keinen Augenblick länger zweifelten, dass es mit diesen Leutchen nicht richtig stehen müsse. Hier ist ja noch mehr als Don Quixotte, sagte die Zofe zu ihrer Gebieterin; wenn der Herrin einen Schmetterling verliebt ist, und der Diener auf Marquisate Staat macht, so können wir noch Freude an ihnen erleben – Aber, guter Freund, ihr sagtet uns von einem Schmetterling, in den euer Herr verliebt sei, und den er in eine prinzessin verwandeln soll? Ihr wolltet vermutlich sagen, dass er in eine prinzessin verliebt sei, die von einem Zauberer in einen Schmetterling verwandelt worden?
Getroffen! rief Pedrillo, das ist eben die Sache, und jetzt soll sie wieder in eine prinzessin parafrasiert werden. Aber wenn ich euch die Wahrheit sagen soll, so deucht mich, unter uns, die Fee Rademante, die meinem gnädigen Herrn ihre Production versprochen hat, lässt sich die Sache nicht so angelegen sein als sie wohl könnte, und ich besorge eben immer, es möchte am Ende noch auf ein La mi hinaus gehen – –
Was ist denn das für eine Fee, fragt die Zofe; Rademante, sagt ihr? – –
O! sie mag heissen wie sie will, unterbrach sie die andre Dame mit einer Mine, die in einem minder anmutigen Gesicht verdriesslich ausgesehen hätte; wir haben keine Zeit uns um Feen und Schmetterlinge zu bekümmern, es wird Nacht sein, ehe wir zu Lirias sind; was wird mein Bruder von unserm Aussenbleiben denken?
Mit diesen Worten entfernte sie sich, nachdem sie noch einen blick auf den schönen Schläfer geworfen hatte; einen blick, der sich, wenn sie allein gewesen wäre, vielleicht in einen Kuss verwandelt hätte; wenigstens war dieses eine von den Anmerkungen, welche die schlaue Laura ganz in der Stille bei sich selbst machte.
Pedrillo hielt es für seine Schuldigkeit, diese schönen Damen bis an den Weg zu begleiten, wo sie ihre Maultiere unter der Aufsicht der zwei Edelknaben gelassen hatten; allein, die Wahrheit zu sagen, sein Herz hatte mehr Anteil an diesem Umstand als seine Höflichkeit. Die kleine Laura hatte in wenigen Augenblicken eine Veränderung in ihm gewürkt, woran die gute Dame Beatrix schon etliche Jahre mit wenig Erfolg gearbeitet hatte; Kurz, er war so verliebt, als es jemals ein Pedrillo gewesen ist. Es deuchte ihn, er hätte seiner schönen Unbekannten noch wer weisst wieviel zu sagen, aber das Herz war ihm so voll, dass er kein Wort heraus bringen konnte, und sie waren schon eine gute Weile unsichtbar geworden, da er noch immer wie an den Boden gefesselt stand, und mit unverwandtem blick nach der Gegend hinsah, wo er sie aus den Augen verloren hatte.
Zehendes Capitel
Wer die Dame gewesen, welche Pedrillo für eine Fee
angesehen
Pedrillo, den wir von nun an, oder eigentlicher zu reden, von dem Augenblick an, da ihn die reizende Laura zum erstenmal angelächelt hatte, als einen Menschen betrachten müssen, von dem ohne Unbilligkeit nicht gefordert werden kann, dass er diejenige Gegenwart des Geistes zeigen soll, wodurch einer, der bei sich selbst ist, sich zu unterscheiden pflegt; Pedrillo, sage ich, hatte die beiden Damen, die ihm in dem vorigen Capitel erschienen, schon eine geraume Zeit aus dem Gesicht verloren, ehe es ihm einfiel, dass er nicht übel getan hätte, sich zu erkundigen, wie sie hiessen, oder wo man sie erfragen könnte.
Weil es aber eben so wenig billig wäre, wenn unsre Leser, die vermutlich nicht verliebt sind, diese Zerstreuung des verliebten Pedrillo entgelten müssten; So halten wir uns verbunden, die Neugier zu befriedigen, die wir uns schmeicheln in ihnen erregt zu haben, indem wir ihnen, ohne die geheimnisvolle Zurückhaltung, womit die Romanen-Dichter uns zuweilen etliche Capitel lang im Zweifel lassen, wer diese oder jene person sei, mit der sie uns in irgend einem Wirtshaus oder auf der Landgutsche zusammen gebracht haben, jedoch in grösstem Vertrauen, (denn in der Tat darf Don Sylvio noch nichts davon wissen,) entdecken wollen, wer diese Damen wären, und durch was für einen Zufall sie an den Ort gekommen, wo sie, zum Unglück für die Ruhe ihres Herzens, den schönen Sylvio schlafend und seinen getreuen Achates wachend angetroffen.
Diejenige, welche Pedrillo ihrer Gestalt und ihrer Juwelen wegen für eine Fee angesehen hatte, nannte sich Donna Felicia von Cardena, und befand sich in einem Alter von achtzehn Jahren, die Witwe von Don Miguel von Cardena, der die Discretion gehabt hatte, ungefähr zwei Jahre nach ihrer Vermählung im siebenzigsten seines Alters zu sterben, und sie als Erbin der unermesslichen Reichtümer zu hinterlassen, mit deren Erwerbung er beinahe sein ganzes Leben in Mexico zugebracht hatte.
Sie wohnten seit ihrer Vermählung zu Valencia, einer Stadt, die ihrer Schönheit und angenehmen Lage wegen von den Spaniern Vorzugsweise die Schöne genannt wird. Allein so bald Donna Felicia durch den Tod ihres Alten Meisterin von sich selbst wurde, entschloss sie sich, aufs Land zu ziehen, wo sie einem gewissen romanhaften Schwung ihrer Phantasie und ihres Herzens sich ungehinderter überlassen konnte.
Die Poeten hatten bei ihr ungefähr die nämliche Würkung getan, wie die Feen-Märchen bei unserm Helden. Wenn dieser seine Einbildungs-Kraft von Verwandlungen, Zaubereien, Princessinnen, Popanzen und Zwergen voll hatte, so war die ihrige mit poetischen Gemälden, arcadischen Schäfereien und zärtlichen Liebesbegegnissen angefüllt; und sie hatte sich den frostigen Armen eines so unpoetischen Liebhabers als ein Ehmann von siebenzig Jahren