zu verachten ist; hundert tausend dukaten sind meiner Six, ein hübsches Geld, Herr, und wenn es auch zuletzt etliche tausend weniger wären, so ist es doch vielleicht mehr, als das Fürstentum wert ist, das euch eure prinzessin zubringen würde. Zudem so hat der letzte auch noch nicht geschossen; wer weiss was Donna Schmergelina ist, wenn man genau nachsieht; sie ist wenigstens immer eine Nichte der Fee Fanferlüsch, und Fanferlüsch mag im übrigen so alt, so dürr und so schlimm sein als sie will, so ist sie doch eine Fee so gut als eine andre, und kann, wenn sie will, mit einem einzigen Schlag ihrer Zauber-Rute alle Ziegel auf eurem Schloss in Rubinen verwandeln.
Das ist alles wohl gut, erwiderte Don Sylvio; aber du hast mir doch selbst gestanden, dass Donna Schmergelina so hässlich sei, dass man sie unmöglich lieben könne. – –
Je nun, versetzte Pedrillo, was das anbetrifft, so muss ich bekennen, dass sie eben nicht die schönste ist; aber, wenn ihr darauf Acht gegeben habt, so hat sie doch so was in ihrem Gesicht – –
Ja wohl, Finnen und Pockengruben so viel du willst, unterbrach ihn Don Sylvio.
Und was tut das zur Sache, Herr? Schönheit ist eine vergängliche Blume; Schönheit vergeht, Tugend besteht; das unansehnliche Veilchen hat einen bessern Geruch als die prächtige aber stinkende Sammetblume. Indessen ist sie doch auch so hässlich nicht als ihr es macht; ich muss gestehen, sie ist was man sagen möchte, so ziemlich bucklicht, und beim ersten Anblick, dächte man, sie hätte rote Haare; aber wenn man sie in einem gewissen Licht betrachtet, so fallen sie eher ins rosenfarbe, und es lässt ihr in der Tat nicht übel. Kurz und gut, wenn ich an Euer Gnaden Platz wäre, so machte ichs wie der Einäugige; um hundert tausend dukaten willen kann man schon ein Auge zumachen; bei Nacht sind alle Kühe schwarz; Geld im Beutel ist der Meister, Geld regiert die Welt, kein Geld kein Schweizer, dabei bleib ich, und wenn alle siebenzig Weise aus Morgenland mir das Gegenteil beweisen wollten.
Don Sylvio, der überhaupt die beste Seele von der Welt, und diesen Morgen bei ausserordentlich guter Laune war, belustigte sich so sehr an den Reden seines schwatzhaften und naseweisen Dieners, dass er ihn immerfort reden liess, ohne ihn zu unterbrechen. Pedrillo fuhr also fort, die Vorteile nach einander her zu rechnen, die ihm die Vermählung mit der Nichte der Fee Fanferlüsch verschaffen würde; er baute auf Unkosten der hundert tausend dukaten und der Ziegelsteine, welche die Fee in Rubinen verwandeln sollte, die schönsten Schlösser, die jemals in Spanien gebaut worden sind, und erhitzte über diesen Vorstellungen seine Einbildung so stark, dass es eine ziemliche Weile anstund, bis er merkte, dass Don Sylvio indessen sanft und ruhig eingeschlafen war. Weil er nun nicht Philosoph genug war, um mit sich allein zu reden, so schwieg er endlich, und nachdem er etliche Züge aus einer Flasche Wein getan hatte, so machte er sich ein Lager zurechte, und folgte dem Beispiel seines Herren.
Drittes Capitel
Worin Pedrillo auf eine sehr unangenehme Art aus
dem Schlaf gemerkt wird
Der gute Pedrillo schnarchte noch, als Don Sylvio plötzlich aus einem Traum auffuhr, der seinen Schlummer auf eine sehr unangenehme Art unterbrochen hatte. Verdammter Zwerg, rief er, indem er den Pedrillo bei der Gurgel fasste, gib mir mein Bildnis wieder, oder du bist des Todes!
He! hülfe, hülfe, Mörder, Feuer, hülfe, schrie Pedrillo, und schlug mit Händen und Füssen um sich, indem er ohne zu wissen wie ihm geschah, so unfreundlich aus dem Schlaferweckt wurde.
Meine prinzessin her, rief Don Sylvio nochmals oder – –
Je, zum Henker, schrie Pedrillo, indem er sich von ihm losriss, seid ihrs, Herr? Reitet euch dann der Teufel, dass ihr mich mit aller Gewalt erdrosseln wollt? Pestilenz! Man ist ja seines Lebens nicht bei euch sicher?
Wie? was ist das? rief Don Sylvio ganz bestürzt, bist du es Pedrillo?
Je, zum Teufel, antwortete dieser, ich meine wohl, dass ichs bin, wenn mich meine Mutter nicht mit einem andern verwechselt hat. Ist denn das auch Manier, einen so im Schlaf zu überfallen? Sackerlot! wenn es so gilt, so bedank ich mich für die Commission, Euer Gnaden Schmetterlinge und Princessinnen suchen zu helfen.
Ich weiss nicht wo ich bin oder was ich sagen soll, erwiderte Don Sylvio, das sehe ich nun mit meinen Augen, dass du Pedrillo bist, aber – –
O grossen Dank, Herr Ritter, Don Sylvio von Rosalva, euer Diener! beim Element! ihr seid sehr gnädig, dass ihr mir es endlich ganz lasst, dass ich meiner Mutter Sohn bin; aber meint ihr, es sei damit gleich ausgerichtet? Meiner Seel, ihr hättet mir den Hals umgedreht haben können, ehe ich gewusst hätte, wie es zu gegangen wäre. Da, seht nun her, wie ihr mit mir umgegangen – seid; Potz Herrich! wenn ihrs euren guten Freunden nicht besser macht – Aber ich will gleich wetten, da wird wieder ein Zwerg oder Salamander, dahinter stecken.
Gib dich nur zufrieden, mein lieber Pedrillo, antwortete Don Sylvio, du kannst ja selbst denken, dass meine Absicht nicht war,