kammer-Mädchen ausserordentlich lange geschwiegen hatte, nicht länger aushalten; sie machte den Anfang mit einer Frage, die wieder eine andre nach sich zog, und so erhub sich nach und nach zwischen ihr und ihrer Gebieterin oder Freundin, (denn sie war in der Tat beides) eine Unterredung, die wir unsern geehrten Lesern von Wort zu Wort mitteilen wollen, wie Pedrillo sie in der Folge aus den corallenen Lippen seiner Nymphe unmittelbar vernommen zu haben, uns selbst versichert hat.
Zwölftes Capitel
Ein weiblicher Dialogus
Sie sind ungewöhnlich tiefsinnig, gnädige Frau.
Tiefsinnig?
Wenn sie es nicht ungnädig nehmen wollen, und bei nahe schwermütig, wenn sich ein so verdriessliches Wort für ein Gesicht schickte, worin selbst der Unmut reizend ist.
"Ich weiss nicht, was du damit sagen willst; mich deucht ich bin so aufgeräumt, als ich es diesen ganzen Tag gewesen bin."
Nicht ganz so aufgeräumt, gnädige Frau.
"Warum sollt ichs denn nicht sein, wenn man fragen darf?" Das weiss ich nicht; aber mich deucht, ich hörte eben jetzt einen kleinen Seufzer – –
"Einen Seufzer?"
Ja, aber nur einen kleinen, so eine Art von Seufzern, wie ein Mädchen von vierzehn Jahren seufzt, wenn sich ein hübscher junger Liebhaber um ihre ältere Schwester bewirbt.
"Du hast unverschämte Gleichnisse, Mädchen; du verwandelst einen armen unschuldigen Atemzug in einen Seufzer, um einen Einfall anzubringen, auf den du dich seit einer ganzen Viertelstunde besonnen hast."
Ich danke ihr Gnaden für das Compliment, das sie meinem Witz machen; aber weil sie weder tiefsinnig aussehen noch geseufzt haben wollen, ob sich gleich noch manches dagegen einwenden liesse, so wollen wir von etwas anderm reden, wenn es Ihnen beliebt.
"Ich bin diesen Abend nicht sehr zum Plaudern aufgelegt."
Es war ein recht angenehmer Ort, wo ihr Gnaden diese Rosen brachen, welche, die Wahrheit zu sagen, (denn ich bin kein Poet) bereits an Ihrem Busen zu verwelken anfangen – es war ein recht angenehmer Ort!
"Das war es."
Ein recht poetischer Ort, in der Tat, und ich hoffe, es hat Ihre Gnaden nicht gereut, dass Sie da abgestiegen sind – ungeachtet des kleinen Endymions, den wir da schlafend gefunden haben. Gestehen sie, gnädige Frau, dass man in Valencia nichts so schönes sieht.
"Du sprichst mit einer Lebhaftigkeit von ihm, die mich bei nahe glauben macht, dass du verliebt seist."
Vielleicht könnten Ih. Gnaden das eher von mir glauben, wenn ich nichts von ihm sagte.
"Ich verstehe dich; du magst dir aber einbilden, was du willst, so kann ich doch nicht sagen, dass er mir so übernatürlich schön vorgekommen sei, als du ihn machst."
Übernatürlich schön? das wollt ich eben nicht sagen, denn ich verstehe mich nicht viel auf übernatürliche Sachen; aber das werden sie doch zugeben, dass er weit schöner ist als Don Alexis, der doch in Valencia eine so wichtige person vorstellt, dass die Damen nicht warten können, bis er sich ihnen anträgt, und dass, (Donna Felicia von Cardena ausgenommen,) keine ist, die nicht dafür angesehen sein wollte, ihn wenigstens ein paar Tage gehabt zu haben.
"Schöner als Don Alexis, sagt nicht so viel als du meinst; ich habe ihn nie für etwas anders gehalten als für einen abgeschmackten kleinen Gecken, dessen grösstes Verdienst ist, dass er weiche hände und weisse Zähne hat, und dass er uns, mit aller nur möglichen Einbildung von sich selbst, eine ungeheure Menge plattes Zeug vorzuschnarren weisst."
Auch weiss ich selbst nicht, warum mir gerade dieser Don Alexis in den Sinn kam; denn in der Tat, ich habe nie begreifen können, was unsre Damen an ihm sahen. Er mag sich in Acht nehmen; wenn unser Don Sylvio in Valencia auftreten sollte, so wird ihm nicht einmal so viel Verdienst übrig bleiben, als er braucht, um ein armes zärtliches kammer-Mädchen Herz zu verführen.
"Ich weiss nicht, mit was für Augen du diesen Don Sylvio, wie du ihn nennst, angesehen haben musst; ich gesteh es, er kam mir liebenswürdig vor, aber so sehr schöne als du sagst – –"
Ihre Gnaden haben das rechte Wort gebraucht, liebenswürdig, das ist das Wort, das wollt ich eben sagen; denn in der Tat, was seine Schönheit betrifft, daran liess sich vielleicht manches aussetzen. Blondes Haar – –
"Castanien-braun, willt du sagen – –"
Nun ja, Castanien-braun, aber weil er eine so überaus feine Farbe hat, eine Frauenzimmermässige Farbe, möchte man sagen, so würde blondes Haar, deucht mich – –
"Und mich deucht, die natur habe das besser gewusst als du; sein Haar steht wirklich ungemein gut zu seiner Gesichts-Farbe."
Aber ich denke, er sollte doch mehr männliches in seinem Gesicht haben; Ich stehe Ihnen davor, wenn man ihn in ein Mädchen verkleidete, Donna Leonora von Zuniga selbst, die gewiss eine Kennerin von Mannspersonen ist, würde betrogen werden.
"Gut, er ist kein Hercules, das ist ausgemacht; aber ungeachtet der vollkommenen Feinheit und Regelmässigkeit seiner Züge, finde ich doch, dass er etwas grosses und heroisches in seiner Bildung hat, das du notwendig bemerkt haben solltest, da du ihn, wie es scheint,