Insel der Papilions, sagt ihr? das ist ja so viel, als wenn einer sagte, die Insel der Sommervögel? – –
Gewisser massen, antwortete Don Sylvio. Du musst also wissen, dass diese Papilions eine Art von geflügelten Genien sind, an Gestalt und Schönheit den Liebesgöttern oder kleinen Sylphen ähnlich, und von ungemein verliebter natur, aber so flüchtig und unbeständig, dass sie immer von einem Gegenstand zum andern flattern. Kaum hat ein solcher Papilion einer Schönen eine ewige Treue geschworen, so eilt er schon, um einer andern zu sagen, dass er noch nichts geliebt habe als sie; Kurz, der nämliche Tag, ja oft die nämliche Stunde sieht ihre Flammen entglimmen, brennen und erlöschen, und ihre Liebe ist nicht so bald glücklich, so ist sie nicht mehr.
Das ist mir eine närrische Art zu lieben! Sie können also reden diese Papilions?
Ich sage dir ja, dass es keine gemeine Papilions, sondern eine Art von Sylphen sind, welche nach dem Bericht eines gewissen Arabischen Naturkündigers aus der verstohlenen Liebe einer gewissen Sylphide zu einem jungen Faunen, entsprungen sein sollen. Die überirdische Schönheit, die immerwährende Jugend und die eterische Behendigkeit, womit sie begabt sind, haben sie von mütterlicher Seite her, so wie sie von der väterlichen ihre Art zu lieben, ihre Verwegenheit und ihren Unbestand geerbt haben. – –
Ha, ha! Nun besinn ich mich, rief Pedrillo, gut, gut! Nun weiss ich, wovon ihr redet. Ich habe ja in dem grossen Gemälde, das in der gnädigen Frauen ihrem Cabinet hängt, dergleichen geflügelte Bübchen wer weisst wie oft gesehen! ihr kennt es ja, es stellt die Liebe des Florus und der Zephira – –
Umgekehrt, Herr Pedrillo, du willst sagen, des Zephyrus und der Flora – –
Ja, ja, so wollt ichs eben sagen, des Florus und der schönen Zephira vor: sie ist in der Tat schön, meiner Six; Ich hatte nie das Herz, es recht anzuschauen; denn unser Vicarius sagt, es sei Sünde, wenn man so was anschaue – Aber ich weiss doch wohl, was ich weiss; der hat gut sagen, der allein reden darf; unter uns, gnädiger Herr, der gute Herr Vicarius ist eben auch nicht von Stahl und Eisen, er täte vielleicht nicht übel, wenn er sich selber ein wenig bei der Nase nehmen wollte. Solltet ihr wohl erraten, bei wem ich ihn neulich von ungefähr (denn gewiss! mit Willen geschah es nicht,) antraf? beider dicken Maritorne! Sapperment, Herr, er betete das Pater noster nicht mit ihr, das könnt ihr mir glauben; ich mag nicht reden, wenn es weiter käme, so könnte sich einer die Zunge verbrennen, dass einer lieber wünschte, er hätte keine Augen gehabt; ich will nur so viel sagen, gnädiger Herr, ihr dürft mir gewiss glauben, dass es wahr ist, aber das sag ich, ich gesteh euch kein Wort ein, wenn es weiter käme, nein, hol mich Gott! nicht auf der Folter! Meiner Six, es ist nicht gut, wenn man von solchen Herren zuviel weisst, ihr versteht mich wohl – –
Aber was hast du denn gesehen, fragte Don Sylvio?
O! Sapperment, gnädiger Herr, antwortete Pedrillo, verzeiht mir, ich schäme michs zu sagen; seht ihr, weil es Maritorne war, so war es auch gar zu arg. Ja wenn es noch Frau Beatrix gewesen wäre. – –
Genug hievon, sagte Don Sylvio errötend, ich will nichts weiter wissen – Aber was wolltest du von dem Gemälde sagen?
Ja, von dem Gemälde, wenn ich michs jetzt noch besinnen kann – he! Nun fällt mir es ein, ich sagte euch, und ich will nicht ehrlich sein, wenn es nicht wahr ist, ich getraute mir nie, dass ichs recht angesehen hätte; es ist so vorgestellt, als ob sie bade, und da könnt ihr leicht denken, weil sie halter meint, dass sie allein sei, und es mitten im Sommer ist, kurz und gut, sie hat, mit Gunst zu sagen, keinen Fetzen am leib, nicht einmal eine Bad-Ehre; und da ist ihr Liebhaber, der Florus, auf einer Wolke vorgestellt, und sieht so ernstlich auf sie herab, als ob er sie mit den Augen verschlingen wolle, und da flattern eine ganze Menge von diesen kleinen Bübchen mit Schmetterlings-Flügeln um ihn her; und werfen einander mit Rosen. – –
Gut, gut, sagte Don Sylvio, du musst aber wissen, dass diese Papilions durch die Gewalt einer Bezauberung, welche Amor, dessen Unwillen sie sich zugezogen, auf sie legte, ihre Gestalt verlieren, so bald sie sich über die Insel erheben, wo sie geboren werden. Kurz, sie werden Schmetterlinge, oder scheinen es doch zu sein, da ihnen von ihrer eigentümlichen Gestalt nichts als die Flügel übrig bleiben. In dieser Gestalt mischen sie sich unter die wahren Schmetterlinge, und bedienen sich ohne Scheu der Vorrechte, die eine Vestalin selbst sich kein Bedenken macht, diesen kleinen unschuldigen Tierchen zu lassen; und ihre unwiderstehliche Neigung zu liebes-Streichen hat sie selbst in dieser Gestalt schon öfters gefährlicher gemacht als man denken sollte. Denn da sie reden können – –
Reden? Fiel ihm Pedrillo ein, je das muss ja überaus schnakisch heraus kommen, wenn es wahr ist