dir was zu Leide zu tun, und, ich schwöre dirs bei dem Leben meiner prinzessin, ich begreife noch nicht, wie es zugegangen, dass der verwünschte grüne Zwerg, den ich schon in meiner Gewalt hatte, mir wieder entwischt ist, und dich an seine Stelle geschoben hat.
dachte ichs nicht, rief Pedrillo, da haben wirs; der grüne Zwerg; Sagt ich es nicht vorher, wir würden kaum den Fuss zum haus hinaus gesetzt haben, so würde der Diebshenker uns alle Drachen, Riesen, Zwerge und Rohrdommeln der ganzen Welt auf den Hals hetzen? Ich bin euch gut dafür; bei Tag wird uns nichts dergleichen begegnen. Aber hab ich euch recht verstanden, gnädiger Herr, sagtet ihr nicht was vom grünen Zwerg? Ich dachte, der sei in einen Zahnstocher verwandelt worden. Es scheint mit Erlaubnis der Frau Salamander-Königin dass sie eben keine Sclavin ihrer Worte ist. Gott verzeih mir es, man soll nicht Böses von seinem nächsten denken, aber, beim Velten! Herr, wenn sie euch nicht für einen Narren hat, so will ich gelogen haben.
Rede nicht so ungebührlich von einer so grossen Fee, sagte Don Sylvio sehr ernstaft, es wird dich noch gereuen; ich sage es dir zum letzten mal, dass ich die ungezogene Frechheit deines Mauls nicht mehr leiden werde. Höre nur erst, was mir begegnet ist, und dann rede. Musst du dann immer urteilen, eh du einmal weisst, wovon die Rede ist?
Ich glaubte nicht, dass ich mich so sehr verfehlt hätte, antwortete Pedrillo ganz kaltsinnig; ich habe doch so viel Vernunft, dass ich weiss, dass Holzäpfel keine Quitten sind. Ich lasse mir eben auch nicht alles weis machen, und ich bin, mit eurer Erlaubnis, nicht so dumm als ich aussehe. Es sind noch nicht fünf Minuten, so wolltet ihr mich erwürgen, weil ihr mich, wie ihr sagt, für den grünen Zwerg ansahet. Nun sag ich so: entweder ist der grüne Zwerg ein Zahnstocher, oder er ist keiner; ist er keiner, so hat die Fee – ihr wisst schon was; ist er aber einer, zum Henker, seit wenn sehe ich dann einem Zahnstocher gleich? das ist ein Schluss, hoffe ich, woran nichts auszusetzen ist; ich möchte wohl sehen, was Euer Gnaden darauf antworten könnte.
Zum Henker, sagte Don Sylvio lächelnd, gibst du dich auch damit ab, Dilemmata zu machen? Wenn du so fortfährst, so wird ja zuletzt nicht mehr mit dir auszukommen sein. Aber höre nur erst, sag ich dir, und lass mich allein reden, bis ich fertig bin, hernach wollen wir sehen, was für Schlüsse wir darüber zu machen haben.
Viertes Capitel
Was die Einbildung nicht tut!
Nachdem Pedrillo versprochen hatte, dass er seine Zunge im Zügel halten wollte, fing Don Sylvio seine Erzählung also an: Du warest kaum neben mir eingeschlafen – –
Holla, gnädiger Herr, fiel ihm Pedrillo ein, mit Erlaubnis, woher konntet ihr das wissen, denn ihr schliefet ja schon lange, da ich noch wachte?
Du hältst dein Versprechen unvergleichlich, sagte Don Sylvio, willt du so gut sein, und mich ohne Unterbrechung reden lassen? Ich würde bis morgen nicht fertig, wenn ich bei jedem Wort auf deine unverschämte fragen antworten müsste. Ich sage dir, dass ich wachte, und das soll dir genug sein – Indem ich nun allem dem was uns begegnet ist, nachdachte, sah ich eine Sylphide vor mir stehen – Eine Sylphide? rief Pedrillo, und hielt schnell wieder inne, indem er seinem Herrn steif ins Gesicht sah.
Ja, eine Sylphide, fuhr unser Held ganz gelassen fort, und die schönste Sylphide, die jemals von einem Sterblichen gesehen worden ist. Don Sylvio, sagte sie zu mir, ich weiss wen sie suchen; kommen sie mit mir, ich will sie zu ihrer Geliebten bringen, ich bin schon lange ihre gute Freundin; aber sie sollen doch diese gefälligkeit nicht ganz umsonst empfangen. O, rief ich, indem ich mich zu ihren Füssen warf, befehlen sie nur, schönste Sylphide, es ist nichts in der Welt, das ich nicht tun will, ihnen meine Dankbarkeit zu bezeugen, wenn sie ihr Versprechen halten. Dasjenige was ich von ihnen dafür verlange, erwiderte die Sylphide, ist eine Kleinigkeit; kommen sie nur, sie sollen erst ihre prinzessin sehen, über das andre werden wir bald einig sein. Hierauf nahm sie eine Rose von ihrem schönen Busen, und warf sie auf den Boden; augenblicklich verwandelte sich die Rose in einen MuschelWagen von Rubin, der mit zwölf Paradiesvögeln bespannt war, von einer Schönheit, dergleichen noch nicht gesehen worden ist. Ich setzte mich neben sie ein, und in wenigen Minuten stiegen wir in dem anmutigsten Ort ab, den sich die Einbildungskraft nur immer vorstellen kann. Ich würde nicht fertig werden, wenn ich dir eine Beschreibung davon machen wollte.
O gnädiger Herr, sagte Pedrillo, das tut nichts, wenn die Beschreibung lang ist, desto besser; ich wollte euch den ganzen Tag ungegessen zuhören, ich höre euch gar zu gern erzählen.
Stelle dir, fuhr Don Sylvio fort, eine unermessliche Ebne vor, in welcher die Zauberkunst irgend einer Fee alle die Annehmlichkeiten vereiniget hatte, welche die Poeten von Tibur und Tarent, von dem Tessalischen Tempe und von den Hainen von Daphne rühmen; anmutige Gebüsche, schlängelnde