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Schlüssel fand, den sie immer an ihrem Gürtel zu tragen pflegt; da nahm ich die Schlüssel, und schlich so sachte davon wie die Katze aus dem Taubenschlag. Nun wisst ihr das ganze Geheimnis, denn wie ich einmal die Schlüssel hatte, so war die Pastete mein. Sapperment; ich sackte ein, dass es eine Lust war, und damit ihr seht, dass ich nichts vergessen habe, fuhr er fort, indem er eine Flasche aus dem Zwerchsack hervor zog, so versucht einmal diesen Alicanten-Wein, und wenn er nicht so gut ist, dass man alle Finger und die Zehen oben drein darnach schleckt, so will ich mein Lebtag mit den Gänsen trinken.

Hier machte Pedrillo eine starke Pause, aber seine Kinnhacken arbeiteten nichts desto weniger, ob er gleich zu reden aufhörte, und er hielt sich so wohl, dass die Pastete in kurzer Frist um ein gutes Drittel leichter wurde. Er vergass nicht, auch der Flasche auf Gesundheit der Frau Beatrix fleissig zuzusprechen, und er wurde nach und nach so lustig, dass er zu pfeifen und zu singen anfing. Hei sa, rief er, indem er die Flasche in die Höhe hielt, es leben die Feen und die bezauberten Princessinnen! Sapperment; es ist ein rechter Spass auf der Feerei herum zu wandern, aber es gehört ein wohl gespickter Zwerchsack dazu, das ist wahr! Nun wie? gnädiger Herr, was habt ihr? Ihr seid ja gar nicht aufgeräumt? Ihr esst und trinkt ja nichts? was soll das sein? Hei sa! der Henker hole die Grillen! Lustig weil wir ledig sind, wer weisst, wenn uns wieder so wohl sein wird; es wird immer Zeit zum Kopfhängen sein, wenn der Vadus mecus und die Flaschen leer sind.

Mein guter Pedrillo, sagte Don Sylvio, sei du immer lustig so gut du kannst, und gib auf mich nicht Acht; ich gönne dir deinen fröhlichen Mut von Herzen; du würdest nicht so fröhlich sein, wenn du an meiner Stelle wärest.

Und warum das, gnädiger Herr? was ist euch schon wieder über die Leber gekrochen?

Ach! Pedrillo, versetzte der junge Ritter, wie sollt ich vergessen können, wie weit ich noch vom Ziel meiner Wünsche entfernt bin, und was für Hindernisse, ach! vielleicht unübersteigliche Hindernisse, ich noch vor mir finden werde! Ich versichere dich, wenn die Versprechungen der Fee Radiante mir nicht den Mut erhielten, die Gedanken, die mich in diesem Augenblick quälen, wären fähig, mich zur Verzweiflung zu treiben.

Da sei Gott vor und unsre Frau von Guadalouppe, rief Pedrillo, ihr macht einem ja recht bange. Aber wenn es nur Gedanken sind, warum jagt ihr sie nicht fort? Zum Henker, das heisst ja sich selber quälen! Seht ihr, gnädiger Herr, wenn ich gesund bin und mir nichts weh tut, und ich zu essen und zu trinken habe, so bin ich so lustig wie der Vogel auf dem Zweige, und bekümmere mich nicht so viel darum, ob es morgen Regen oder schön Wetter geben wird.

Sage mir einmal, erwiderte Don Sylvio mit einem tiefen Seufzer, wie kann ich aufgeräumt, ja wie kann ich nur ruhig sein, so lange meine geliebte prinzessin in der Gestalt eines Sommervogels herum irret, in einer Gestalt, die vielleicht unter allen möglichen für meine Liebe die gefährlichste ist?

Gefährlich, sagt ihr, gnädiger Herr? das begreif ich nicht, was an einem Sommervogel gefährliches sein kann, denn ihr habt mir ja gesagt, dass sie von den Krähen und Dohlen nichts zu besorgen hat.

Die Fee schmeichelte mir zwar, fuhr Don Sylvio fort, dass die prinzessin mich liebe; aber wer versichert mich, dass eine Neigung, die gewisser massen die Frucht eines einzigen flüchtigen Augenblicks war, gegen die Nachstellungen aushalten werde, die ihrem Herzen – –

Je, zum Deixel, unterbrach ihn Pedrillo, redet ihr im Schlaf, Herr, oder wisst ihr auch was ihr sagt? Die Gestalt eines Sommervogels ist eine gefährliche Gestalt, und ihr fürchtet euch vor den Nachstellungen, womit man, so lange sie ein Schmetterling ist, ihrem Herzen nachstellen wird! Hab ich auch in meinem Leben so was gehört? Es scheint meiner Six wohl! dass verliebt und nicht gescheit sein, ein Ding ist. Eifersüchtig; Ihr müsst also auf die Sommervögel eifersüchtig sein, die ihr in dieser Gestalt zu nahe kommen könnten? Verzweifelt! was das für ein schnakischer Einfall ist. Hi, hi, hi! auf einen Sommervogel eifersüchtig! hi, hi! das kommt ja gerade so heraus, als wenn ihr auf die Flöhe eifersüchtig sein wolltet, die sich unter ihren Unterröckchen lustig machen werden, wenn sie wieder eine prinzessin ist, hi, hi, hi!

Höre, Pedrillo, mein Freund, versetzte Don Sylvio sehr ernstaft, ich merke schon lange, dass du den Spassvogel machen willst; aber lass dir ein für allemal gesagt sein, dass nichts unerträglichers in der Welt ist, als Leute, die zur Unzeit spasshaft sind. Sage mir einmal, hast du die geschichte des Blätter-Prinzen oder des Prinzen von der Insel des ewigen Frühlings gelesen?

Des Blätter-Prinz? Nein wahrlich, Herr, antwortete Pedrillo, den kenn ich nicht: das ist das erste mal dass ich seinen Namen höre.

Du kennest also, fuhr Don Sylvio fort, die Insel der Papilions auch nicht? – –

Die