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es sei nur ein Traum gewesen, Pedrillo; wollte der Himmel, dass es so wäre! Aber – –

Seht ihr, gnädiger Herr, fuhr Pedrillo fort, es ist in allem ein Unterschied zu machen; wie ihr die Erscheinung von der Fee Rademante hattet, da dachte ich auch, es hab euch nur so geträumt, bis ihr mir das reiche Kleinod und das Bildnis zeigtet, so sie euch gegeben hatte; da konnte ich freilich nichts mehr dagegen einwenden. Was die Augen sehen glaubt das Herz. Wenn ihr mir nur eine Feder von einem dieser Paradiesvögel, die euch gezogen haben, aufweisen könntet, so liesse sich noch von der Sache reden; aber, beim Velten! was braucht es da langes und breites, ihr habt ja das Kleinod am Halse hangen, das euch der Zwerg gestohlen haben soll, sucht nur unter eurem Wams, ihr werdet die prinzessin gewiss noch am alten Ort finden. – –

O Wunder, rief Don Sylvio, da er es wirklich auf seiner Brust fand, wie er es zu tragen pflegte, du hast recht, Pedrillo, Dank sei der hülfreichen Radiante, hier ist es – –

Ich glaube Herr, sagte Pedrillo, diesmal tut ihr der Fee zu viel Ehre an, und ich wette mit euch was ihr wollt, ob ich gleich nichts habe, der grüne Zwerg hat den blauen Schmetterling und euer Bildnis so wenig gesehen als ich den Pabst. Hier habt ihr geschlafen, Herr, und da ist euch das alles im Traum vorgekommen, und da seid ihr zuletzt dran erwacht, und da habt ihr mich beim Kopf gekriegtSapperment! ihr hättet das wohl auch nur träumen können wie das übrige. Ich schwör es euch, ein andermal, wenn wir wieder schlafen wollen, werde ich so gut sein, und mich fünfzig oder sechzig Schritte von euch wegmachen.

Ich habe keine Lust, wachend davor zu büssen, wenn euch ein Zwerg im Traum erzürnt hat.

Es fehlte zwar noch viel, dass Don Sylvio den Gedanken seines gefährten über dieses Abenteuer Beifall gab; allein Pedrillo, der diesesmal seine Stärke fühlte, liess nicht ab, bis er es so weit brachte, dass sein Herr es selbst unwahrscheinlich fand, dass der grüne Zwerg in so kurzer Zeit seiner Zahnstocherschaft entlediget worden sein könnte; und sie wurden endlich beide des Schlusses einig, dass alles zusammen nur ein Blendwerk gewesen sei, welches Don Sylvio, ohne sich lange zu bedenken, auf die Rechnung der Fee Carabosse schob, die, wie er den Pedrillo versicherte, eine vertraute Freundin der Fanferlüsch und des grünen Zwergs sei, und da sie ihm auf keine andere Art beikommen könne, sich eine boshafte Freude daraus mache, ihn wenigstens in Verwirrung zu setzen, und ihm seine Reise beschwerlich zu machen.

Pedrillo liess sich mit dieser Auskunft befriedigen, und sie setzten unter diesen Gesprächen ihren Weg fort, bis die zunehmende Sonnenhitze sie nötigte tiefer im wald Schatten zu suchen.

Fünftes Capitel

Worin die geschichte nach Rosalva zurück kehrt

Der wahrhafte Urheber dieser merkwürdigen und kurzweiligen geschichte, findet hier nötig den Lauf seiner Erzählung einen Augenblick zu unterbrechen, um den Leser zu berichten, was indessen in dem schloss zu Rosalva vorgegangen.

Die arme Maritorne, die wir nebst ihrem getreuen Pyramus, auf dem Wege nach dem Barbier, unter dem Schutz der Nymphen und Waldgötter haben einschlafen lassen, erwachte mit dem Anbruch des Morgens nicht so bald, als sie sich erinnerte, dass sie abgeschickt worden war, Meister Blas, den Barbier, abzuholen. Sie besann sich, was sie sagen wollte, wenn man sie um die ursache ihres langen Aussenbleibens fragen würde, und da ihr nichts einfallen wollte, so fing sie an sich ihre schönen goldfarben Haare auszuraufen, und ein so klägliches Geschrei zu erheben, dass ihr Liebhaber daran erwachte, und nach der ursache ihrer Verzweiflung fragte. Hast du nichts als das, mein Schnäuzchen, rief er, als sie ihm ihr Anliegen eröffnet hatte, da will ich bald Rat geschafft haben. Ich kenne Meister Blasen sehr wohl, er ist in ein gewisses junges Mädchen verliebt, ein hübsches rundes rotbakkichtes Mensch, das eine Viertelstunde weit von seinem Flecken in einem Pachtof wohnt, denn sie ist des Pachters seine leibliche Tochter; und weil er, wie alle Leute sagen, eine gute Citer schlägt, so vergeht keine Nacht, dass er nicht bis Morgens um zwei unter ihrem Kammerfenster sitzt und klimpert, und singt bis ihm die Finger und das Maul abfallen möchten. Du darfst also diesen Morgen nur zu ihm gehen, und sagen, du seiest in der Nacht schon da gewesen, und habest ihn nicht angetroffen; hernach bring ihn mit, und sag der gnädigen Frau, du habest gewartet, bis er heim kommen, oder so was, sie wird nicht so genau nachfragen. Aber das sag ich dir, Maritorne, mein Täubchen, schäkre mir nicht mit ihm, siehst du? Meister Blas ist ein loser Kauz, der sich gerne zutäppisch macht, und das will ich nicht haben, hörst du's? Sapperment, ich verstehe keinen Spass nicht, was das anbetrifft.

Maritorne, welche nun wieder vollkommen getröstet war, sparte nichts ihren Liebhaber über diesen Punct zu beruhigen, und Jago, auf den der Morgen eben so mächtige Einflüsse hatte als die Nacht, überzeugte sie von neuem wie würdig er ihrer Treue sei. Allein aus Furcht die aufgehende Sonne über ihr Glück eifersüchtig zu machen, entriss er sich endlich