! Ihr wollt sagen, sie werde mir Hörner aufsetzen – –
Ich will eben nicht sagen Hörner, aber doch so was – so was das die Stirne jucken macht, so – eine Art von Sprossen. Kurz und gut, wenn du ein eigenes Haus kriegst, so lass auf mein Wort die Türen so hoch machen als du kannst; in dergleichen Umständen kann man nie zu vorsichtig sein. Aber ich verderbe hier meine Zeit; ich denke, ihr habt für euer Geld so viel gehört, dass ihr zufrieden sein könnt; ich habe Geschäfte. Lebt wohl, meine Kinder, bis wir uns wieder sehen.
Mit diesen Worten ging die Zigeunerin ihres Weges, und liess den guten Pedrillo in keiner geringen Verlegenheit, was er von ihr denken sollte. Zum Henker, rief er, indem er nach seinem Herrn lief, der sich in grossem Unmut unter einen Baum geworfen hatte, wenn diese alte bucklichte Hexe keine Fee ist, wie ihr sagtet, so redt der böse Feind leibhaftig aus ihr. Das ist einmal gewiss, dass es mit ihrer Wahrsagerei nicht natürlich zugeht. Wie konnte sie wissen, dass ihr in eine prinzessin verliebt seid, und dass die prinzessin ein Papilion ist? Und hat sie mir nicht die Frau Beatrix so natürlich beschrieben, als ob sie sie selbst gemacht hätte? Und doch ist gewiss, dass sie uns heute zum erstenmal gesehen hat. Was sagt ihr hierzu, gnädiger Herr? Ich für meine person gestehe euch, dass ich mich eher zum Gimpel sinnen würde, eh ich aus allem diesem verfluchten Zeug klug werden könnte.
Don Sylvio, der in tiefen Gedanken da gelegen war, und auf die Reden seines Reisegefährten keine Acht gegeben hatte, wachte jetzt auf einmal auf. Höre, Pedrillo, sagte er, ich will dir meine Gedanken von dieser Begebenheit sagen, und ich bin gewiss, dass ich mich nicht betrüge. Aber, wo ist die Zigeunerin hingekommen.
Verschwunden ist sie, gnädiger Herr, ich weiss selbst nicht wie? ich guckte nur einen Augenblick auf die Seite, und wie ich wieder herüber sah, da war sie weg.
Ich gestehe dir, Pedrillo, fuhr Don Sylvio fort, dass ich nicht gleich im stand war mich zu fassen, da sie mir die Untreue der prinzessin anzukündigen schien; anfangs nicht, denn du hattest es ihr aus Unbedachtsamkeit auf die Zunge geleget; aber der Umstand, dass es ein Papilion sei, dem ich aufgeopfert werde, war eine zu starke Bestätigung meiner vorigen Besorgnisse, als dass ich hätte gelassen bleiben können. Allein seit dem ich allem dem, was sie sagte (denn ich erinnere mich noch an jedes Wort) und dem Ton und der Mine, womit sie es sagte, besser nachgedacht habe; bin ich überzeugt, dass der verstellte Salamander, die Sylphide, mit der ich diesen Morgen reiste, und diese Zigeunerin eine und eben dieselbe person ist, und dass alle diese Erscheinungen nichts als boshafte Kunstgriffe sind, wodurch meine Feinde mich von der Vollendung meines Vorhabens abzuschrecken suchen. Mit einem Wort, ich zweifle keinen Augenblick daran, dass diese Zigeunerin nichts geringers als die Fee Carabosse selbst war. So viel ist gewiss, dass sie vollkommen die Gestalt hatte; welche die geschichte dieser Fee beilegt; denn sie war klein, bucklicht, schielend, triefaugicht und ganz schwarzgelb im Gesicht. Dem sei wie ihm wolle, ich bin fest entschlossen, mich durch alle diese Kunstgriffe nicht irre machen zu lassen. Nein, meine teure prinzessin, fuhr er mit erhöhtem Ton der stimme fort, indem er ihr Bildnis ansah, und an seinen Mund drückte, nichts ist vermögend, die reine und unsterbliche Flammen zu erstikken, die deine göttliche Schönheit in meiner Brust entzündet hat! Auch kaltsinnig, auch unbeständig, auch ungetreu würde ich dich nicht weniger lieben. Aber verflucht sei der Gedanke, der dich mir ungetreu vorstellen will, nachdem die gütige Fee, die uns beschützt, mich deiner Zärtlichkeit versichert hat! Ach! vielleicht liegst du in diesem Augenblick, fern von mir, in einer Einöde, wohin dein Schmerz oder das Verhängnis dich getrieben hat, im Schosse einer aufblühenden Rose verborgen, und betauest ihre duftende Brust mit deinen Tränen, und jammerst, dass ich dich verlassen habe! – Himmel! ich sollte dich verlassen können? Nein, du süsse Beherrscherin meiner Seele, der Tod selbst, in der furchtbarsten Gestalt, die ihm die Grausamkeit unserer Feinde geben kann, soll nicht verhindern, dass mein Schatten, von seiner unsterblichen Liebe beseelt, dich überall suche, dir überall nachfolge, und, die Götter um ihre Sphären nicht beneidend, in deiner Brust sein besseres Elysium suche.
Don Sylvio brachte diese patetische Rede mit so vieler Lebhaftigkeit, mit einem so zärtlichen Ton der stimme und mit so rührenden Bewegungen vor, dass dem armen Pedrillo, der mit offnem Maul und Augen zuhörte, die Tränen über die Backen herab rollten, ohne dass er wusste wie ihm geschah.
Bei meiner Treu, Herr Don Sylvio; rief er aus, und wischte sich die Augen mit der Hand, ihr habt eine ausserordentliche Gabe einen weichherzig zu machen. Wie macht ihrs doch, dass euch alle diese schöne Sachen einfallen, die ihr da sagtet? Pestilenz! wenn ihr ein Pfarrer wäret, und auf der Canzel so predigen würdet, das setzte Zähren ab! Meiner Six! es gäbe ein Gewässer, dass man mit Nachen in der Kirche fahren müsste. Ich wollte was drum