1772_Wieland_108_36.txt

Silberbäche, blühende Auen, Lustgänge von Citronenbäumen, kleine Seen, mit Myrten eingefasst, Lauben von Jasmin und vielfärbichten Rosen. – Kurz, alles, was man sich nur von einem Ort vorstellen kann, der dem Vergnügen und der Liebe geheiliget ist. Scharen von jungen Nymphen in leichtem Gewand flatterten unter den Myrten umher oder tanzten mit Liebesgöttern auf den Fluren, oder badeten in stillen Grotten. – –

Das muss ich gestehen, Herr Don Sylvio, fiel Pedrillo ein, dass ihr unter einem glücklichen Zeichen geboren seid. Sapperment! es leben die Selphiden, das ist etwas anders als diese vertrackten Salamander, die zu nichts gut sind, als euch in einen Froschgraben hinein zu führen! Aber warum habt ihr mich doch nicht auch mitgenommen? Wenn es um ein angenehmes Abenteuer zu tun ist, da denkt niemand an mich.

Höre nur weiter, fuhr Don Sylvio fort; man muss niemand vor dem Ende glücklich preisen, sagte Solon, der Weise, und es scheint nicht anders, als ob ich dazu verhängt sei, eine Erfahrung nach der andern von dieser traurigen Wahrheit zu machen. Indem ich an diesem anmutsvollen Ort mich umsah, erblickte ich eine Nymphe, unter einer Laube sitzend, die mit einem Sommer- Vogel spielte, der an einem goldnen Faden um sie her flatterte. Himmel! wie ward mir, da ich sah, dass es meine geliebte prinzessin war, da ich ihn für eben den blauen Sommervogel erkannte, den wir suchen! Bist du der junge Ritter, sagte die Nymphe zu mir, der unter dem Schutz der Fee Radiante das Abenteuer unternommen hat, den blauen Sommervogel zu entzaubern? Ich bin es, schönste Nymphe, antwortete ich, und bereit ihnen mein Leben selbst – O so viel verlang ich nicht, fiel sie mir ins Wort, wenn du mir beweisen kannst, dass du Don Sylvio von Rosalva bist, so ist der Sommervogel dein. Sagen sie nur, womit ich es ihnen beweisen soll, erwiderte ich, ich weiss zu gewiss dass ichs bin, als dass ich vor irgend einer probe mich scheuen sollte. Zeige mir nur das Bildnis der prinzessin, antwortete sie, du musst es haben, wenn du Don Sylvio bist, ich verlange keinen andern Beweis. O! Pedrillo, ich Unglückseliger! Wo war die Fee, meine Beschützerin, in diesem fatalen Augenblick? Ich gab ihr das Bildnis, aber kaum hatte sie es in der Hand, so sah ichHimmel! werde ich es aussprechen können? mit Entsetzen sah ich an statt der schönen Nymphe den grünen Zwerg vor mir stehen. Das kleine bucklichte Ungeheuer war vor Freude ganz ausgelassen, sprang in die Höhe, drehte das Bildnis in der Hand herum, blöckte die Zähne gegen mich, und sagte endlich mit spöttischem Gelächter zu mir: Nun hab ich was ich wollte! Wisse du unmächtiger Nebenbuhler, dass niemand als der Besitzer dieses Bildnisses im Stand ist dem blauen Sommervogel seine eigene Gestalt wieder zu geben. Nun sind beide in meinen Händen, und du hast nichts mehr zu hoffen. Geh, dank es meiner Entzückung, dass ich dir das Leben schenke; aber merke, was ich dir jetzt sage. Ich werde dich aufs genaueste beobachten, und wenn ich dich nur über einem Gedanken an meine Geliebte ertappe, so bist du des Todes! – –

Du kannst dir die Wut vorstellen, Pedrillo, worein mich diese Reden und der Anblick dieses hässlichen Gnomen mit dem Bildnis meiner prinzessin in seinen Klauen setzen musste; ich fiel über ihn her, und rang mit ihm, fest entschlossen, entweder mein Leben zu lassen, oder mein Bildnis wieder zu haben. – –

Der Vorsatz war gut und löblich, sagte Pedrillo, aber warum musste ich mit ins Spiel gemischt werden, und zwar nicht eher, als bis es ums Erdrosseln zu tun war.

Eben das ist es, erwiderte unser Held, was ich selbst nicht begreife; ich rang wie gesagt mit dem Zwerg, und in eben dem Augenblick, da ich im Begriff war ihn zu erwürgen, zeigte mir dein Geschrei und meine Augen, dass du es warst, der unter meinen Händen zappelte. Der Zwerg war verschwunden, und ich befand mich wieder an dem nämlichen Ort, wo mich die Sylphide abgeholt hatte.

Und wo blieb dann die Selphide, fragte Pedrillo?

So bald wir an dem Ort anlangten, wo sie mich absteigen hiess, muss sie verschwunden sein, denn ich sah weder sie noch ihren Wagen mehr.

Das ist eine verzweifelte Historie, sagte Pedrillo, meiner Six, sie fing sich so schön an! es ist Jammerschade, dass sie nicht besser aufhörte. Aberwenn einem einfältigen Kerl eine Frage erlaubt ist, glaubt ihr also, gnädiger Herr, dass euch das alles wirklich begegnet ist?

Daran ist wohl kein Zweifel, antwortete Don Sylvio, ich wachte ja, da es mir begegnete, ich sah mit meinen Augen, ich hörte mit meinen Ohren, ich hatte den Gebrauch aller meiner Sinnen, ich muss also gewacht haben, und wenn das ist – –

Ja, ja, das ist eben noch die Frage, versetzte Pedrillo; ich will es eben nicht für gewiss sagen, aber, wenn ihr schon die Wunderlichkeit an euch habt, und nicht leiden könnt, dass man sage, ihr träumet wie andere ehrliche Leute, so weiss ich doch wohlgesagt will ichs nicht haben, aber ich denke doch was ich denke.

Du denkst