zu begleiten, und Don Eugenio nahm sein Erbieten desto williger an, da er sehr begierig war, zu wissen, wer der eben so liebenswürdige als sonderbare Unbekannte sein möchte, dem er so unverhoffter Weise sein Leben und seine Geliebte schuldig geworden war. Nach einigen hin und wieder gewechselten Complimenten setzte sich also Don Eugenio zu der jungen Dame in den Wagen, und überliess unserm Ritter sein Reit-Pferd. Pedrillo, der indes über alles was er sah, grosse Augen gemacht hatte, und sich nicht wenig auf die verbindlichen Sachen einbildete, die ihm Don Gabriel und der Kammerdiener von seiner Tapferkeit sagten, liess sich, wiewohl nicht ohne viele Mühe, bereden, seinen Platz neben der Dame Teresilla zu nehmen, einer jungen person von fünf und dreissig Jahren, welche so schön mit Rot und Weiss bemalt war, und die Jugend ihres Gesichts durch die sittsame Entüllung eines nicht unfeinen Halses so geschickt zu bestätigen wusste, dass Pedrillo in kurzer Zeit stark genug davon überzeugt wurde, um im Notfall sein Sylphen-Mädchen dran zu setzen, dass sie erst zwanzig Jahre habe.
Viertes Capitel
Die Gesellschaft langt in einem Wirtshaus an
Weil die Reise ziemlich langsam ging, so war es bei nahe zehen Uhr, wie sie in einem Wirtshaus anlangten, wo sie ausser einer guten Anzahl leerer Gemächer nicht die geringste Bequemlichkeit antrafen.
Es war ein Vorteil für unsere Gesellschaft, dass die Haupt-Personen mehr der Ruhe als des Essens benötigt waren, denn der Wirt hatte für alles, was man verlangte, eine Entschuldigung fertig; das Wildpret war gestern ausgegangen, frisches Fleisch sollte er Morgen bekommen, seine Tauben hätte der Stossvogel geholt, und erst diese Nacht hatte ein kleiner Teufel von einem Marder seinen ganzen Hühnerstall entvölkert, allein bis Morgen Mittag hoffte er so vornehme Gäste besser zu bedienen; denn sein Wirtshaus hatte das Glück, häufig von grossen Herren besucht zu werden, und nur erst vorgestern hatten sie den Grafen von Leiva, und verwichnen Montag die verwittibte Herzogin von Medina-Sidonia mit einem grossen Gefolge von Damen und Cavaliers gehabt.
In diesem Ton würde es noch lange fortgegangen sein, wenn ihm jemand hätte zuhören wollen. Allein da die Dame Teresilla, der Kammerdiener und Pedrillo mit ihren Herrschaften, und diese mit sich selbst zu tun hatten, so musste er sichs gefallen lassen, mitten in dem Mittagessen der Herzogin von Medina-Sidonia, welches er ihren Ohren auftrug, abzubrechen, und zog sich endlich mit vielen Complimenten und Verbeugungen in den Stall zurück, um dafür zu sorgen, dass die Pferde und Maultiere eben so gut bedient werden möchten, als ihre Herren.
Donna Hyacinte, welche sich nicht völlig wohl befand, beurlaubte sich von ihren Beschützern, nachdem sie ihnen, und besonders unserm Helden, für die Grossmut, womit sie ihr Leben für sie gewaget, auf eine sehr einnehmende Art gedankt hatte.
Don Sylvio begleitete den Don Eugenio und seinen Freund in ihr Zimmer, um der Verbindung ihrer Wunden beizuwohnen und bediente sich des Vorwands, dass die Ruhe das beste Heil-Mittel für sie sein werde, um ihnen bald darauf eine gute Nacht zu wünschen.
Diese beide junge Herren, und besonders Don Gabriel hatten sich so viel als der Wohlstand erlaubte, bemühet, ihn zu Entdeckung seines Namens und Standes zu veranlassen, ohne etwas anders als abgebrochene und geheimnisvolle Äusserungen von ihm zu erhalten, wodurch sie in den Gedanken ziemlich bestätiget wurden, dass er eine Art von Abenteurer sein könnte. Auf der andern Seite hingegen wurden sie durch seine Schönheit, das edle Ansehen seiner person, seine Tapferkeit und die Höflichkeit seines Betragens desto stärker zu seinem Vorteil eingenommen, da es leicht zu bemerken war, dass er alle diese Vorzüge der natur allein zu danken hatte. Denn ob er gleich diejenige Art von Höflichkeit besass, die von dem conventionellen Wohlstand unabhängig ist und daher bei allen Nationen dafür erkannt wird, weil sie bloss in dem Ausdruck einer leutseligen Gemütsart und in der Verbindung einer gewissen achtung gegen uns selbst mit derjenigen, die wir andern schuldig sind, besteht: So fehlte es doch seinen Manieren gänzlich an dem Ton, der damals unter derjenigen Art von Leuten, die man die gute Gesellschaft nennt, in den vornehmsten Städten von Spanien herrschte. Eben dieses fiel auch in seiner Kleidung und in seinem Putz in die Augen, und insonderheit machte das grosse Schlachtschwert, das an seiner Seite hing, mit seinem übrigen Ansehen einen so lächerlichen Absatz, dass man nicht wusste, was man davon denken sollte.
Indessen nun, dass die beiden Ritter ihre Neugier auf den folgenden Tag vertrösteten, erfreute sich Don Sylvio seines Orts nicht wenig, dass er glücklich genug gewesen war, einer von den liebenswürdigsten Princessinnen in der Welt, und einem jungen Prinzen oder Ritter, der ihrer vollkommen würdig zu sein schien, Dienste zu leisten; und da er nicht zweifelte, dass sich irgend eine grosse Fee ihres Schicksals annehmen werde, so hoffte er, diese neue Bekanntschaft könnte vielleicht in der Folge einen günstigen Einfluss in seine eigene Angelegenheiten haben. Diese lagen ihm zu nah am Herzen, als dass er sich lange mit andern Betrachtungen hätte beschäftigen können; das Bild seiner geliebten prinzessin, ihre klägliche Verwandlung, die Nachstellungen der Fee Fanferlüsch, kurz, alles was ihm seit einigen Tagen begegnet war, bemächtigte sich also wieder seiner ganzen Einbildungskraft, und nachdem er sich ein paar schlaflose Stunden durch seinen gewöhnlichen Träumereien überlassen, und das Schicksal seiner unglücklichen prinzessin und sein eigenes aufs wehmütigste beklagt hatte,