denn diese Schwärmerei bestehen?"
Mich deucht, er könnte eine Art von einem jungen Don Quixotte sein, der, nach Pedrillo Ausdruck, auf der Feerei, wie der Ritter von Mancha auf der irrenden Ritterschaft herum zöge. Wär es so etwas unbegreifliches, dass ein junger Mensch von lebhafter Gemüts-Art, der die Welt nie gesehen hat, und in seinem dorf nichts fand, das der Zärtlichkeit seines Geschmacks ein Genügen hätte tun können, durch das Lesen der Romanen und Feen-Märchen auf den wunderlichen Einfall geraten wäre, die Feen und die bezauberten Paläste mit allen ihren Drachen, Zwergen, Popanzen und blauen Centauren für würkliche Dinge zu halten?
"Es wäre eine seltsame Art von Schwärmerei, und doch, deucht mich, ich begreife, dass sie möglich sein könnte. Aber was sollen wir in diesem Fall aus seiner Liebe zu der prinzessin machen, die in einen Sommervogel verwandelt ist?"
Ich wette gleich was man will, gnädige Frau, diese prinzessin ist weder mehr noch weniger als ein hübsches Bauermädchen, das ihm in die Augen gestochen hat; seine bezauberte Phantasie hat sie zuerst zu einer prinzessin erhöht, und endlich mit hülfe eines gelben Zwergs, oder einer bucklichten Magotine in einen Papilion verwandelt, und es wird sonst nichts nötig sein, als dass er eine junge Dame zu sehen bekommt, die seiner lebhaften Einbildungs-Kraft genug tut, so wird seine Geliebte, ohne Zauberstab und Talisman, in einem Augenblick wieder ihre erste Gestalt bekommen, und mit Pedrillo zu reden, zwar nicht in eine prinzessin, aber doch in ein Bauer-Mädchen zurück metaphrasiert werden.
"Ich gestehe dir, Laura, dass meine Neugierigkeit rege gemacht ist, es reuet mich jetzt, dass ich nicht wartete, bis er erwachte."
Weil er nur wenige Meilen von uns wohnt, so wird es nicht schwer sein, Nachrichten einzuziehen, die uns aus dem Wunder helfen können. Und wer weisst, ob die Kobolte, die sich mit seinem Schicksal abgeben, ihn nicht eben so gut nach Lirias führen können, als sie uns heute in dieses Rosengebüsche geführt haben, welches, so wahr ich ein Mädchen bin! der bezauberten Laube einer Feen-Königin so ähnlich sah, als ich in meinem Leben was gesehen habe.
Indem Laura dieses sagte, waren sie in dem inneren Schloss-hof zu Lirias angelangt, wo wir die Freiheit nehmen wollen uns von ihnen zu beurlauben, um zu sehen, was indessen aus dem Helden unsrer geschichte geworden ist, den wir, so angenehm uns auch die Gesellschaft der Donna Felicia sein mag, ohne strafwürdige Nachlässigkeit nicht länger aus den Augen lassen können.
Viertes Buch
Erstes Capitel
Worin der Autor eine tiefe Einsicht in die
Geheimnisse der Ontologie an den Tag legt
Wenn jemals ein Mensch sich in einer seltsamen Verfassung befunden hat, so war es Pedrillo, nachdem er die schönen Geschöpfe, mit denen wir ihn im vorigen Buch zusammen gebracht, aus dem gesicht verloren hatte. Die Verwirrung, die diese Erscheinung in seinem Kopf und in seinem Herzen zurück liess, war so gross, dass uns die blosse Bemühung eine Beschreibung davon zu machen, beinahe in eine eben so grosse Verwirrung setzt. Ob er gewacht oder geträumt habe, ob es Feen oder Sterbliche gewesen, ob sie verschwunden oder davon geflogen seien, das waren fragen, die er sich immer weniger beantworten konnte, je öfter er sie sich machte. Nachsinnen ist in der Tat nicht jedermanns Sache. Pedrillo wenigstens wusste so wenig damit umzugehen, dass er sich endlich in seinen eigenen Gedanken wie in einem Netze gefangen sah, worin er sich immer desto mehr verwickelte, je mehr er sich bemühte los zu kommen; kurz, nachdem er eine gute Viertelstunde lang mit sich selbst gestritten hatte, so hörte er endlich damit auf, dass er in ganzen Ernst an seinem eignen Dasein zu zweifeln anfing.
Unter allen Zweifeln, denen die arme blödsinnige Vernunft des Menschen ausgesetzt ist, wird man vielleicht keinen finden, der sich weniger in die Länge aushalten lässt als dieser; auch war es dem guten Pedrillo nicht anders dabei zu Mute, als ob er mit der Geschwindigkeit einer Trille oder eines Wind-Mühlen-Rads um seine eigene Achse herum getrieben würde.
Vielleicht möchte man denken, wenn er ein Cartesianer gewesen wäre, so hätte er sich durch das berühmte, cogito, ergo sum, gar leicht aus seinem Zweifel heraus helfen können. Allein in den Umständen, worin der arme Knabe war, hätte vielleicht Cartesius selbst sein Latein dabei verloren; denn er dachte wirklich gar nichts, und wenn er in einem solchen zustande ja noch fähig gewesen wäre, einen Syllogismus zu machen, so würde doch der Cartesianische Grundsatz zu nichts anderm gedient haben, als ihn aus den Zweifeln an seinem Dasein in die Gewissheit, dass er nicht sei, zu stürzen, welches in der Tat nicht viel besser gewesen wäre als ex Scylla in Charybdin oder aus dem Regen unter die Traufe zu kommen.
Man muss gestehen, dass der rohe natürliche Mutterwitz, Instinct, Sensus communis, oder wie man es sonst nennen will, (denn über Worte werden wir niemalen keinen Streit anfangen) seinem Besitzer zuweilen weit nützlicher ist als die subtilste Vernunft. Wäre Pedrillo ein Metaphysicus gewesen, so würde er gewiss bei dem Zweifel an seinem Dasein nicht stille gestanden sein; er würde so lange nachgegrübelt, reflectiert, analysiert, abstrahiert, distinguiert und combiniert haben, bis er sich selbst, und vermutlich auch allen