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, hörte er eine andere stimme antworten; wenn ichs auch wagen wollte in sein Zimmer zu schleichen, und es während dass er schläft, wegzunehmen, so ist es doch unmöglich, weil er es immer am Halse zu tragen pflegt, er würde erwachen, und dann möchte uns der Himmel gnädig sein – O! Keine Ausflüchten, sagte die weibliche stimme, wahrhaftig, ich hätte nicht geglaubtaber ich sage euch, ich will das Bildnis haben, oder bildet euch nicht ein, dass ich – –

Hier wurde die stimme etwas leiser, oder vielmehr Don Sylvio, der bereits zu viel gehört hatte, konnte nicht so viel Gelassenheit behalten, länger aufzuhorchen. Wie? rief er, und sank vor Bestürzung zitternd auf sein Küssen zurück; ein heimlicher Anschlag wider mich? wider das, was mir teurer als mein Leben ist? O! Radiante, jetzt ist es Zeit, dass du mir deinen Beistand leistest, sonst bin ich verloren.

Don Sylvio rief dieses so laut, dass Pedrillo und die wissensbegierige Teresilla nicht ratsam fanden, ihre Unterredung fortzusetzen; und da sie bald darauf zwei oder dreimal Pedrillo rufen hörten, so hielt die junge Dame für das sicherste sich so behend als nur möglich war aus einem Gemach hinweg zu schleichen, wo sie um die halbe Welt nicht von einer dritten person hätte angetroffen werden mögen. Allein sie konnte doch nicht schnell genug sein, dass Don Sylvio, in dem Augenblick, da er eine kleine Tapeten-Tür, die aus seinem Zimmer in Pedrillo kammer ging, eröffnete, nicht bei dem trüben Schein, den die Morgendämmerung durch ein kleines mit Spennengeweben überhangnes Fenster warf, eine weibliche Gestalt erblickt hätte, die in eben demselben Augenblick aus der andern Tür entschlüpfte. Zum Glück für die Dame Teresilla vermehrte dieser Umstand seine Bestürzung so sehr, dass er lange genug starr und sprachlos an den Boden angefroren stunde, um ihr Zeit zu lassen, sich wieder auf den Zehen in das Zimmer ihres fräulein zu schleichen.

Der subtileste Dialecticus, der sich dermalen in den Umständen des Pedrillo befunden hätte, würde vermutlich sehr verlegen gewesen sein, sich mit einer guten Art aus einer so kützlichen Situation heraus zu wickeln. Alle seine Schlüsse in Festino und Barocco würden ihm nicht halb so gute Dienste geleistet haben, als dem schlauen Pedrillo der blosse Instinct, dessen Eingebung er sich in diesem critischen Augenblick blindlings überliess.

Seid ihrs, gnädiger Herr, rief er, als ob er nur eben aus einem tiefen Schlaf erwache. Was ist euch begegnet, dass ihr schon so früh aufsteht?

Kleide dich unverzüglich an, und folge mir in mein Zimmer, antwortete Don Sylvio mit einem Ton, der den armen Pedrillo vom Wirbel bis zu den Zehen zittern machte, und schloss zu gleicher Zeit die äusserste Tür der kammer zu, welche Teresilla halb offen gelassen hatte.

Ich will in einem Augenblick fertig sein, gnädiger Herr, sagte Pedrillo, wenn ihr mich allein lassen wollt, denn es würde sich doch nicht schicken, dass ich in Eurer Gnaden Gegenwart die Hosen anzöge.

Du kannst anziehen was du willst, antwortete Don Sylvio; mache nur, dass du bald fertig wirst, oder wir sind am längsten gute Freunde gewesen.

Pedrillo, der nun keinen Augenblick zweifelte, dass sein Herr alles gehört haben werde, was zwischen ihm und der Dame Teresilla vorgegangen war, verfluchte von ganzem Herzen das Jahr, den monat, den Tag, die Stunde und den Augenblick, da er diese verderbliche Syrene gesehen hatte; sie kam ihm jetzt so alt, so hässlich, so dürr und unangenehm vor, als er sie vor etlichen Minuten, jung, schön, artig und appetitlich gefunden hatte, und er hätte sich selber gerne mit Füssen getreten, wenn es nur etwas hätte helfen können. Allein da der vorbesagte Instinct ihn versicherte, dass Dreistigkeit und Leugnen das einzige Mittel sei, sich aus diesem schlimmen Handel zu ziehen, so erschien er endlich vor seinem Herrn, mit dem festen Vorsatz, sich eher die Haut über die Ohren abziehen zu lassen, ehe er das geringste eingestehen wollte.

So bald er in das Zimmer getreten war, befahl ihm Don Sylvio die tür zu riegeln, und fing hierauf an mit dem Ernst eines General-Inquisitors folgendes Examen mit ihm vorzunehmen.

Wer war die person, die vorhin in deiner kammer war?

Was für eine person, gnädiger Herr, antwortete Pedrillo, mit einem Ton, als ob er die Frage nicht begreifen könne?

Spitzbube, rief Don Sylvio, das will ich eben wissen, was für eine person es war?

Ich weiss von keiner person, gnädiger Herr, antwortete Pedrillo, ausser euer eignen, die ich sah, wie ihr die tür aufmachtet und mich wecktet; denn ihr werdet doch nicht die Flöhe meinen, von denen ich in der Tat zwei oder dreimal hundert tausend zu Bettgesellen hatte; das verfluchte Gesindel weckte mich alle Augenblicke auf; es war nicht anders, als ob sie Compagnienweise aufzögen, und ich will nicht ehrlich sein, wenn sie nicht einen Lermen machten, dass mir die Ohren davon gellten; nichts von einem halben dutzend Katern zu gedenken, die auf dem Dach, das an meinem Fenster anliegt, der jungen Katze vom haus, wie ich mir einbilde, eine Serenade brachten, und so jämmerlich in die Wette heulten, dass mir jetzt noch alle Rippen im leib davon weh tun.

Still mit dieser unzeitigen Spasshaftigkeit, sagte Don Sylvio, sie wird dir