1772_Wieland_108_49.txt

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Aber wer kann er dann sein? Ich kenne in unsrer ganzen Gegend – –

Das glaube ich wohl, unterbrach sie die andre; es ist kaum drei Wochen, dass Eu. Gnaden in dieser Gegend sich aufhalten, und ihre Antipatie gegen die gewöhnliche Land-adeliche Figuren hat ihnen noch nicht erlaubt, Bekanntschaften zu machen; sie haben ja ausser dem Licentiat Don Gabriel, den sie schon zu Valencia kannten, und ihrem Bruder, mit keiner Seele Umgang gehabt, als mit den Nachtigallen in ihrem Park, und den Lämmern auf ihrer Schäferei? – –

Rede nicht so laut, sagte die andre, ich besorge alle Augenblicke, dass er aufwachen möchte; ich wollte um alles in der Welt nicht, dass er uns säheAber sage mir einmal, Laura, begreifst du, was einen jungen Menschen, der dem Ansehen nach von stand zu sein scheint, so allein hieher gebracht haben kann? Er ist nicht so allein, als ihr denkt, meine schöne Damen, rief Pedrillo, der sich nimmer länger halten konnte, da er merkte, dass die Fee eine gnädige Frau, und die Nymphe eine Art von Kammermädchen war.

Der kleine Schrecken, den diese stimme unsern Schönen machte, weil sie nicht gleich sahen, woher sie kam, verschwand augenblicklich, wie sie den Pedrillo ansichtig wurden, der, ungeachtet seines nicht sehr schimmernden Aufzugs, ein junger Pursche von einer glücklichen Physionomie und von einer Figur war, die einem sprödern Mädchen als die schöne Laura zu sein schien, hätte Anfechtungen machen können.

Ich sehe wohl, fuhr er fort, dass ihr gerne wissen möchtet, was für eine Gattung von Vögeln mein junger Herr ist, den ihr hier schlafend angetroffen habt. Wenn ihr mir versprecht, dass ihr es bei euch behalten wollt, denn es ist uns viel daran gelegen, dass eine gewisse alte Tante, die wir haben, nichts davon erfahre, wo wir hingekommen sind, es steckt ein Geheimnis darunter, versteht ihr mich? Aber ich denke, so hübschen jungen Damen kann ich es wohl sagen, denn ihr seht mir, beim Velten! weder Nichten noch Basen von der Fee Fanferlüsch gleich – –

Erklärt euch ein wenig deutlicher, mein Freund, sagte Laura mit einem blick, den Pedrillo nicht auf die Erde fallen liess, aber macht es kurz, wir möchten sonst euren Herrn vom Schlaf erwecken – –

O! darüber macht euch keine Sorgen, antwortete Pedrillo; Er hat die ganze verwichene Nacht kein Auge zugetan, und wenn er einmal ins Schlafen kommt, so könnte der Himmel einfallen, ehe er aufwachen würde. Er ist vor Mattigkeit eingeschlafen, denn wir haben seit gestern Nachts um zwölf Uhr wenigstens vier und zwanzig Meilen gemacht.

Vier und zwanzig Meilen; und zu Fuss, wie es scheint? sagte Laura, als ob sie sich sehr verwunderte.

Es geht gar schnell, meine schöne Jungfer, wenn man auf der Feerei reist, antwortete Pedrillo, man kommt da aus dem land, man weisst selbst nicht wie, und ihr habt oft ein paar tausend Meilen gemacht, wenn ihr geschworen hättet, dass ihr nicht vom Fleck gekommen wäret.

Das gesteh ich! sagte Laura; aber was nennt ihr denn auf der Feerei reisen, wenn man fragen darf?

Sapperment! gnädiges fräulein, erwiderte Pedrillo, das ist eine Frage, die sich nicht in einem Augenblick beantworten lässt. Aber um es kurz und gut zu geben, so suchen wir, unter uns gesagt, eine prinzessin, oder eigentlich zu reden, einen Schmetterling, in den mein Herr verliebt ist; und wenn wir ihn gefunden haben, so soll ihn mein Herr in eine prinzessin verwandeln, und heuraten, das ist das Ganze, seht ihr; aber ich bitte euch, haltet reinen Mund; wir müssen uns vor gewissen Zwergen in Acht nehmen, die einen Anspruch auf unsre prinzessin machen, und uns, wenn sie von unserm Vorhaben Wind bekämen, den ganzen Spass verderben könnten.

Was halten Eu. Gnaden von unserm Fund? sagte Laura seitwärts zu der schönen Dame; haben sie in ihrem Leben jemals so reden gehört? Man könnte sichs ja nicht närrischer träumen lassen – –

Aber wer ist denn dein Herr, fragte die Dame?

O! was das anbetrifft, antwortete Pedrillo, er ist der beste, freundlichste, freigebigste, guterzigste, gelehrteste und tapferste junge Edelmann in ganz Spanien, das könnt ihr mir glauben; ich muss es doch wohl wissen, weil wir miteinander aufgewachsen sind; er ist mein MilchbruderGut, gut, fiel ihm die Dame ein, ich frage bloss nach seinem Namen, wie heisst er?

Don Sylvio von Rosalva, heisst er, sprach Pedrillo, sein Schloss ist nur drei kleine Stunden von Xelva, herwärts. Don Sylvio, wie gesagt; sein Vater hiess Don Pedro von Rosalva, er war mein Taufpate, gnädiges fräulein, und deswegen wurde ich Pedro getauft; aber wie ich klein war, nannten sie mich Pedrillo, und nun heiss ich eben noch Pedrillo und werde wohl Pedrillo sein und bleiben, so lang es Gott gefällt; es wäre dann, dass mein gnädiger Herr seine prinzessin bald fände, denn da wollt ich keinem davor gut sein, dass ich nicht ein Marquisat, oder eine von den Grafschaften davon tragen könnte, die sie meinem Herrn zum Brautschatz mitbringen wird.

Pedrillo sagte alles dieses mit solchem Ernst und mit einer so aufrichtigen Mine, dass unsre Schönen