diesmal nichts helfen. Ich habe eine person aus deiner kammer schleichen gesehen, ich habe sie mit dir reden gehört, und ich will wissen, wer es war.
Gnädiger Herr, antwortete Pedrillo, ich will gleich des Todes sein, wenn ich weiss was ich sagen soll. Wenn ihr was gesehen habt, so verlang ich euch nicht zu widersprechen, ihr seid von den Feen begabt, und seht bei allen Anlässen mehr als unser einer; aber was mich betrifft, wenn ich sagte, dass ich was gesehen hätte, so – müsst es nur im Schlaf gewesen sein. Denn ich schlief die ganze Zeit über, ausser wenn mich, wie gesagt, die Flöhbisse und die Katzenmusik weckte, mehr kann ich nicht sagen, und wenn es mir das Leben gälte.
Nichtswürdiger, rief Don Sylvio, indem er sein furchtbares Schwert entblösste, ich sage dir, dass ich mich mit deinen elenden Ausflüchten nicht abfertigen lassen will; bekenne die reine Wahrheit, oder du bist des Todes.
Ach! mein lieber gnädiger Herr Don Sylvio, schrie Pedrillo, indem er sich ihm zu Füssen warf, um Gottes willen, schonet mein junges Blut; ich will euch ja alles sagen, was ich weiss. Was bewegt euch doch, dass ihr so grausam mit mir umgehen wollt? Ich habe euch schon so viele Jahre gedient, und ihr wisst, dass ich euch durch ein Feuer geloffen wäre, wenn ihrs verlangt hättet. Ich bitte euch, gnädiger Herr, steckt doch diesen abscheulichen Säbel ein, ich will euch ja alles bekennen. Es ist doch entsetzlich, dass ich deswegen sterben soll, weil ich nichts gesehen habe! O heiliger sankt Jago! wenn ich nur diesmal davon komme – In der Tat, gnädiger Herr, wenn schon das Kammermädchen der fräulein Hyacinte bei mir geschlafen hätte, ihr könntet mir es nicht ärger machen.
Ausflüchte! Ausflüchte! rief Don Sylvio; meinst du, ich soll so albern sein, mir einzubilden, die Kammerfrau einer prinzessin werde in drei oder vier Stunden gleich so vertraut mit dir werden, dass sie die Nacht in deiner kammer zubringe? Ich sage dir noch einmal, du hast kein ander Mittel dein Leben zu retten, als wenn du mir die Wahrheit gestehst. Es soll dir kein Leid geschehen, was es auch sein mag; aber ich will die Wahrheit wissen.
Was wollt ihr denn, dass ich sagen soll, gnädiger Herr, antwortete Pedrillo? einmal ich weiss von nichts, als was ich euch schon gestanden habe, und wenn ich mehr sagen soll als ich weiss, so müsst ihr mir es nur vorsprechen.
Antworte die reine Wahrheit auf meine fragen – war niemand bei dir in der kammer?
Zehen tausend Escadronen Flöhe, wie ich Eu. Gnaden sagte, sonst keine Seele, so viel ich weiss.
Wer war denn die person, die ich zu deiner tür hinaus schlüpfen sah, wie ich die meinige öffnete?
Das weiss ich nicht, gnädiger Herr; ich wachte eben auf, und war noch ganz schlaftrunken, wie ihr mir riefet. Wenn ihr was gesehen habt, so müsst ihr ja am besten wissen, was es war.
Es deuchte mich eine weibliche Gestalt zu sein, aber ich konnte nicht erkennen, wer es sein möchte; sie entfloh oder verschwand in dem nämlichen Augenblick, da ich sie gewahr wurde.
Sapperment! gnädiger Herr, so ist es ein Geist gewesen, und das kann auch gar wohl möglich sein. Es sah mir gleich beim Eintritt so gespenstmässig in diesem haus aus; wenn ihr was gesehen habt, und es ist gleich wieder verschwunden, so war es Gott behüt uns! ein Geist, der vielleicht ehemals in dieser kammer ermordet worden ist. Meiner Six, ich wollte nicht eine Grafschaft darum nehmen, dass ich ihn gesehen hätte, ich hätte gleich vor Angst die Seele ausgeblasen, das versichre ich euch.
Pedrillo sagte dieses mit einer so treuherzigen Mine, dass Don Sylvio zu glauben anfing, er könnte ihn unschuldiger weis im Verdacht haben.
Aber hörtest du denn auch niemand, fuhr er fort, wenn du nichts gesehen hast?
Gnädiger Herr, versetzte Pedrillo, man hat, wie ihr wisst, manchmal allerlei Einbildungen, wenn einer des Nachts allein und in einem fremden haus ist. Ich hätte mir nichts daraus gemacht, denn ich erinnere mich noch wohl, wie ihr mich auslachtet, da ich den Riesen sah, dem ihr gestern früh einen Ast abhiebet; aber weil ihr selbst glaubt, dass es nicht gar zu richtig in diesem Wirtshaus sei, so will ich euch bekennen, dass ich ungefähr vor einer halben stunde erwachte, und da war mir nicht anders, als ob ein Sack auf mir läge, dass ich kaum Atem holen konnte; und eine Weile darauf deuchte mich, als ob ich etliche Personen miteinander flüstern hörte; ich hätte sie gerne behorcht, aber es war mir so angst, dass ich mich unter die Decke verkroch, und da schlief ich unvermerkt wieder ein, und da hörte ich weiter nichts. Das ist die reine Wahrheit, und wenn ihrs anders findet, so mögt ihr mich umbringen, oder den Flöhen vorwerfen, die in diesem haus so hungrig sind, wie die Wölfe in den Pyrenäen; ich will mir alles gefallen lassen.
Pedrillo, mein Freund, antwortete ihm Don Sylvio mit einem Ton, der ihm das Leben wieder gab, ich bin zufrieden! aber wenn ich dir sagen werde, wie