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versetzte Don Sylvio.

Gott steh uns bei! Sagte Pedrillo keuchend, seht ihr dann den greulichen Riesen nicht, der dort auf einmal aus dem Boden hervor kommt, dort linker Hand? Er wird immer grösser und grösser, und streckt, deucht mich, wohl hundert arme gegen uns aus, seht ihr, er kommt immer näher. – –

Ich glaube, du bist nicht klug, erwiderte Don Sylvio; tu die Augen besser auf, und schäme dich, dass du einen Baum für einen Riesen ansiehest.

Gott gehe nur, dass es nicht noch etwas ärgers als ein Riese ist, versetzte Pedrillo. Ein Baum sagt ihr? Wo hat denn ein Baum arme und Füsse?

Ich sage dir alberner Tropf, antwortete Don Sylvio, dass es ein Baum ist; was du für arme ansiehst, sind seine Äste, er scheint immer grösser zu werden, weil der Grund, worauf wir gehen, etwas erhaben ist, und er kommt uns immer näher, weil wir auf ihn zugehen. Wenn du so furchtsam bist, dass du Eichbäume für Riesen ansiehst, so möchte ich wohl wissen, wofür du die würklichen Riesen halten wirst, die uns vielleicht noch aufstossen werden? Was mich betrifft, so schwör ich dir, dass alle Bäume in diesem wald zu Riesen werden könnten, ohne dass ich sie fürchten würde.

Ich bitte euch, mein lieber Herr, versetzte Pedrillo, redet nicht so laut; die Haare stehen mir zu Berge, wenn ich euch so reden höre. Die Riesen könnten euch beim Worte nehmen; glaubt mir Herr, ein einziger würde euch so viel zu tun geben, dass ihr genug hättet. Ich bitte euch ums himmels willen, geht ihm aus dem Wege, und tut ihm nichts; es daurte mich nur mein junges Blut; der Popanz würde keinen Unterschied machen, und ich müsste dran glauben, so unschuldig ich immer bin.

Das dachte ich wohl, antwortete Don Sylvio lachend, dass es dir nur um deine eigne Haut ist; aber besorge nichts; die Fee Radiante hat dich ja ausdrükklich zu meinem gefährten ernannt, und du stehest also unter ihrem Schutz so gut als ich selbst. Ich sag es dir noch einmal, wenn aus jedem Baum in diesem wald ein Riese würde, und aus jedem Blatt ein junger Feldteufel hervor kröche, so hätten wir doch nichts zu besorgen. Aber siehst du denn nicht, dass dein Riese nichts mehr und nichts weniger ist als was ich dir sagte? Wir sind nun ganz nah bei ihm, und wenn du noch nicht glauben willst, dass es ein Baum ist, ein Eichbaum sag ich dir, ein eichener Eichbaum, so gut als es jemals einer gewesen ist, so will ich zur probe einen Ast davon abhauen.

Ach, mein lieber gnädiger Herr, rief Pedrillo, indem er ihm den Arm zurück hielt, tut es ja nicht, ich bitte euch; ums himmels willen, lasst es bleiben, und macht nicht euch und mich durch eure Tollkühnheit unglücklich. Es mag nun jetzt eine Eiche oder eine Linde sein, so hab ich doch mit meinen Augen gesehen, dass es ein ungeheurer Riese war, ich will eben nicht sagen, ein Riese, Gott weiss, was es gewesen sein mag; aber ich weiss doch, was ich gesehen habe; der Teufel, Gott behüt uns! ist ein Tausendkünstler, und er kann eben so gut Weisst du wohl, Pedrillo, fiel ihm Don Sylvio ins Wort, dass ich deiner blödsinnigen Einfälle müde bin? Ich glaube zum Henker, du willst einen Don Quischotte aus mir machen, und mich bereden, Windmühlen für Riesen anzusehen? da siehe, wie viel ich mir aus deinen Riesen mache! Mit diesen Worten zog er seinen Säbel, und hieb auf einen Zug einen ziemlichen Ast herunter.

Pedrillo erschrak anfangs so sehr über diese verwegene Tat, dass er beinahe umgesunken wäre; da er aber sah, dass sie keine schlimme Folgen hatte, so fasste er wieder Mut. Ich hätte nicht gemeint, sagte er zu unserm Helden, dass ihr so viel Herz hättet, Herr Don Sylvio; ich glaube, verzeih mir es Gott, ihr wäret toll genug, mit dem Teufel und seiner Grossmutter anzubinden. Aber wir wollen nicht zu früh Triumph singen. Seht einmal ob nicht Blut aus dem Ast heraus fleusst?

Da sieh selbst, sagte Don Sylvio, indem er ihm den Ast darbot, und gesteh einmal, dass du der albernste dumme Junge bist, den ich jemals gesehen habe. Woher nimmst du doch alles das altvettelische Zeug, das du sagst?

Was ich da sagte, gnädiger Herr, ist, meiner Six! nicht so einfältig als ihr denkt; ich habe dergleichen Dinge mehr gelesen, und was einmal begegnet ist, kann ein andermal wieder begegnen. Zum Exempel, ich besinne mich jetzt gleich eines gewissen Trajanischen Prinzen, ich weiss selbst nicht mehr Coridor oder Isidor3, aber es dort sich so was in seinem Namen, der von einem Mahommetanischen Zauberer in einen Cypressenbaum verwandelt worden war, und da ihn der Pabst Aeneas Sylvius, ich weiss nicht mehr warum, wollte umhauen lassen, da floss bei jedem Hieb Blut heraus, frisches Blut, so rot als man es nur sehen wollte. Die Leute erschraken entsetzlich, wie ihr euch einbilden könnt; allein der Pabst Aeneas, der gleich merkte, dass ein Geheimnis darunter stecken müsse, befahl, man sollte nur fortfahren zu hauen, und was