1772_Wieland_108_42.txt

, beim Velten! Ein redender Schmetterling! ich möchte nur einen einzigen haben, der reden könnte; ich versichere euch, ich wollte in vier Wochen so viel Geld mit ihm gewinnen, dass ich den König fragen könnte, ob ihm Valencia feil sei. Aber nun merk ich endlich, warum Eu. Gnaden nicht recht wohl bei der Sache ist. Ihr habt, wahrhaftig, so unrecht nicht; ein Papilion, der reden kann, der eine Sylphe ist, der eh man sichs versieht, sich in einen schönen krauslockichten Buben verwandelt, potz Wetter! das ist kein Spass nicht! Es ist doch immer eine Möglichkeit, dass die prinzessin in Bekanntschaft mit einem von diesen kleinen bunten Teufelchen kommen könnte; und dann setzten sie sich miteinander auf einen Strauch, und schwatzen eins so lange der Tag wäre; und dann gibt eine Rede die andre, sagte das Bauer-Mädchen, und dann rückt man unvermerkt immer näher und näher zusammen, und dannversteht ihr mich, ich will nicht sagen, was weiter geschehen könnte. Aber wir sind alle Menschen, und es käme nur darauf an, dass das arme Ding einen Augenblick vergässe, dass sie eure Liebste ist, so würden wir ein schönes Spiel sehen. – –

Wenn ich nicht wisste, rief Don Sylvio entrüstet, dass du selbst nicht weisst, was du plauderst, so solltest du mir die tolle Frechheit, womit du dich erkühnest, die Tugend meiner unvergleichlichen prinzessin anzuschmitzen, mit jedem Tropfen deines dummen Ochsen-Bluts bezahlen. – –

Ich bitte Euer Gnaden tausendmal um Vergebung, sagte Pedrillo, indem er etliche Schritte zurück sprang; ich will gehangen sein, wenn ich es so bös gemeint habe, als ihr mir es aufnehmt; ihr erzürnt euch ja gleich, wenn ich nur ein Wörtchen sage. Man kann doch einen Pelz nicht waschen, ohne ihn nass zu machen, Sapperment! Entweder seid ihr eifersüchtig oder nicht; seids ihrs, so müsst ihr doch eine ursache dazu haben, und wenn ihr keine ursache habt, je! zum Geier, was macht ihr mit der Eifersucht?

Wenn ich eifersüchtig bin, wie du es nennst, versetzte Don Sylvio, so bin ich es bloss über ihr Herz, nicht als ob ich besorgte, dass sie fähig wäre einen Schritt zu tun, der ihre Tugend verdächtig machen könnte; sie ist für mich bestimmt, dafür hab ich das Wort der Fee Radiante, und die prinzessin weisst es, dass sie die meinige werden soll; ich bin also ihrer person gewiss, und ich würde mich selbst verachten, wenn nur der Schatten eines Argwohns gegen ihre Ehre in meine Seele kommen könnte; unsere person ist allezeit in unserer Gewalt, aber unsere Empfindungen sind es nicht; ein andrer könnte ihr Herz besitzen, indem ich nichts als der Besitzer ihrer Schönheit wäre. – –

Ich will nicht ehrlich sein, Herr Don Sylvio, fiel ihm Pedrillo ein, wenn ich verstehe, was ihr da sagt, was wollt ihr denn mit eurem Herzen, und mit eurer person und mit euren Empfindungen sagen? Je, beim Element! wenn ich die person habe, so habe ich ihr Herz, und wenn ich das Herz habe, so habe ich die person, das geht ja nie ohne einander. Seht ihr, Herr, ich verstehe mich nichts auf eure Distillationen, aber ich sage so viel, wenn ich eine Frau hätte, die mich nicht von Herzen lieb hätte, so würde mir die Stirne verzweifelt jucken, wenn sie gleich die Tugend selbst wäre; wer einmal das Herz eines Weibsbilds hat, seht ihr, – Sachte! was war das für ein Geräusch? Hörtet ihr nichts, Herr?

Nein; was hörtest du denn?

Es war ein Geräusch; dort von jener Seite her, aus dem Gebüsche. – –

Es ist vielleicht ein Vogel gewesen. – –

Der Himmel gebe nur, dass es kein Raubvogel sei, gnädiger Herrjetzt ist es wieder ganz stille, und, was wollt ich sagen? Wir redeten von eurer Eifersucht; ja, und da sagt iches rauscht schon wiederheiliger Schutzengel; was kommt da? Gott sei bei uns, Herr, eine Zwergin! eine Unholdin!

Stille, du feige Memme, lispelte ihm Don Sylvio zu, der jetzt sah, was den guten Pedrillo in einen so grossen Schrecken setzte; es ist, wie ich sehe, eine Fee. – –

Eine Fee, sagt ihr? Ja von den Feen, die auf der Gabel zum Schornstein hinaus fahrenMeiner Treu! Sie sieht einer Hexe ähnlicher als eine Taube ihrem Tauber – –

Halt ein mit dergleichen Reden, Pedrillo; es ist möglich, dass es eine von meinen guten Freundinnen ist! die schönsten Feen pflegen zuweilen in Gestalt hässlicher alter Weiber zu erscheinen, um zu sehen, wie man ihnen in dieser Gestalt begegnet. – –

Ha! nun sehe ich erst was es ist, rief Pedrillo, ha, ha, hi! Eine Zigeunerin ist es, Herr, seht sie nur recht an, es ist eine Zigeunerin, das ist keine Frage. Sie kommt eben recht, sie soll uns unser gutes Glück sagen. – –

Nimm dich in acht, Pedrillo, sagte Don Sylvio leise zu ihm, es ist eine Fee, sag ich dir; wenigstens ist es doch möglich, dass es eine ist, und in solchen Sachen ist immer besser, man gehe den