liessen als ihre eigene. Mit einem Wort, ich lass ihr nichts geschehen, und wenn ihr sie ja in etwas verwandeln wollt, so müsste es in einen Pomeranzen-Baum sein, aber mit der Bedingung, dass ich in eine Biene transferiert werde, und dass ausser mir alle andre Bienen, Hummeln, Wespen, Hornissen, Fliegen und Mücken auf zwei hundert quadrate Cubic-Meilen in die Runde von ihr verbannt sein sollen.
Hei da, Pedrillo, rief Don Sylvio, du bekommst ja ganz poetische Einfälle? was die Liebe nicht tut. Wenn du so fortmachst, so werden wir noch zuletzt ganze Bände voll zärtlicher Elegien und Sonnette von deiner Handarbeit zu sehen bekommen. Aber mein guter Freund, schmeichle dir nicht zu viel; es wäre nicht das erstemal, dass der grüne Zwerg die Gestalt einer schönen jungen Nymphe angenommen hätte; du solltest dich noch wohl erinnern, was mir diesen Morgen begegnet ist, – – das einzige, was mich noch was bessers hoffen heisst, ist dieses, dass sie mir das Bildnis meiner prinzessin gelassen haben.
Gut, Herr, sagte Predillo, wann man recht nachsieht, so werdet ihr das wohl wieder einem gewissen Pedrillo zu danken haben; versichert, sie waren euch schon nahe genug auf dem leib, und wer weisst was hätte geschehen können, wenn ich nicht in zeiten dazu gekommen wäre; in der Tat machte mir die kleine Spitzbübin eine Mine – – wie eine kleine Spitzbübin, und zischelte der andern, was weiss ich was in die Ohren, und wies immer mit dem Finger auf euch; aber wie gesagt, ich verrückte ihnen das Concept ein wenig, wie ich hinter meinem Busch hervor kam. Wahrhaftig, meine gute Damen, Pedrillo ist ein feinerer Kauz als ihr euch einbildet, er schneuzt sich nicht am Ärmel, das könnt ihr versichert sein – –
Gut, gut, sagte Don Sylvio, indem er aufstand, und sich wieder reisfertig machte, für diesmal sind wir noch glücklich genug davon gekommen; aber wir wollen uns nicht länger hier auf halten; der Abend ist überaus anmutig, und wir können noch ein paar Stunden reisen, ehe es Nacht wird. Es wird sich vielleicht in kurzem aufklären, was die Erscheinung, die du gesehen, zu bedeuten hatte.
Pedrillo, der bekannter massen immer das letzte Wort haben musste, nahm von dem unschuldigen Worte Bedeuten Anlass, das Gespräch unvermerkt auf die fruchtbare Materien von Vorbedeutungen, Ahnungen und Anzeichen zu lenken, und regalierte seinen Herrn während dass sie ihren Weg fortsetzten, mit einer sehr umständlichen Erzählung aller Histörchen von dieser Art, die seit undenklichen zeiten den Tanten und Grossmüttern in seiner Freundschaft, vermöge einer ununterbrochenen Tradition von Grossmutter zu Grossmutter, begegnet sein sollten. Er merkte nicht, dass Don Sylvio, der mit ganz andern Betrachtungen beschäftigt war, nicht die geringste Aufmerksamkeit auf seine Erzählung hatte; und wenn er es auch gemerkt hätte, so würde er vielleicht nichts desto weniger fortgemacht haben; denn denken und reden waren bei dem guten Pedrillo einerlei, und wenn er nur ungehindert plaudern durfte, so bekümmerte er sich wenig darum, ob man ihm zuhörte oder nicht; eine Discretion, die ihm mit einem gewissen Poeten von unsrer Bekanntschaft gemein war; der seine Freunde nie besuchte, ohne ein paar starke Hefte von seiner Arbeit bei sich zu haben, die er, so bald er sich gesetzt hatte, vorzulesen anfing; sein Zuhörer hatte inzwischen vollkommene Freiheit, zu gähnen, einzuschlafen, ja, so laut zu schnarchen, als er nur wollte; die Entzükkung unsers Poeten erlaubte ihm nicht, darauf Acht zu geben, und wenn der Zuhörer nach einer Sieste von zwei oder drei Stunden nur früh genug erwachte, um den Schluss des Gedichts zu hören, und den Beifall zu bekräftigen, den der Poet sich selbst gab, so fiel es diesem nur nicht ein, daran zu zweifeln, dass er seinem Freund die angenehmste Zeitkürzung von der Welt gemacht habe.
Drittes Capitel
Worin Don Sylvio seht zu seinem Vorteil erscheint
Unsre Wanderer waren ungefähr eine halbe Stunde fortgegangen, als etliche Pistolen-Schüsse, und zu gleicher Zeit ein ängstliches Geschrei aus dem benachbarten Gebüsch in ihre Ohren drang.
Das ist eine stimme, die um hülfe ruft, sagte Don Sylvio, wir müssen sehen, was es ist.
Pedrillo, der bei Nacht und in den GespensterStunden die feigeste Memme von der Welt war, hatte hingegen Herz wie ein junger Stier aus Andalusien, wenn es darum zu tun war, sich mit Leuten von Fleisch und Blut beim Tagslicht herum zu balgen. Er machte also nicht die geringste Schwierigkeit seinem Herrn zu folgen, und sie waren kaum fünfzig oder sechzig Schritte, dem Getümmel nach, ins Gebüsche hinein gegangen, als ihnen auf einem ziemlich grossen Platz drei junge Männer zu Pferd in die Augen fielen, die mit der äussersten Wut von ihrer sieben angefallen wurden, von denen vier gleichfalls beritten waren. Don Sylvio flog, ohne sich einen Augenblick zu besinnen, den Schwächern zu hülfe, unter denen er einen schönen jungen Ritter erblickte, der sich ganz allein gegen drei von seinen Gegnern mit der Tapferkeit eines echten Spaniers, der für seine Dame ficht, verteidigte. Einen Augenblick später würde sein Beistand zu späte gekommen sein; denn einer von den Gegnern des jungen Ritters war im Begriff einen Streich auf ihn zu führen, der dem Gefecht auf einmal ein Ende gemacht hätte, wenn Don Sylvio sich nicht in eben dem Augenblick dazwischen geworfen, und