wenigstens so viel zu erhalten, dass ich dich für den schändlichsten Verräter halten sollte.

Das ist ja verrucht, gnädiger Herr, rief Pedrillo, Sapperment, das heisst den Spass zu weit treiben. Auf solche Art ist ein ehrlicher Kerl so gar im Schlaf nicht sicher, dass nicht irgend ein vertrackter Zwerg oder Hexenmeister seine person annimmt, und in dieser geborgten person so viel Spitzbübereien angibt, bis er den armen Teufel in seiner eignen person an den Galgen bringt. Aber ich bitte euch, Herr, was sagte denn meine stimme, oder die Hexe, die meine stimme angenommen hatte.

Gib dich zufrieden, Pedrillo, erwiderte Don Sylvio, ich bin von deiner Unschuld überzeugt, und wir sind beide hinlänglich dadurch gerochen, dass ihnen ihre gedoppelte Absicht fehl geschlagen ist. Aber mache dich fertig, ich will keinen Augenblick länger in diesem haus bleiben.

Wollt ihr denn gehen, fragte Pedrillo, ohne von der Dame und dem Ritter Abschied zu nehmen, denen wir gestern das Leben gerettet haben? Sie hatten gestern so viel mit ihren Circumflexen zu tun, die sie in der Schlacht bekommen haben, dass sie sich nicht einmal Zeit nehmen konnten, uns recht dafür zu danken; und ich meine doch einem das Leben retten, ist ein Ritterdienst, der wenigstens einen Vergelts Gott wert ist.

Ich verlange keinen Dank, antwortete Don Sylvio, für eine Handlung, die meine Schuldigkeit war, ich mag mich als einen Ritter oder bloss als einen Menschen betrachten; ich würde alle Augenblicke für einen jeden Türken, Juden oder Heiden des gleichen tun, und ob ich gleich gewünscht hätte, nähere Umstände von ihren begebenheiten zu erfahren, so nötigt mich doch die gefährliche Entdeckung, die ich diesen Morgen gemacht habe meinen Entschluss zu ändern. Welch ein Glück war es für mich, dass ich noch zeitig genug erwachte; um ihren Anschlag vereiteln zu können! Aber ich bin gewiss, dass mich eine unsichtbare Hand weckteIch gestehe dir, dass ich mich in diesem haus keinen Augenblick sicher halte. Die Fee Radiante hat mir ihren Schutz versprochen, in so fern wir meine geliebte prinzessin suchen, und wenn du dich besinnst, so wirst du finden, dass uns alle die widrigen Zufälle, die uns auf unsrer Reise befallen haben, während dass wir schliefen oder stille lagen, begegnet sind – –

Ja, gnädiger Herr, sagte Pedrillo dazwischen, den Froschgraben ausgenommen, in den uns eure Salamander hinein führten. – –

Und ich sehe es, fuhr Don Sylvio fort, als eine gerechte Strafe an, dafür dass ich mein Gelübde, es sollte, bis ich meine prinzessin gefunden hätte kein Schlaf in meine Augen kommen, nicht besser gehalten habe. Mit einem Wort, Pedrillo, ich will keine Minute länger in diesem haus bleiben, in welchem Fanferlüsch vielleicht Freunde oder andere Vorteile hat, die mir unbekannt sind. Packe dein Geräte zusammen, und lasse uns so leise als wir können davon schleichen; es fängt kaum an zu tagen, das ganze Haus schläft, und wenn auch unsre Feinde wachen, so bin ich gewiss, dass Radiante einen bezauberten Nebel um uns her machen wird, hinter welchem uns der hundertäugichte Argus selbst nicht entdecken würde.

Sei es so, weil ihrs für gut befindet, antwortete Pedrillo, froh genug, dass er so wohlfeil davon gekommen war. Sapperment! ich dachte doch gleich, wie ich die Flöhe so Legionenweis auf mich eindringen sah, dass es nichts gutes bedeuten werde. Ich versichre Eu. Gnaden, ich bin am ganzen leib nur eine Wunde, und ich wollte auf ein Buch schwören, dass es keine natürliche Flöhe, sondern lauter bezauberte Igel und Stachelschweine waren, mit denen uns dieses boshafte Zaubervolk zu tod zu hetzen hoffte.

In diesem Tone plauderte Pedrillo so lange fort, als er mit Bepackung seines Zwerchsacks zu tun hatte; denn er besorgte immer, sein Herr möchte, wenn er ihm Zeit zum Nachdenken liesse, hinter die Wahrheit kommen, und so bald er reisefertig war, schlichen sie sich, ohne nach dem Wirt und der Zeche zu fragen, so leise fort, dass selbst die Dame Teresilla, die sich aus Vorsichtigkeit ganz ruhig in ihrem Zimmer hielt, nicht das geringste von ihrer Abreise merkte.

Siebentes Capitel

Eine kleine Abschweifung nach Lirias, wobei der

Autor eine nicht unfeine Kenntnis des weiblichen

Herzens sehen lässt

Don Sylvio bejammerte allemal den Verlust des armen kleinen Pimpimps, so oft es darum zu tun war, welchen Weg sie gehen sollten. Allein, da es nun nicht anders sein konnte, so begnügten sie sich auf demjenigen fortzuwandeln, der sie hieher gebracht hatte.

Es begegnete ihnen einige Stunden lang so wenig merkwürdiges, dass wir, um den Leser nicht immer mit Erzählung ihrer gespräche zu ermüden, indessen einen kleinen Absprung nach Lirias machen