1772_Wieland_108_32.txt

seinen morgenrötlichen Nacken wallen? Siehst du nicht seine Augen wie zwei Morgensterne blitzen? Siehst du die lazurnen mit Licht durchwebten Flügel nicht, mit denen er, wie ein Unsterblicher, in majestätischem Flug, den Eter teilt?

Sapperment, Herr Don Sylvio, schrie Pedrillo, indem er sich mit der Faust vor die Stirne schlug, entweder bin ich ein Narr, oder ihr seid nicht recht klug; ich will geprellt werden, wenn ich von allem, was ihr mir da sagt etwas anders sehe, als einen kleinen Feuerklumpen, der in der Luft schwebt und bald näher kommt, bald wieder zurückweicht, und dergleichen ich oft gesehen habe; ihr könnt es heissen wie ihr wollt, aber ich habe meine Tage gehört, dass es feurige Männer – –

Pedrillo, mein Freund, unterbrach ihn Don Sylvio, wenn ich nicht mit deiner Einfalt Mitleiden hätte, so hätte ich gute Lust, dir dein unverschämtes Maul zu stopfen, dass du ein Andenken davon behieltest. Ich dächte doch wahrhaftig, der Herr Pedrillo sollte mir zutrauen, dass ich wissen müsse was ein Salamander ist, da ich ihrer mehr als zehen tausend im Gefolg der Fee Radiante gesehen habe. Es ist ein Salamander, sag ich dir nochmal, der vermutlich etwas bei mir auszurichten hat, der vielleicht auch nur abgeschickt ist, uns den Weg zu zeigen; es sei nun das eine oder das andere, so wollen wir ihm nachgehen, das übrige wird sich bald von selbsten geben.

So mag es denn ein Salamander sein, weil ihr es so haben wollt, erwiderte Pedrillo; ihr müsst euch besser auf solche hohe Sachen verstehen als unser einer. Euer Gnaden ist vielleicht an einem Sonntag auf die Welt gekommen, denn man sagt, die Sonntags-Kinder können bei hellem Mittag Geister sehen.

Was du da sagst, versetzte Don Sylvio, ist so unrichtig nicht. Es kann eine Gabe sein, womit mich eine Fee bei meiner Geburt beschenkt hat, dass die Elementarischen Geister, die sonst ihrer natur nach von irdischen Augen nicht gesehen werden können, für mich nicht unsichtbar sind.

Wenn aber dieses wäre, sagte Pedrillo, so müsste ich jetzt gar nichts sehen. Eurer Beschreibung nach ist dieser Salamander so schön wie ein Cherubin; warum missgönnt er mir dann das Vergnügen, ihn in seiner eigenen Gestalt zu sehen, und warum zeigt er sich mir lieber in der fürchterlichen Gestalt eines feurigen Mannes. Daran hat deine verdorbne EinbildungsKraft Schuld, erwiderte Don Sylvio. Wenn du die feurigen Männer nicht schon im kopf hättest, so würdest du ohne Zweifel eben das sehen, was ich sehe; es geht dir jetzt mit dem Salamander, der unser Führer worden ist, wie es dir vor mit der Eiche ging, die du für einen Riesen ansahest – –

Sachte, sachte, Herr Don Sylvio, fiel ihm Pedrillo ein, wir wollen diese Saite nicht mehr berühren; zu geschehenen Dingen muss man das beste reden. Ich dächte, eine Höflichkeit wäre gleichwohl der andern wert, und wenn ich euern Salamander gelten lasse, so könntet ihr meine Riesen wohl auch in ihrem Werte beruhen lassen. Wer weiss ohne dem, ob sie nicht näher mit einander verwandt sind als man sich einbildet, denn die Wahrheit zu sagen, der Grund, auf den uns euer Salamander geführt hat, fangt an ziemlich seichte zu werden; ich besorge immer, er wird es uns nicht besser machen, als ein gemeiner Feuermann; denn diese boshaften Schelmen haben keine grössere Freude, als wenn sie arme Wandersleute zum besten haben, und in einen Morast oder Froschgraben hinein führen können.

Pedrillo hatte kaum ausgeredt, als Don Sylvio, der immer voraus ging, und dem vermeinten Salamander mit starken Schritten folgte, auf einmal bis an die Knie in einen Graben sank. Pedrillo, der ihm, so bald er ihn plätschern hörte, zu hülfe kommen wollte, tat es mit so weniger Behutsamkeit, dass es ihm noch ärger ging als seinem Herrn; denn er fiel so lang er war in den dicksten Schlamm hinein. Das jämmerliche Geschrei, das er anfing, machte unsern Helden besorgen, er möchte ein Bein verstaucht oder gar gebrochen haben. Was ist dir begegnet, mein guter Pedrillo, dass du so kläglich tust, rief er ihm zu, indem er sich selbst aus dem Morast heraus arbeitete, so gut es die Länge und Schwere seines Seitengewehrs zuliess. Wo seid ihr denn, mein lieber Herr, rief Pedrillo ängstlich? Habt ihr noch eure eigene Gestalt, oder sind wir schon in Frösche verwandelt; dass es Gott erbarme! mich deucht, ich höre mich selbst schon quäken, wenn es nicht der Schrecken ist, der mich gar närrisch macht. Da haben wirs nun! sagte ich nicht vorher, es werde so gehen, und werdet ihr so gut sein, und mich ein andermal auch etwas gelten lassen? Wo ist nun der Salamander mit seinen goldfarben Flügeln und lazurnen Haarlocken, und mit seinen Morgensternen in den Augen? Zum Guckguck ist er, und bekümmert sich den Henker darum, wie wir wieder aus dem Quark heraus kommen.

Das Übel ist nicht halb so gross, als du es machst, sagte Don Sylvio, und es mag sein wie es will, so hat der Salamander keine Schuld. Warum sahen wir nicht besser vor uns hin, denn er machte uns hell genug? Und wenn er verschwunden ist, so ist gewiss nichts anders als dein ungewaschenes Maul – –

O saget das nicht,